Wer darf? Wann und wie? Das Rätselraten um den Impftermin ist groß. Die Servicehotline glüht. Unter der Federführung der Stadt Erlangen wird die Impfkampagne auch für den Kreis Erlangen-Höchstadt organisiert.

Gestern gingen zwischen 13.000 und 15.000 Schreiben mit einer "Einladung zur Schutzimpfung" und Aufklärungsbögen an alle über 80-Jährigen, die im Landkreis und in Erlangen außerhalb von Einrichtungen leben. Die Post wird in den kommenden Tagen zugestellt sein. Christofer Zwanzig, Pressesprecher, und Dr. med. Hans Joachim Drossel, ärztlicher Leiter des Impfzentrums, beantworten häufige Fragen.

Wie bekommt man einen Impftermin?

Zunächst ist eine Registrierung nötig, um in einem zweiten Schritt einen Termin zu bekommen. Diese Vormerkung ist möglich beim zentralen Impfportal Bayerns im Internet unter www.impfzentren.bayern

Der Bürger erstellt sich einen Login mit Passwort und beantwortet Fragen für seine Priorisierung. Das System meldet sich von selbst und benachrichtigt die Personen mit einer E-Mail, wenn es einen Impftermin gibt. Nächste Woche soll diese automatische Terminvergabe bayernweit beginnen. Registrierungen unter der genannten Seite sind jetzt schon möglich.

Wie kann man sich registrieren, wenn man keinen Zugang zum Internet hat?

Wer keine Möglichkeit hat, das Internet zu nutzen, kann sich telefonisch für einen Impftermin vormerken lassen. Hierfür wurde ein Telefonteam organisiert, das unter 09131/866500 Montag bis Freitag, von 8 bis 18 Uhr, und Samstag, von 8 bis 16 Uhr, zu erreichen ist. Allerdings ergeht die dringende Bitte, wenn möglich bevorzugt das Internet-Portal zu nutzen, da die Leitungen stark belastet seien. Wer keinen Internetzugang oder keine E-Mail-Adresse hat, wird gebeten, Angehörige oder Bekannte zu fragen, ob sie behilflich sind.

Wer sollte sich jetzt registrieren? Macht es Sinn, wenn sich zum Beispiel schon 75-Jährige vormerken lassen?

Die Verantwortlichen bitten darum, dass sich im Moment ausschließlich Personen der höchsten Prioritätsgruppe (siehe unten) melden. Dabei handelt es sich um Menschen mit einem Alter über 80 Jahren. Aktuell werden diese postalisch angeschrieben. Alle anderen werden gebeten, noch zu warten.

Wie bekommen die anderen Prioritätsgruppen Bescheid , wann eine Registrierung für sie möglich ist?

Darüber werde in den Medien informiert.

Was sind häufige Fragen, die dem Telefonservice gestellt werden?

Größtes Thema sei die Form der Registrierung, sagt Pressesprecher Zwanzig. In Spitzen seien es alleine dazu 360 Anrufe am Tag. Er bittet noch einmal darum: Wem es möglich ist, solle man das Internet nutzen. "Wir müssen um Geduld bitten, weil die Nachfrage momentan sehr groß ist", sagt Zwanzig. Aktuell werde das Telefonteam personell und technisch verstärkt.

Welche Fragen werden an der Telefonhotline nicht beantwortet?

Der Telefonservice dient zur Organisation der Impfungen. Es sollten sich daher zur Zeit nur Personen der höchsten Prioritätsgruppe melden. Medizinische Fragen, zum Beispiel zur Verträglichkeit des Impfstoffs (Allergien oder ähnliches) können hier nicht beantwortet werden. Hierfür verweist Zwanzig auf den jeweiligen Hausarzt oder die Telefonnummer 116 117, den Patientenservice der Kassenärztlichen Vereinigung.

Wie viele Personen sind schon geimpft worden?

Rund 4600 Personen in Stadt und Kreis haben bisher eine Impfung bekommen (Stand gestern). Dabei handelt es sich um Seniorenheimbewohner, Pflege- und Klinikangestellte. Daher sei der größte Teil aller Dosen bisher von mobilen Impfteams verabreicht worden und nur ein kleiner Teil im Impfzentrum (Sedanstraße 1, Erlangen).

Wie viel Impfdosen werden pro Woche geliefert?

