Die Corona-Krise traf und trifft die Sportvereine der Region hart. Wettkämpfe und Veranstaltungen wurden abgesagt. Einnahmen durch Eintrittsgelder, Feste und Spenden sind geringer oder fallen ganz aus. Hinzu kommen die Einschränkungen im Trainingsbetrieb und Herausforderungen in der Umsetzung detaillierter Hygienekonzepte. Eine Boom-Sportart der vergangenen Jahre sah sich noch größeren Problemen ausgesetzt als andere Disziplinen: American Football.

Zum Einen sind die Teams aufgrund der vielen spezialisierten Positionen deutlich größer als in anderen Mannschaftssportarten. Zum Anderen sind intensiver Körperkontakt und harte Tacklings ein Grundelement des Spiels. Alles in allem also schwierige Umstände in einer Viruspandemie. Der American-Football-Verband Bayern (AF VBy) hat die Spielzeit 2020 bereits im April für die Regionalliga abwärts ausgesetzt. Auch die 1. Liga fällt heuer aus. In der viergleisigen 2. Liga ist noch keine Entscheidung gefallen. Angesichts der Lockerungen schauen die fränkischen Teams trotzdem optimistisch in die Zukunft.

Mehr Zeit für Anfänger

"Eigentlich ist es aktuell sogar die beste Zeit für Rookies, um mit dem Sport anzufangen", sagt Niklas Benz, Abteilungsleiter bei den Herzogenaurach Rhinos aus der Landesliga Nordwest. Man habe jetzt viel mehr Zeit, den Anfängern grundlegende Dinge zu vermitteln. Das Interesse am Sport sei weiter groß. Seitdem es ab Mai immer mehr Lockerungen gab, wurden in Herzogenaurach auch wieder Neulinge beim Rookie-Monday begrüßt. Erst nur via Online-Training, seit Anfang Juni in Kleingruppen auf dem Sportplatz des ASV.

Der Fokus lag zunächst auf einfachen Fitness-Übungen und Taktik, später im Bereich Schnelligkeit und Beweglichkeit. Seitdem mit den Regelungen vom 7. Juli auch Mannschaftstraining mit Kontakt wieder erlaubt ist, taste man sich an ein "normales" Training heran. Benz betont, dass die Rhinos die gesetzlichen Vorgaben und das Hygiene-Konzept des Vereins sehr ernst nähmen: "Wir verfolgen da eine Null-Toleranz-Politik." Nur Spieler, die an einer verpflichtenden Online-Schulung zu den Corona-Regeln teilgenommen haben, dürfen am Trainingsbetrieb teilnehmen.

Bei der Gestaltung dieses Trainings setzen die Rhinos auf viele neue Reize. Football-Veteran Joachim Gerlach hatte bereits im Winter sein Traineramt aus Zeitgründen aufgegeben. Als neuer Headcoach fungiert seit Jahresbeginn Harald Fürst, der bisher bereits für die Defensive verantwortlich war. In den vergangenen Wochen zog der Klub mit José Ricco (Offensive Coordinator) und Richard Dilukila (Athletik) zudem zwei hochkarätige Verstärkungen mit Erfahrung aus der höchsten deutschen Liga an Land.

Stolz auf Trainer-Angebote

Nach Verstärkungen auf der Trainerposition sucht der letztjährige Derbygegner aus Hemhofen noch. Das erfahrene Duo Thomas Sinner und Jens Gödel hat aus privaten Gründen aufgehört. Angebote gebe es aber genügend, erzählt Gechers-Vorsitzender Theofanis Triantafillos. "Das sind teilweise Leute von viel größeren Teams. Da ist man schon stolz und merkt, dass man Einiges richtig gemacht hat."

Nach Hemhofen passe kein Disziplin-Fanatiker, so Triantafillos. Die Gechers wollen ihrem Credo als das etwas andere Team vom Dorf treu bleiben und setzen auf eine familiäre Atmosphäre. Einer, bei dem es wohl gepasst hat mit dieser Philosophie, ist Stefan Behrens, der von den Eckental Black Lions kommt. Der Football-Veteran (Nürnberg Rams, Fürth Buffalos) kümmert sich seit gut sechs Wochen um die Defensive. Besonders wichtig derzeit? Die Jungs motivieren und bei Laune halten. "Mit meinem beruflichen Background als Ausbilder habe ich da sicherlich ein paar Vorteile", erklärt Behrens.

Auch er betont, dass man durch die längere Pause besser an Grundlagen arbeiten könne. Mit Blick auf die deutlich gestiegenen Anforderungen in der Landesliga gibt es auch mehr Zeit, sich auf die Spielzeit 2021 vorzubereiten. Personell haben die Gechers (fränkisch für Hähne) einige vielversprechende Zugänge an Bord, ergänzt Triantafillos, der froh ist, dass es endlich wieder auf den Platz geht. Da der Stammverein TSV Hemhofen lange mit den Voraussetzungen für einen Trainingsbetrieb unter Corona-Bedingungen zu kämpfen hatte, ist dies erst seit gut drei Wochen wieder möglich.

