Im deutschen Vereinsleben scheint der Wurm zu stecken, denn die sinkende Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement bleibt die Hauptsorge bei vielen Vereinen. Ehrenamtlichen Mitarbeiter zu gewinnen - vor allem in verantwortlichen Funktionen - bewegt auch die CSU in Herzogenaurach. "Die Professionalisierung des Ehrenamtes bei administrativen Aufgaben könnte eine Chance sein, langfristig vor allem ehrenamtliche Mitarbeiter für den Vorstand zu gewinnen", erklärten Kurt Zollhöfer sowie Bernhard Schwab und luden zum Vereinsgespräch ein. Dazu kamen Thomas Schneider von der Sportförderung der Stadt Nürnberg und Robert Seel, Präsident des DJK-BFC Nürnberg, nach Herzogenaurach.

die rund 20 Vereinsvertreter schilderten ihre Probleme von der fehlenden Bereitschaft von Mitgliedern, sich ehrenamtlich zu engagieren bis hin zu finanziellen Problemen. Vereine würden immer mehr als Dienstleister gesehen: Die Leute bringen ihre Kinder, holen sie wieder ab, haben aber keine Zeit, im Verein mitzuwirken. Gerade bei Vereinen mit Immobilien oder Sportanlagen werde es zunehmend schwieriger, Mitglieder für Arbeitsdienste zu finden. "Mit der zunehmenden Bürokratie und der damit verbundenen Verantwortung stirbt die Ehrenamtlichkeit", erklärte Erwin Piniek vom ASV Niederndorf.

"Die Probleme sind nicht nur auf Herzogenaurach beschränkt. Die haben wir auch in Nürnberg sowie in vielen anderen Kommunen", erklärte Thomas Schneider, der von der Sportförderung der Stadt Herzogenaurach beeindruckt war.In den letzten Jahren sei bei Nürnberger Vereinen ein steigender Problemdruck feststellbar, und der Sport-Service der Stadt Nürnberg versuche, gegenzusteuern. "Sinkende Mitgliederzahlen, Mehrkosten für den Unterhalt der Sportanlagen und der Mindestlohn für Übungsleiter: All das macht zum Beispiel den Sportvereinen zu schaffen", umriss Schneider das Problem.

So steigen die Fixkosten insbesondere bei den Sportvereinen und der Verein kann nicht mehr flexibel reagieren. Wenn dann auch noch die Mitgliederzahlen plötzlich rückläufig sind, geht es schnell in Richtung Unwirtschaftlichkeit. Die Lösung müsse aber nicht gleich eine Fusion oder ein Zusammenschluss sein.

Deshalb solle die Vereinsförderung dazu verwendet werden, die Vereine in ihrer strukturellen Ausrichtung und in ihrer qualitativen Arbeit zu verbessern und um Krisenintervention betreiben zu können. Viele Vereinsvorsitzende seienüberfordert, vor allem wenn Sportstätten dranhängen, Zuschussanträge gestellt und Steuererklärungen abgegeben werden müssen. Ziel müsse es sein, die Vereinsvorsitzenden zu entlasten, damit sie sich auf die Vereinsführung konzentrieren können. Zur Verwaltung eines Vereins müsse ein Vereinsmanagement geschaffen werden. In Nürnberg habe sich die Zahl der Vereinsmanager in den letzten drei Jahren verdreifacht.

Die DJK Berufsfeuerwehr Franken Concordia e.V. - ein Breitensportverein mit zwölf Sportabteilungen - habe mit dem benachbarten Tinker- und Ponyhof Tiererlebnisfarm e.V. - einem Reitverein mit 318 Mitgliedern - auf dem Weg zu einer Fusion eine Verwaltungsgemeinschaft gegründet.

"Verwaltungsgemeinschaft" lautet das Konstrukt, das sich Robert Seel ausgedacht hat. Das Ziel: Die Vereine werden zusammen verwaltet, haben ein gemeinsames Büro, in dem Mitgliedsanträge bearbeitet oder Fördermittel beantragt werden. Das Tagesgeschäft des Vereins wird ausgelagert und die Vereinsführung kann sich wieder ihren eigentlichen Kernaufgaben widmen.

Wie das in Nürnberg funktioniert, erläuterte Robert Seel. Hauptamtliche kümmern sich um die Vereinsverwaltung. In Nürnberg gibt es fünf Vollzeitstellen und vier Kräfte auf 450-Euro-Basis, wobei Vollzeitstelle nicht gleich eine 40-Stunden-Woche bedeute. "Ein Verein mit rund 1000 Mitgliedern beanspruche etwa zehn Stunden Verwaltungsarbeit pro Woche, die in Nürnberg nicht mehr beim Verein geleistet werden, sondern von der Verwaltungsgemeinschaft erbracht werden."

Besonders zu empfehlen seien Verwaltungsgemeinschaften zwischen Vereinen in unmittelbarer Nachbarschaft. Dabei solle es sich um gesunde Vereine handeln, die nicht erst aktiv werden, wenn sie große Probleme haben, erklärte Seel.

So ist es bei einer Verwaltungsgemeinschaft möglich, dass Mitglieder von Vereinen jeweils auch das Angebot eines anderen Vereins nutzen können. "Durch das gemeinsame größere Sportangebot sind positive Mitgliedentwicklungen in den Sportarten erkennbar", erklärte Seel. Auch die Finanzierung der Verwaltungskräfte habe problemlos gesichert werden kännen: Die Vereine zahlen je nach Vereinsgröße zwischen 70 Cent und einem Euro an die Verwaltungsgemeinschaft und werden von der Sportförderung bezuschusst.