Die Zahl der wöchentlich gelieferten Impfdosen sei bisher jeweils gestiegen, sagt Hans Joachim Drossel, ärztlicher Leiter des Impfzentrums. Vergangene Woche seien 1250 Dosen angekommen. Begonnen habe man mit 400. "Wir hoffen, dass es mehr wird", betont Drossel. Bleibe es bei diesen wöchentlichen Lieferungszahlen, könne es noch Monate dauern, bis alleine die höchste Prioritätsgruppe geimpft wäre. "Deshalb ist es sehr wichtig, dass die Lieferkapazitäten steigen", so

Drossel.

Werden beziehungsweise wurden schon Menschen zum zweiten Mal geimpft?

Die zweite Impfdosis werde, wie im Beipackzettel klar beschrieben sei, erst nach 21 Tagen verabreicht. "Das heißt, wir wären noch nicht soweit", sagt Drossel. Beginn der Zweitimpfung ist morgen, 16. Januar. Jeder, der die erste Dosis bekommen hat, soll frühestens nach diesen drei Wochen eine zweite Impfung erhalten. Man werde diesen Zeitraum nicht bewusst verlängern, um mehr Menschen impfen zu können, sagt Drossel. Man wolle diesen dreiwöchigen Impfrhythmus einhalten. Auch hier betont er: "Zentrale Stellgröße ist die Impfstoffbeschaffung." Bei der Zweitimpfung werde nach der selben Reihenfolge vorgegangen wie bei der ersten.

Sind bisher Nebenwirkungen aufgetreten?

Von den bisher rund 4600 Impfungen seien keine Nebenwirkungen bekannt, sagt Impfzentrumsleiter Drossel. Zumindest keine, die über gelegentliche, normale Impfreaktionen wie leichten Muskelkater im Oberarm oder ein Drücken an der Impfstelle hinausgingen. Berichte von Einzelfällen, die angeblich leichte Erkältungssymptome zeigten, könne er nicht bestätigen. Womöglich handle es sich um Infekte, die nicht im Zusammenhang mit der Impfung standen. Ab und zu könne es vorkommen, dass man für kurze Zeit nicht ganz so fit, "ein bisschen langsamer als sonst", sei. Aber das sei ebenfalls normal.

Höchste Priorität

Über 80-Jährige

Personen in stationären Pflegeeinrichtungen

Pflegekräfte, auch in ambulanten Pflegediensten

Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen mit hohem Ansteckungsrisiko

Hohe Priorität

Über 70-Jährige

enge Kontaktpersonen von über 80-Jährigen oder Bewohnern von Alten-/Pflegeheimen und Heimen für geistig Behinderte

Personen mit Demenz, geistiger Behinderung oder Trisomie 21

Patienten nach einer Organtransplantation

Kontaktpersonen von Schwangeren

Personen, die in stationären Einrichtungen für geistig Behinderte tätig sind oder im Rahmen ambulanter Pflegedienste regelmäßig diese Menschen betreuen oder pflegen

Ärzte und sonstiges Personal mit regelmäßigem Patientenkontakt mit hohem Risiko

Personal Blut- und Plasmaspendedienste und Testzentren

Polizei- und Ordnungskräfte, die im Dienst, etwa bei Demonstrationen, einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind

Öffentlicher Gesundheitsdienst und relevante Positionen der Krankenhausinfrastruktur

Personen, die in Flüchtlings- und Obdachloseneinrichtungen leben oder tätig sind

Erhöhte Priorität

Über 60-Jährige

Personen mit Adipositas, chron. Nierenerkrankung, chron. Lebererkrankung, Immundefizienz oder HIV-Infektion, Diabetes mellitus, Herzerkrankungen, Schlaganfall, Krebs, COPD oder Asthma, Autoimmunerkrankungen und Rheuma

Medizinpersonal mit niedrigem Ansteckungsrisiko (Labore)

Relevante Position in Regierungen, Verwaltungen und Verfassungsorganen, Streitkräften, Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz, THW, Justiz

Relevante Positionen in Unternehmen der kritischen Infrastruktur, Apotheken, Pharmawirtschaft, öffentliche Ver- und Entsorgung, Ernährungswirtschaft, Transportwesen, Informationstechnik und Telekommunikation

Erzieher und Lehrer

Personen, mit prekären Arbeits- oder Lebensbedingungen

Quelle: Webseite der Bundesregierung