Höchstadt"Es ist kein Jubiläum und kein besonderes kirchliches Ereignis, dass Sie zu uns kommen. Aber wie wir in der Weihnachtsgeschichte schon hören, dass die Hirten bei ihren Schafen wachten, so ist es auch gut, wenn der Bischof über seine Herde wacht", sagte Dekan Kilian Kemmer zu Beginn der Gebetsnacht "Nightfever" (Nachtfieber). Sie fand erstmals statt, und auch Weihbischof Herwig Gössl aus Bamberg neben zahlreichen Gläubigen anwesend.
Jeder Besucher erhielt eine Kerze. Bei Kerzenlicht und besinnlicher Musik in einem wunderschön illuminierten Gotteshaus konnte man beten, seine Gedanken, Sorgen, Ängste und Anliegen aufschreiben und den Zettel in einer Box neben dem Altar ablegen. Eine andere Möglichkeit war, einfach die Atmosphäre auf sich wirken lassen, nachdenken und zur Ruhe kommen.


Meditative Musik

Die Kerzen stellten die Gläubigen später auf den Stufen des Altares ab und aus einer anderen Box konnte man einen Bibelspruch nehmen. Es gab viel Zeit und Raum, um Vergebung zu finden, sich segnen zu lassen oder auch nur das Gespräch mit dem Weihbischof, vier weiteren Priestern oder Diakon Paszek zu suchen. Es wurde gebetet, gesungen und eine junge Musikgruppe, die sich extra für diesen Abend gefunden hatte, spielte im Wechsel mit der Orgel meditative Musik.


Nightfever schon zehn Jahre alt

Der Weihbischof dankte für die Einladung. "Die Nightfever-Aktion ist nun schon zehn Jahre alt und bei euch hier ist es ein Anfang. Ich bin gerne gekommen." Er wie auch der Dekan gedachten der Menschen, die in der vergangenen Nacht in Paris Opfer von Gewalt und Terror geworden sind. "Die Anschläge sind jetzt schon ganz nah. Ein Ausbund von Hass, Gewalt, Niedertracht und Bosheit - eine teuflische Macht", sagte der Weihbischof.
"Diese Gebetsnacht, Gottes reicher Segen, wird immer eine Quelle, ein Ort sein, wo Menschen unterschiedlichen Alters den Zugang zu unserem Herrn finden." Das Lied "Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde", war eine passende Überleitung zum besinnlichen Teil der Nacht.


Diakon Paszek ist stolz

Christian Ulbrich, neben Diakon Georg Paszek einer der Hauptorganisatoren der Nacht, erzählte über die Ursprünge von Nightfever. "Es ist eine Initiative von Christen aller Altersstufen und ist als Fortführung der Vigil (Nachtwache vor großen Festen) des Weltjugendtages 2005 in Köln entstanden." Nightfever war ursprünglich eine einmalige Aktion, aber inzwischen hat sie in weltweit 250 Städten mehr als 2000 mal stattgefunden.
Diakon Georg Paszek war am Ende stolz auf sein Team. "Ich unterstützte sie gerne in ihrem Eifer und versuchte immer, diesen am Leben zu erhalten. Die jungen Leute waren und sind mit Begeisterung dabei, was mich richtig berührt."
Stefan Karbacher stand als Mitglied des Bamberger Nightfeverteams dem Höchstadter Team hilfreich und beratend zur Seite. "Die Vorbereitung dauerte etwa drei Monate, aber die jungen Leute haben alles selbständig gemeistert", lobte Karbacher. Gegen 22 Uhr endete das erste Höchstadter Nightfever mit einem Nachtgebet und dem Segen.


Grete Engelhard: Mich interessiert alles, was in der Kirche angeboten wird. Der heutige Abend ist sehr ergreifend und berührt mein Innerstes. Mir gehen viele Gedanken durch den Kopf. Dass auch so viele junge Leute so viel leisten und die ganze Vorarbeit erledigen, das ist bewundernswert!

Bianca Staschik: Ich bin gekommen, weil ich die Atmosphäre und auch die Lieder mag, weil es eine andere Form der Anbetung ist. Man kann sich Gott aussetzen ohne Druck, ohne Hektik, einfach zur Ruhe kommen ...

Annika (10): Ich bin Ministrantin und wollte natürlich auch
dabei sein. Ich finde es sehr schön.

Carolin (19): Ich bin Oberministrantin, im Mini-Team und jetzt auch im Vorbereitungsteam dabei. Die meiste Arbeit haben aber unser Diakon Georg Paszek und mein Bruder Christian geleistet. Ich hab nur unterstützt. Aber die Arbeit hat sich echt gelohnt. Ich hab schon Nightfever im Bamberger Dom mitbekommen. Es wäre schön, wenn wir das jedes Jahr machen könnten. Die Atmosphäre hier ist nicht so steif, einfach locker.

Lisa (17): Ich bin seit der 3. Klasse Ministrantin, dann wurde ich Oberministrantin und jetzt bin ich im Pfarrgemeinderat im Sachausschuss Jugend zusammen mit Christian Ulbrich und Giovanni Caruso. Unser Ziel ist es einfach, mehr Jugendliche in die Kirche zu bringen. Christian ist auf die Nightfeveraktion gestoßen, hat aber zuerst gezweifelt, weil diese bisher nur in großen Städten gelaufen ist. Wir haben uns der Herausforderung gestellt und haben es auf unsere Weise gemacht. Ich hätte es mir lange nicht so gut vorgestellt, aber es ist einfach toll. Ich sehe viele, die schon lange nicht mehr in der Kirche waren!