Der Höchstadter Biologe Hans Krautblatter kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus: "Etwas Vergleichbares habe ich noch nie gesehen." Er steht an einem etwa 5000 Quadratmeter großen ehemaligen Sonnenblumenfeld unweit des Höchstadter Ortsteils Weidendorf. Zwischen noch einzelnen verwelkten Sonnenblumen tut sich ein wahres Blütenmeer auf.

Der promovierte ehemalige Gymnasiallehrer spricht vom "Blühwunder vor Gottesgab". Die unterschiedlichsten Pflanzen stehen hier gerade in voller Blüte. Für Bienen und alle anderen Insekten bestens geeignet.

Was hier offensichtlich aus einer Samenmischung aufgegangen ist, ist für den Biologen ein besonders gelungenes Beispiel für eine Blühwiese. Mit der Kampagne "Rettet die Bienen" waren allerorten auch Blühwiesen angelegt worden, die jetzt ihre Farbenpracht entfalten.

Ideal für Wildbienen

Krautblatter entdeckt einen enormen Artenreichtum, eine großen Speisekarte, die allen Insekten Nahrungsquellen bietet. Besonders auch den Wildbienen. 450 Arten gibt es davon in Bayern, wovon laut Krautblatter 25 Prozent vom Aussterben bedroht sind. Da freut es den Biologen, dass auf dem Feld bei Weidendorf etliche Pflanzenarten stehen, die besonders lange blühen und Nahrung liefern.

Drei Arten sind dabei, die klassische Farbträger sind und früher für die Herstellung von Naturfarben verwendet wurden. Da ist einmal der Färberwaid. Aus ihm wurde in Deutschland Indigoblau gewonnen. Gelbe Farbtöne lieferte die Färberkamille, bei der der Farbstoff mit Alkohol extrahiert wurde. Und dann steht auf dem blühenden Feld auch noch die Färber-Resede, Grundstoff für gelbe und grüne Farbtöne.

Krautblatter entdeckt aber auch Blaublattgewächse wie den Natternkopf, der besonders lange blüht. Und dann noch eine Vielfalt an Pflanzen, wie die Wilde Möhre, Malven, verschiedene Ampfer-Arten, weißen und gelben Steinklee, Kornblumen und Knöterich. Bei einem Streifzug durch die Natur und der Suche nach Fotomotiven war der Biologe auf dieses Feld gestoßen.

Von einem Erfolg seiner Aktion berichtet auch der Neuhauser Landwirt Johannes Funke. Er hatte Blütenpaten gesucht, die auf seinen landwirtschaftlichen Flächen für 50 Euro pro 100 Quadratmeter Blühwiesen anlegen konnten. Die gleiche Fläche steuerte Funke noch einmal bei. So sind 2,5 Hektar entstanden, die jetzt in voller Blüte stehen, jede Menge Insekten und auch Vögel anlocken. Funke ist nun gespannt, wie sich die Patenschaften weiter entwickeln.

Einfach sich selbst überlassen

Wie auch ohne großen Aufwand ein Beitrag für die Natur geleistet werden kann, erlebt Alfons Krafft aus Mailach. Er hat im vergangenen Jahr ein Maisfeld im Aischgrund einfach stillgelegt und sich selbst überlassen. Entstanden ist auch hier eine blühende Wiese, auf der Biologe Krautblatter den Kompass-Lattich entdeckt, "die Stammpflanze für unseren Kopfsalat".