Dass Adelsdorf zu den Wachstumsgemeinden zählt, ist Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) sehr wichtig, "aber nicht nur in finanzieller Hinsicht", wie er bei der Haushaltssitzung betonte. Gleichzeitig habe die Kommune immer mehr Aufgaben, beispielsweise die Kinderbetreuung. Die Gemeinde hat die Mittagsbetreuung in Eigenregie übernommen und zehn Personen als Betreuer für die neuen Kitas eingestellt.
2016 hat die Gemeinde einen Schuldendienst von 880 000 Euro geleistet, zum Teil auf Kredite, die 20 Jahre und älter sind und vor allem nicht ablösbar. Mit Kredit finanziert werden soll auch die Hochlastfaulung. Dieser trage sich aber selbst, trug Fischkal weiter vor. Zum einen durch die Stromerzeugung, zum anderen durch ersparte Transportkosten für Klärschlamm. "Wir kaufen auch Land auf, das hört man weniger", wies er auf den Vorwurf hin, Adelsdorf habe sein Tafelsilber verkauft.


Dispokredit nicht genutzt

Kämmerer Christian Jakobs - ihm zollten anschließend alle Ratsmitglieder Respekt für die Finanzverwaltung - stellte dem Gremium die wesentlichen Fakten und Entwicklungslinien vor. Mit dem neuen Haushalt stellt sich Adelsdorf konsequent auf nachhaltiges Wirtschaften um. Zeichen dafür ist die Summe von 1,1 Millionen Euro, ein Plus aus der laufenden Verwaltungstätigkeit, das für Investitionen eingesetzt werden kann.
Jahrelang waren dauernde Kassenkredite das Problem, das Jakobs seit einiger Zeit stringent anging. Ein Fünftel der laufenden Verwaltungsaufwendungen darf eine Gemeinde als Dispositionskredit aufnehmen; in Adelsdorf sind das 3,1 Millionen Euro. "Davon haben wir 2016 keinen Tag Gebrauch gemacht", sagt Jakobs mit merklichem Stolz.
Allerdings werden die Schulden in den nächsten vier Jahren moderat steigen, von heute 9,39 Millionen Euro auf rund zwölf Millionen Euro. Wie Jakobs betonte, entfällt der größere Teil auf die Wasser- und Abwasserversorgung. Im "Kernhaushalt" hat er nur vier Millionen Euro zu verbuchen. Durch den erwarteten Zuzug, für den investiert wird, bleibt die Pro-Kopf-Verschuldung aber gleich und liegt knapp unter 500 Euro, während gleich große Kommunen in Bayern durchschnittlich mit 764 Euro pro Einwohner verschuldet sind.
In der Ergebnisrechnung zeigen sich für 2016 Überschüsse, weil "wir 2016 sehr, sehr gut gewirtschaftet haben". Adelsdorf hat dadurch wieder Rücklagen. Das ist eine andere Situation als vor ein paar Jahren, als Bürgermeister und die Fraktionssprecher ins Landratsamt zitiert worden waren, ehe eine Kreditsperre verhängt wurde. Daran erinnerte Andreas Maier (CSU) in seiner Haushaltsrede.
"Die Durststrecke ist überwunden", konstatierte auch Günter Münch von den Freien Wählern. Er hofft, dass Adelsdorf nun von der lukrativen Gesamtsituation profitieren könne. Dabei setzt er besonders auf das Ortsentwicklungskonzept: Man wisse zwar nicht, wie etwas in 20 Jahren sei, aber man könne Trends setzen Richtung weiteres, stetiges Wachstum.


Maier vermisst Bauland in Aisch

Maier zog gleich eine Halbzeitbilanz der laufenden Amtsperiode und konnte sich dabei Seitenhiebe auf die geplatzte Koalition mit der SPD nicht verkneifen. Er betonte aber gleichzeitig, die CSU mit JB und Bürgerblock betreibe keine Fundamentalopposition und wisse die Kompromissbereitschaft des Bürgermeisters zu schätzen.
"Auch wenn die eine oder andere Maßnahme sehr unpopulär war und noch ist ... dürfen wir uns den jetzigen Erfolg nicht schlechtreden lassen", sagte Maier weiter. Für ihn ist es ein Ansporn, "Gutes noch besser zu machen". So waren es auch nur Einzelpunkte, an denen er neue Akzente gesetzt sehen will. Einmal Gewerbeflächen und damit Arbeitsplätze, zum anderen Bauland in Aisch. Maier denkt an das Areal zwischen Saltendorfer Weg und Neuem See.
Für Johannes Funke von der Fraktion Pro Adelsdorf war es die erste Haushaltsrede. Er betrachtete den Haushalt nach den Regeln der Betriebswirtschaft und stellte Kämmerer Jakobs und dem Gemeinderat ein gutes Zeugnis aus. 2016 wurden viele Projekt angestoßen und 2017 wieder neue wie die Umstellung auf LED-Beleuchtung. "Heute Geld in die Hand nehmen, um morgen Geld zu sparen oder einzunehmen", scheint ihm eine kluge Prämisse zu sein. Dafür nimmt er bis 2018 sinkende Einnahmen in Kauf, bis dann der "Reuthsee-Effekt" (Maier) greife.


Vereinsförderung abgelehnt

Sabina König (Grüne) erinnerte daran, dass große Herausforderungen gerade im Bereich von Unterhaltsmaßnahmen auf lange zurückliegenden Unterlassungen beruhen. Jörg Bubel (SPD) freut sich, dass die Gemeinde jetzt finanziell handlungsfähig ist. Er habe auf diese Entwicklung schon 2014 hingewiesen. "Das war damals nicht erwünscht wegen des Verkaufs des Sportplatzes", griff er sein altes Oppositionsthema wieder auf und variierte: "Warum nicht selbst erschließen. Das käme dem Bürger billiger und brächte Geld in die Gemeindekasse." Als Beispiel nannte er das Projekt Grünsee. Nimmt man aber hier die Aussagen des Rechnungsprüfungsausschusses vor einigen Sitzungen war das kein Gewinn für die Gemeinde, sondern ging eher Null für Null auf.
Unverständlich war ihm, dass der Rat bei dieser Ergebnisrechnung den Antrag von ihm und Norbert Birkner (FW), die Vereinsförderung wieder aufzunehmen, ablehnte. "Das kann ich nicht verstehen, bei rund 3000 Euro." Weiter kritisierte Bubel, dass das Vorhaben von 2012, pro Jahr eine Straße generalzusanieren, bisher nicht umgesetzt wurde. Gegen Bubels und Birkners Stimme beschloss der Gemeinderat die Haushaltssatzung samt Finanzplan und Stellenplan.