Das Höchstadter Medizintechnik-Unternehmen Medwork gehört nun seit einigen Tagen zum japanischen Konzern Fujifilm (der FT berichtete). Den Verkauf hat sich Medwork-Gründer und geschäftsführender Gesellschafter Gerald Fischer nicht leicht gemacht. Vergangenes Jahr feierte man das 20-jährige Bestehen.

Um mit Medwork auf Dauer bestehen zu können, habe man sich "aus einer Vielzahl von Interessenten" für einen Partner entschieden, "mit dem man strategisch gut zusammenarbeiten kann und der nicht auf schnelles Wachstum mit allen Konsequenzen" aus ist, sagt Fischer. Er sah das Unternehmen durch den massiven internationalen Preisdruck und extrem gestiegene Zulassungskriterien in Zugzwang gekommen. Derzeit arbeiten bei Medwork in Höchstadt rund 140 Menschen, bald sollen durch ein weiteres Werk noch einmal bis zu hundert dazukommen. Dem Fränkischen Tag stellte sich Gerald Fischer einem Interview.

Aus welchen Gründen hat sich Medwork für diesen Schritt entschieden?

Gerald Fischer: Die Nachfrage nach minimal-invasiven endoskopischen Untersuchungen und Behandlungen steigt weltweit, ebenso wächst auch der damit verbundene Markt für endoskopische Instrumente. Doch unsere strategischen Analysen der Zukunft zeigen, dass es immer schwieriger wird, gegen die starken Wettbewerber, die Billigimporteure aus Asien und der sich verändernden Kundenanforderungen, mitzuhalten.

In unserem Heimatmarkt sind wir mit etwa 15 Prozent Marktanteil unter den Top 3. Global sind wir zwar in über 30 Ländern vertreten, doch ein weiteres internationales Wachstum wird immer schwieriger zu erschließen. Mit einem strategisch starken Partner an der Seite können wir das Unternehmen nun langfristig im, und explizit für den globalen Markt entwickeln. Somit kam die Interessensbekundung und das Akquiseangebot von Fujifilm zum richtigen Zeitpunkt.

Was bedeutet das für den Firmenstandort in Höchstadt?

Unverändert. Die Entwicklungs-, Produktions- und Marketingbereiche gehören zu unseren Kernkompetenzen. Unser Standort ist technisch auf dem neuesten Stand, sehr stilistisch und höchst effizient und wir können expandieren. Gerade auch diese Optionen waren für Fujifilm für die Transaktion nicht unwesentlich.

Was soll in Höchstadt künftig produziert werden?

Zum einen das bestehende Produktportfolio und zum anderen ergeben sich durch die neuen Marktzugänge auch neue Anwendungs- und Produktsegmente. Folglich ergeben sich daraus neue Produktideen, die zu entwickeln sind und auch in die Produktion überführt werden müssen.

Sind die Arbeitsplätze auf Dauer sicher?

Ich denke, dass die Antworten auf die vorhergehenden Fragen dies schon beantwortet haben. Denn Wachstum schafft Arbeitsplätze.

Wie profitiert Medwork von der Übernahme?

Mit technologisch innovativen Endoskopsystemen und einem globalen Vertriebsnetz ist Fujifilm im Bereich der Diagnose, also der Endoskope, tätig. Medwork, wie schon beschrieben, im Bereich der endoskopischen Therapie, der Instrumente. Durch die Zusammenführung beider Einheiten können wir als sogenannter Systemlieferant im Markt auftreten und unseren Kunden alles aus einer Hand anbieten. Das schafft Synergien, zeigt Größe und beide Unternehmen profitieren gleichermaßen.

Was passiert mit dem angekündigten Erweiterungsbau, wird das Vorhaben fortgeführt?

Das Projekt Medwork Werk 2 wird wie geplant durchgeführt. Der Beginn der Bodenarbeiten war diese Woche.

Was macht der bisherige geschäftsführende Gesellschafter von Medwork, Gerald Fischer, in Zukunft?

Ich bleibe in meiner bisherigen Stellung Geschäftsführer der Medwork Group.

Die Fragen stellte Andreas Dorsch.