Abgesehen davon sei man aber mit Online-Training und Fitness-Einheiten gut durch den Lockdown gekommen. Einzig auf der Einnahmenseite fehle etwas Geld, das man eigentlich in Goal Posts und zusätzliches Equipment investieren wollte.

Ähnlich lautet der Tenor beim dritten Landesliga-Team der Region, den Bamberg Phantoms, die wie die Gechers in der Nordost-Staffel angetreten wären. Mitten in der Vorbereitung auf das geplante Oster-Trainingscamp folgte die Bremse von 100 Prozent auf Null. Insbesondere für die Jugendteams sei das sehr schwer gewesen, erzählt Vorsitzende Sabine Schubert. Die U16 hatte sich für die bayerischen Meisterschaften im Flag-Football, einer Variante ohne Körperkontakt, qualifiziert, die dann abgesagt wurden. Das sonst sehr stark nachgefragte Ferienprogramm der Phantoms findet in abgespeckter Form in Bamberg statt. Auch die Zehn-Jahres-Feier des Vereins fiel aus.

Anders als in Herzogenaurach und Hemhofen hatten die Phantoms keinen größeren Zulauf an Neulingen. "In dieser Frage haben wir sehr vorsichtig agiert", sagt Schubert. Ein weiteres Problem: In der Mannschaft spielen einige Studenten, die nun nicht vor Ort waren. Vieles sei über Online-Angebote gelaufen. Schubert lobt in dieser Hinsicht den bayerischen Verband, der für Spieler und Trainer gute Schulungsprogramme erstellt habe.

Vielleicht hat sich auch der neue Headcoach Erkut Dayan dort noch ein paar Tipps geholt. Wobei der ehemalige Trainer des neuen Landesliga-Gegners Bayreuth Dragons eigentlich schon genug Erfahrung mitbringt. Nach einem Jahr Auszeit will Dayan bei den Phantoms wieder voll angreifen.

Mehrheit ist gegen Saison

Noch ungewiss ist, ob es in diesem Jahr eine verkürzte Saison gibt. Der AFVBy hatte dazu bis Ende Juli eine Umfrage unter allen Vereinen durchgeführt. "Die Auswertung liegt mir noch nicht vor, aber die große Mehrheit hat dagegen gestimmt", berichtet Max Zillibiller von den CoTrojans Coburg aus der Aufbauliga, der als Obmann der Regionalliga Bayern und oberfränkischer Bezirksvorstand von Anfang an in die Diskussionen und Entscheidungen eingebunden war. "Im Juni hat sich schon abgezeichnet, dass es heuer keine Saison mehr geben wird", erzählt der Vereinsvorsitzende. "Höchstens Testspiele und kleinere Turniere."

Man habe Kontakt zu ein paar Teams wegen Freundschaftsspielen, heißt es von den Gechers und Phantoms. "Aber ob das Interesse der Zuschauer unter Corona-Bedingungen sehr groß wäre?", fragt Schubert skeptisch. Mehr Optimismus herrscht in Herzogenaurach. Niklas Benz würde gerne am Tag der deutschen Einheit (3. Oktober) ein Freundschaftsspiel ausrichten. "Das wäre auch ein Dankeschön an unsere treuen Fans und Sponsoren."

Zillibiller findet den Saisonausfall schade, angesichts der Situation in den USA, wo es in der National Football League einige Corona-Fälle gibt und etliche Spieler von der Möglichkeit Gebrauch machen wollen, in der Runde ab 10. September nicht mitzuspielen, hält er die Entscheidung aber für vernünftig. Auch dass ein paar "Trojaner" aufgehört hätten, vermutlich um sich einer Sportart mit weniger Auflagen zu widmen, könne der 56-Jährige verkraften. "Es wäre einfach kein fairer Wettbewerb, weil alle Teams unterschiedliche Voraussetzungen haben", sagt der Püchitzer (Landkreis Lichtenfels).

Football in Bayern 2020

Am 20. April gab der American-Football-Verband Bayern (AF VBy) bekannt, dass die reguläre Saison der bayerischen Lizenzligen für 2020 ausgesetzt sowie die Auf- und Abstiegsregelung außer Kraft gesetzt werden. Ausgenommen waren die nach den Sommerferien startenden Ligen im Jugendbereich. Darüber soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden. Auch das Thema Auf- und Abstieg aus der Regionalliga wird noch separat zu betrachten sein. Ab dem 11. Mai erlaubte der AFVBy das Training schrittweise wieder. mit rup