Zwei Minuten und 47 Sekunden dauerte der Beitrag, den der Bayerische Rundfunk am Montagabend ausstrahlte. Der Inhalt: Der EHC Waldkraiburg, der die Höchstadt Alligators im Finale der Eishockey-Bayernliga bezwungen hatte und als Meister das Aufstiegsrecht in die Oberliga besitzt, kann den finanziellen Mehraufwand in der höchsten Spielklasse des Freistaats nicht stemmen. "Die Bande kann leider nicht bezahlt werden", sagt Präsident Wolfgang Klose in dem Filmchen. Der Deutsche Eishockey-Bund schreibt für die Oberliga nämlich eine höhere und weichere Umrandung vor.


Stadion muss früher kalt sein

Zudem beginnt die Saison in der Oberliga früher, Waldkraiburg bräuchte schon im September ein kaltes Stadion, das der Stadt gehört.
Bürgermeister Robert Pötzsch könne laut Beitrag aber nicht das ganze Geld in einen Verein stecken, sondern habe unter anderem eine Kletterhalle und ein Freibad zu finanzieren. Fazit: Die Kosten des Aufstiegs sind zu hoch. Außerdem wird Trainer Rainer Zerwesz mit den Worten zitiert, ihm sei die Oberliga zeitlich nicht möglich.

Der Verein reagierte empört auf die Ausstrahlung und sah sich zu einer Stellungnahme gezwungen. Auf der Homepage der "Löwen" ist seit Dienstag zu lesen: "Am Tag unseres Saisonabschlussfestes tauchte plötzlich unangemeldet (...) der Bayerische Rundfunk auf." Zu diesem Zeitpunkt habe sich der EHC noch in Gesprächen mit der Stadt und Sponsoren befunden. Die Entscheidung über den Verzicht sei noch nicht gefallen gewesen. "Das Interview unseres ersten Vorstands wurde zusammengeschnitten und die Redewendungen aus dem Zusammenhang gerissen, sodass ein völlig falsches Bild entstand", schreibt der Vorstand.


Widerspruch und Bestätigung zugleich

Mittlerweile stehe zwar fest, dass Waldkraiburg in der Bayernliga bleibt, doch zum Zeitpunkt der BR-Aufnahmen habe man noch keine Aussagen treffen können. Der Verein bittet seine Fans daher "um Entschuldigung für die etwas verunglückte Berichterstattung".

Was bedeutet der Verzicht für die Alligators? Rückt der Vizemeister automatisch nach? Und kann sich der Höchstadter EC die Oberliga elf Jahre nach dem freiwilligen Rückzug überhaupt leisten? "Für uns war klar, dass wir nur aufsteigen, wenn wir Meister werden", stellt Sportvorstand Jörg Schobert klar und begründet das mit der Zeit, die dem Nachrücker bis zu einem offiziellen Verzicht des Titelträgers davonlaufen würde. Die Erneuerung des Stadions am Kieferndorfer Weg sei ohnehin erst für 2017 geplant. Somit bleibt auch der HEC in der Bayernliga.


Stütz und Schnierstein verlängern

Der Kader dafür nimmt langsam Konturen an. Nach den vorzeitigen Vertragsverlängerungen von Verteidiger Jiri Ryzuk und Stürmer Ales Kreuzer haben auch Torhüter Philipp Schnierstein und Verteidiger Richard Stütz zugesagt. Der 26-jährige "Phipsi" war nach seiner Rückkehr gegen Ende der Vorrunde der Garant für den Einzug ins Finale. Mit seinen Paraden brachte er manchen Angreifer zur Verzweiflung und hielt sein Team im Spiel, wenn es im Sturm nicht lief.

Vor der Saison hatte der gebürtige Nürnberger angekündigt, aufgrund seines Studiums zu pausieren. Lange hielt er aber nicht die Füße still und kehrte noch vor Weihnachten ins Tor der Panzerechsen zurück. In der kommenden Spielzeit steht der im März von der Internetplattform www.bayernhockey.com zum Spieler des Monats gewählte Goalie also wieder zwischen den Pfosten und soll der Mannschaft die nötige Stabilität bringen.

Stütz, der maßgeblich dazu beitrug, dass die Alligators wenige Gegentore kassierten, bleibt den Aischgründern ebenfalls erhalten. Der 30-Jährige wechselte während der Landesligasaison 2011/2012 aus Schönheide nach Höchstadt und gehörte in der vergangenen Spielzeit mit seiner Ruhe und Übersicht zu den besten Defensiven der Liga, in Überzahlsituationen verlässt er seine angestammte Position an der blauen Linie und sorgt mit seinen 1,85 Metern für Unruhe vor dem gegnerischen Tor. Zuletzt kämpfte der gebürtige Tscheche immer wieder mit Verletzungen, biss sich aber selbst mit einer Gehirnerschütterung durch und sorgte an der Seite von Kapitän Daniel Sikorski für eine solide Abwehr.


Grundstock steht, Fous und Schorr gehen

Mit Spielertrainer Daniel Jun, der 2015 für drei Jahre verlängerte, sowie Ryzuk und Kreuzer, die dem HEC im März ihr Ja-Wort gaben, steht bereits der Grundstock für die kommende Saison. Das sieht auch Schobert so: "Mit diesen fünf Spielern haben wir einen guten Anfang gemacht. Unser Ziel ist es, das Team möglichst zusammenzuhalten und nur ein paar Veränderungen vorzunehmen. Der Teamgeist ist überragend und es gibt von unserer Seite keinen Grund, die halbe Mannschaft auszutauschen."

Nicht mehr für den HEC auflaufen werden dagegen Torhüter Martin Fous (29), der ab den Play-offs nicht mehr eingesetzt wurde, und Verteidiger Marcel Schorr (33), der nur in der Vorrunde zum Zug kam.