Wer gießt die Pflanzen, wenn man im Urlaub ist? Wer füttert die Katze? Eine schwere Kiste muss auf den Dachboden oder das Unkraut zur Kompostanlage. Wenn man die Nachbarn nicht hätte, die mal eben mit anpacken, sähe die Welt oft komplizierter aus.

Dass sich, gerade auf dem Land, das soziale Gefüge allerdings ändert, das hat Ursula Gertz erlebt. Die 78-Jährige lebt in Burghaslach in einem idyllischen Bauernhaus. Viele Nebengebäude und viel Grün. Für eine ältere Frau, die alleine wohnt eine Herausforderung. Gertz ist zudem auf einen Rollator angewiesen. Einen Führerschein hat sie nie gemacht.


Die Nachbarn werden auch älter

Ein paar Nachbarn habe sie schon. Viele seien allerdings in den letzten Jahren gestorben. Die meisten seien in ihrem Alter. Aus Kleinigkeiten, wie nur schnell einen Blumenkübel zu verrutschen, kann da schnell ein größeres Problem werden. Für Menschen wie Frau Gertz gibt es nun eine unkomplizierte Möglichkeit, einen Helfer zu kontaktieren. Wenn sie zum Beispiel zu einem Arzttermin muss, greift sie zum Hörer und ruft bei der Burghaslacher Nachbarschaftshilfe an.

"Dann klingelt bei uns das Nachbarschaftshandy", sagt Monika Finster und holt das Telefon aus ihrer Tasche. Wenn sie gerade nicht abnehmen kann, schaltet sich der Anrufbeantworter ein. Kommt eine Anfrage rein, schaut die 55-Jährige auf eine Helfer-Liste, wer dafür in Frage kommt.


Von Grabpflege bis Lesen üben

Momentan sind 18 Personen in der Initiative engagiert. Auf der Liste steht, welcher der Helfer wann Zeit hat. Und da nicht jeder alles kann, wird die Art der Hilfestellung zugeordnet: Umgang mit moderner Technik wie Handy oder Computer, Hilfsdienste in Garten und Haus, Lesen üben, Hausaufgabenbetreuung oder kleinere Reparaturen. Auch Grabpflege oder die Versorgung von Haustieren gehören zum Angebot. "Der größte Teil der Anfragen sind Fahrdienste und kleine Besorgungen", sagt Finster.

Auch Ursula Gertz hat schon Fahrten zum Arzt über die Nachbarschaftshilfe organisiert. "Berufstätige müssen ja sowieso dauernd in die Stadt", sagt Monika Finster. Da sei es ja kein Problem, jemanden mitzunehmen. Und Zeit für ein nettes Pläuschchen sei nebenbei dann ja auch.

Die Idee zu der Initiative sei bei einem Informationsabend der Nachbarschaftshilfe in Scheinfeld aufgekommen. Das können die Burghaslacher auch, so die Devise. Im Frühjahr wurde dann die Gruppe aus der Taufe gehoben.
Auch Gerhard Nützel ist mit dabei. Der 51-Jährige wuchtet gerade einen Blumenkübel von Frau Gertz aus der Schubkarre. Vor allem unter älteren Menschen gebe es zunächst Hemmungen, anzurufen und um Hilfe zu bitten. Aber nach der ersten Erfahrung sei die Begeisterung groß, sagt Nützel.

Doch was sagen eigentlich Handwerksbetriebe, Pflegedienste oder Taxiunternehmen zu der Nachbarschaftshilfe? "Wir wollen nicht in Konkurrenz treten zu gewerblichen Dienstleistern", sagt Nützel. Anfragen, die über eine kleine Hilfe unter Nachbarn hinaus gehen, würden abgelehnt werden.


Angebot ist unentgeltlich

Einmal habe jemand angefragt, ob einer der Helfer fünf Türen abbeizen könnte. "Bei uns gibt es keine Dauerpflege oder das Dauermähen des Rasens", sagt Nützel. Schließlich sei das ganze Angebot auch unentgeltlich. Wer den Auspuff neu gemacht braucht, der meldet sich also am besten wie gewohnt in seiner Werkstatt.

Es bleibt zwar den Helfern überlassen, wie intensiv sie sich einbringen wollen. Aber bei regelmäßigen Sitzungen wird besprochen, was geht, und wo die Grenze der Nachbarschaftshilfe erreicht ist. "Wir sind eine lose Vereinigung und kein Verein", sagt Nützel. Niemand der Helfer werde zu etwas gezwungen. Hat jemand keine Zeit zu helfen, dann sei das kein Problem. Spontanität, Hilfsbereitschaft und Improvisation: Das sind die Grundsätze der Nachbarschaftshilfe.


Bügeln: ja, Hang mähen: nein

"Es kam schon die Anfrage, einen ganzen Hang zu mähen. Das haben wir natürlich abgelehnt", sagt Finster. Meistens handle es sich aber tatsächlich um Kleinigkeiten. So zum Beispiel bei einem älteren Herren, der jemanden suchte, der ihm ein Hemd bügeln kann. Oder ein anderer, der am Telefon wieder einmal den falschen Knopf gedrückt hatte und das rote Licht nun nicht mehr aufhörte zu blinken.

Fast alle, die die Nachbarschaftshilfe nutzen, seien ältere Menschen. "Aber wir sind offen für alle Bürger", sagt Nützel. Egal ob Alleinerziehende, Menschen mit Handicap oder auch die Flüchtlinge, die bald nach Burghaslach kommen werden: Ein Anruf genügt und die helfenden Hände packen mal eben schnell mit an.

Anfragen: Die Nachbarschaftshilfe Burghaslach ist erreichbar unter 09552-932025. Aktiv ist die Initiative nur im Gemeindegebiet Burghaslach.