Der sogenannte Guru von Lonnerstadt hat keine Angst. Lächelnd steht Gerhard L. vor seinem Haus und macht sich um seine Zukunft nicht die geringsten Sorgen. Im August war er vom Landgericht Nürnberg wegen Misshandlung Schutzbefohlener zu drei Jahren Haft verurteilt worden.

Weil er und seine Lebensgefährtin es dem an Mukoviszidose erkrankten Sohn der Frau überlassen hatten, ob er Medikamente nimmt oder zum Arzt geht. Der Vorsitzende Richter sah die Schuld bei den beiden Angeklagten, die für den damals zwölf Jahre alten Jungen verantwortlich gewesen seien. Sie selbst hätten den Gesundheitszustand des Kindes permanent kontrollieren müssen.

Urteil soll überprüft werden

"Ich bin zuversichtlich, dass ich nicht ins Gefängnis muss. Wir sind doch nicht in Nordkorea. Ich vertraue darauf, dass die Grundrechte wie Religionsfreiheit und die Würde eines jeden von uns geachtet werden", betont Gerhard L. - ganz in Weiß gekleidet. Sein Anwalt, Axel Graemer aus Erlangen, wird in den kommenden Tagen die Revisionsbegründung an den Bundesgerichtshof nach Karlsruhe schicken.

"Das Urteil gegen meinen Mandanten soll insgesamt in allen rechtlichen wie tatsächlichen Aspekten überprüft werden", fordert Graemer. Kritisch sieht der Pflichtverteidiger von Gerhard L. vor allem den Aspekt, dass das Gericht einen Beweisantrag abgelehnt habe.

Er rechnet damit, dass der Bundesgerichtshof Anfang kommenden Jahres entscheiden werde, wie es weitergehe. Möglich sei eine Verhandlung vor den Karlsruher Bundesrichtern, eine Zurückweisung des Verfahrens ans Landgericht Nürnberg oder eine Ablehnung der Revision. Graemer führt aus: "Ich bin allerdings optimistisch. Ich verspreche mir etwas von der Revision für meinen Mandanten."