Die Deutsche Post verzeichnet 2020 Paket-Höchstwerte, doch im Herzogenauracher Rathaus sieht es genauso aus: Bei der diesjährigen Weihnachtspäckchen-Aktion wurde der Seniorenbeirat mit einer Flut von Paketen überschwemmt: "So viele Pakete wie in diesem Jahr haben wir noch nie gesammelt", erklärt der Vorsitzende, Brüne Soltau, während er in einem Meer aus bunten Päckchen steht. "Etwa 320 Weihnachtspäckchen sind es", ergänzt Werner Zimmermann, Hauptverantwortlicher der Aktion.

"Wir wissen nicht, ob es an Corona liegt, aber es scheint, als wollen die Bürger besonders in so schwierigen Zeiten für sozial Benachteiligte da sein." Es hätten so viele junge Familien gespendet wie nie zuvor, fügt Michael Baltz vom Seniorenbüro hinzu. Gerade die kleineren Kinder seien mit einem Strahlen in den Augen ins Rathaus gekommen, um ihre Pakete abzugeben. Heute und morgen wird die Mannschaft von Werner Zimmermann nun damit beschäftigt sein, die Pakete auszuliefern.

Bei dieser großen Menge und unter den derzeitigen Kontaktbeschränkungen stellt dies eine besondere, logistische Herausforderung dar: Mit FFP2-Masken ausgestattet und gestaffelter Abholung sollte es jedoch umzusetzen sein. Seit 2007 organisiert der Seniorenbeirat gemeinsam mit dem Seniorenbüro die Weihnachtspäckchen-Aktion. Ziel ist es, sozial schwächeren Herzogenaurachern zu helfen und ihnen zur Weihnachtszeit eine Freude zu machen. Besonders ältere, alleinstehende Bürger ohne Angehörige und alleinerziehende Elternteile soll diese Aktion erreichen. Möglich wird das Ganze jedoch erst durch die vielen Bürger, die sich bereit erklären, ein Paket zu packen und zu spenden.

Liebevoll werden jedes Jahr nützliche Geschenke für Bedürftige hübsch verpackt und im Rathaus abgegeben. Die Caritas, die Lebenshilfe und die evangelische und katholische Kirchengemeinde geben eine benötigte Anzahl an den Seniorenbeirat weiter und verteilen die Pakete dann selbst. Die restlichen Pakete werden vom Seniorenbeirat und den Helfern ausgefahren. Jeder Herzogenauracher kann im Seniorenbüro Adressen von Mitmenschen angeben, denen es nicht so gut geht. Aus Datenschutzgründen ist dies die einzige Möglichkeit, denn Diskretion wird hier großgeschrieben.

Zusätzlich zu zahlreichen Sachspenden gehen jedes Jahr auch einige Geldspenden ein, wovon die fleißigen Seniorenbeiräte und Helfer Geschenktaschen mit Pflegeprodukten und Süßigkeiten für die Bewohner der Herzogenauracher Pflegeheime zusammenstellen, da dort keine Lebensmittel benötigt werden. Beim gestrigen Startschuss bedankte sich der Seniorenbeirat bei allen Spendern und Helfern, insbesondere auch bei der Stadt Herzogenaurach, die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt und bei der Umsetzung hilft.

Bürgermeister German Hacker (SPD) lobte auch die Pforte im Rathaus, die außerhalb der Öffnungszeiten des Seniorenbüros Päckchen angenommen hatte. Er wisse um die Wichtigkeit solcher Gesten in Zeiten, in denen soziale Kontakte auf ein Minimum beschränkt sind: "In diesem Jahr haben besonders die Älteren und Alleinstehenden unter den Kontaktbeschränkungen gelitten", erklärt der Bürgermeister, "umso wichtiger ist es, ihnen auf diese Weise entgegenzukommen, damit sie durch die Weihnachtspakete menschliche Wärme erfahren können."

Die größte Belohnung sei sowieso, da waren sich alle Helfer einig, das Strahlen in den Augen der Päckchen-Empfänger und die positiven Rückmeldung der Beschenkten. Aber auch die Freude derjenigen, die ein Paket spenden, sei ansteckend und inspirierend. "Uns bleibt nur zu sagen, dass wir unendlich dankbar für die riesige Menge der Spenden sind und auch nächstes Jahr wieder da sein werden", betonte Brüne Soltau am Ende seiner kurzen Ansprache.