In Höchstadt-Süd wartet eine Frau seit Tagen auf den dringend benötigten Rollator für ihren Mann. Zwei Jugendliche können ihr ferngesteuertes Auto nicht starten, weil das bestellte Ritzel nicht kommt. Eine andere Höchstadterin wartet auf Unterlagen für eine Testamentseröffnung im Badischen. Die Aufzählung lässt sich ins Unendliche fortsetzen. Ursache ist der aktuelle Streik bei der Post.

Wo ist meine Post? Wann kommt sie?, fragen sich seit zweieinhalb Wochen auch die Bürger in Vestenbergsgreuth. Antworten lassen auf sich warten. Beim Unternehmen Martin Bauer löst der Streik "ernsthafte Schwierigkeiten" aus, wie Elisabeth Wedel aus der Presseabteilung erklärt. Man komme beispielsweise nicht an Ware, weil die Papiere für die Lieferung nicht eintreffen. Unterlagen für eine Mitarbeiterreise lassen ebenso auf sich warten wie wichtige Arbeitsverträge. Die werden inzwischen auch verschlüsselt per E-Mail oder mit der teureren Expresspost verschickt.

Bei Martin Bauer war man mit den Dienstleistungen der Post bisher ebenso zufrieden wie beim Höchstadter Notar Christian Lisch. "Wir bekommen zwar noch Post, aber nicht regelmäßig", sagt Lisch. Manche Sendungen bleiben auch hängen. In der täglichen Arbeit sorge der Streik für Probleme. Terminsachen lasse man den Mandanten auf anderen Wegen - per Fax oder E-Mail - zukommen. Obwohl man derzeit nicht wisse, was ankommt und was nicht, könne man nicht alles umstellen.

Das Höchstadter Rathaus verschickt in "Krisenzeiten" wie jetzt beim Poststreik keine Beitragsbescheide oder Abrechnungen. "Wichtige Terminsachen und Glückwunschkarten werden vom Amtsboten persönlich zugestellt", sagt Verwaltungschef Günter Brehm.

Noch keine Probleme mit dem Poststreik hat Zimmermeister Jürgen Leicht. In seinem Handwerksbetrieb werden dringende Sachen und die Korres-pondenz mit Lieferanten per Fax oder Mail erledigt. "Notfalls greife ich zum Hörer", sagt Leicht.

So einfach kommt der Normalbürger derzeit nicht an seine Post. Damit sich niemand auf den Streik einstellen kann, wird vorher nichts angekündigt.

In der Poststelle im Getränkemarkt Kistner in Höchstadt gibt es derzeit wenig Arbeit und damit auch weniger Geld. Laut Marktleiter Armin Dittrich wird die Brief- und Paketpost noch täglich von einem Subunternehmer der Post abgeholt. Wie und wann es dann damit weitergeht, kann er nicht sagen.

Viel lagert im Verteilzentrum in Feucht. Für Kunden sei es aber aus Arbeitsablaufgründen unmöglich, sich ihre Post dort abzuholen, weiß Post-Pressesprecher Erwin Nier. Die Region Nürnberg ist Streik-Schwerpunkt.Wann es hier wieder normal läuft, vermag weder er noch Renate Birkel von der Gegenseite zu sagen, die Betriebsratsvorsitzende von 4000 Postlern im Raum Nürnberg.

Die Bürger müssen mit dem Poststreik wohl noch einige Tage oder gar Wochen leben.