Fünf kleine Zahlen stehen neuerdings hinter dem Schweinebraten mit Kloß und Salat. Drei kleine Ziffern sind es hinter dem Buttergemüse auf Spätzle in Käsesauce. Fußnoten sind neuerdings Teil der Speisekarte im Landgasthof Niebler in Neuhaus.

Doch mit Geschmacksverstärkern oder Konservierungsstoffen - wie man es häufig aus Imbissen kennt - haben sie nichts im geringsten zu tun. Stattdessen verweisen sie auf die Hauptallergene, die seit dem 13. Dezember vergangenen Jahres laut einer neuen EU-Verordnung gekennzeichnet werden müssen. "Ich kann mir schon vorstellen, dass das auf Gäste abschreckend wirkt", sagt Inhaber Frank Niebler.

Doch ihm bleibt keine andere Wahl. Die Kennzeichnung ist Pflicht. Niebler nimmt sie ernst, hält sie für sinnvoll, gerade was Allergien gegen glutenhaltiges Mehl, Milchprodukte und Nüsse angeht, die schon mal häufiger vorkommen würden.
"Von den 14 Hauptallergenen kommen acht gar nicht auf meiner Speisekarte vor", erklärt Niebler.

Die Befürchtung, dass Gäste die Kennzeichnung der Lebensmittel-Allergene mit der von Zusatzstoffen wie Konservierungs- oder Farbstoffen verwechseln könnten, ist trotzdem da: "Manche bringen das vielleicht durcheinander und denken sich: Was steht denn da alles? Dabei sind das Dinge, mit denen jeder zuhause kocht. Nur wir müssen es deklarieren."

Seine Karten hat Niebler alle geändert und neu gedruckt. Mehrere Tage saß er darüber, überprüfte jedes Essen und jede Zutat - bis hin zu den Brotwürfelchen im Kloß. Gekocht wird in seinem Ausbildungsbetrieb ausschließlich frisch. "Wir als Gastronome müssen jetzt eine Verantwortung übernehmen, die die Leute auch selbst übernehmen könnten."

Die Kennzeichnung ist verpflichtend, wie genau die Umsetzung aussieht, ist allerdings noch nicht gesetzlich festgelegt. Bußgeld für diejenigen, die es noch nicht haben, würde also ohnehin vorerst nicht drohen. "Viele warten erst einmal ab, wie genau die Gesetzgebung aussehen wird", sagt Norbert Nägel, Vorsitzender des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands in Erlangen-Höchstadt.

Bis es keine genaue Vorgabe gibt, empfiehlt Nägel eine Speisekarte mit Kennzeichnung der Hauptallergene, die an der Theke einsehbar ist und auf die Kellner ihre Gäste mündlich aufmerksam machen sollen. "Diese Lösung finde ich ausreichend."

Grundsätzlich glaubt Nägel, dass die Kennzeichnungspflicht auf Verständnis bei den Gastronomen im Landkreis stößt und nicht als überflüssig oder lästig wahrgenommen wird. Einen ähnlichen Eindruck hat auch Manfred Keiner, Eigentümer des Gästehauses Keiner in Röttenbach. Er ist auch Lebensmittelüberwacher beim Landratsamt Fürth und sieht die neue Regelung somit von zwei Seiten. "Es gibt immer mehr Allergiker, deshalb ist das schon ein gutes Gesetz. Als Allergiker möchte ich mich informieren können", findet Keiner.

Loukas Dimitrios vom dazugehörigen Restaurant Delphi findet dagegen, dass es bisher auch ohne Kennzeichnung gut funktioniert habe: "Die Leute, die eine Allergie haben, sprechen uns darauf an und wir reagieren entsprechend. So ist es immer gelaufen. Und so hat es immer gut geklappt."