Ein besonders wichtiges und repräsentatives Fest im Kirchenjahr stellt das Fronleichnamsfest dar. Denn während die meisten kirchlichen Feste räumlich betrachtet auf die Stadtpfarrkirche oder deren engere Umgebung begrenzt sind, bezieht Fronleichnam durch eine Prozession den alten Stadtkern Herzogenaurachs mit ein. Allerdings nicht in diesem Jahr. Denn, was nicht einmal die Nationalsozialisten fertigbrachten, schafft jetzt ein Virus. Fronleichnam findet im Seelsorgebereich in den Pfarrkirchen statt.

Die Bezeichnung Fronleichnam leitet sich aus dem althochdeutschen "frôn-lîchnam" her, was mit Herrenleib übersetzt werden kann. Die Herkunft aus dem Mittelalter ist damit schon angedeutet.

Dieses Fest kann sich auf zwei Wurzeln berufen. Zunächst bemühte sich Juliana von Lüttich um die Einsetzung des Fronleichnamsfestes. In Lüttich konnte es bereits 1247 zum ersten Mal begangen werden.

Angeregt durch das Hostienwunder von Bolsena 1263 verfügte Papst Urban IV. die Feier des Fronleichnamsfestes 1264 verbindlich für die gesamte Kirche. Als Termin wurde der Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitssonntag festgesetzt.

Kontakt zu den Menschen

Dahinter steht die Absicht, Christus als das Opferlamm hinaus in die Welt zu den Menschen zu tragen und in der Eucharistie zu verehren. Der Sinn der Fronleichnamsprozession ist somit in der Darstellung der Eucharistie, dem Abschreiten ihres Wirkungsbereiches in der Stadt sowie dem Hinaustreten zu den Menschen zu suchen.

Die "Verehrung des Allerheiligsten" wird ermöglicht durch die Präsentation einer konsekrierten Hostie in einer Monstranz, die unter einem Tragehimmel vom Pfarrherrn, begleitet von weiteren Geistlichen, bei der Prozession mitgeführt wird.

In Herzogenaurach wurde bereits in früheren Zeiten der gleiche Weg wie in der heutigen Zeit zurückgelegt. Er führt von der Stadtpfarrkirche ausgehend über den Steinweg, die Hintere Gasse, die Reyther- und die Hauptstraße wieder in die Hintere Gasse und den Steinweg zur Pfarrkirche zurück. Der Beginn der Prozession war stets um 8 Uhr am Kirchenplatz.

Die Prozessionen dauerten früher länger, denn es war nicht nur ein Altar auf der Hauptstraße aufgebaut, sondern vier Altäre waren auf der Wegstrecke verteilt. Sie wurden in folgender Reihenfolge besucht: Zunächst war Halt bei Otto Hildel (Hintere Gasse 71), dann folgte das Anwesen der Familie Biermann (Hauptstraße 1), anschließend die Brauerei Zimmerer/Polster (Hauptstraße 71) und zum Abschluss ging es zu Ludwig Hildel am "Plätzla" (Hintere Gasse 51).

Bei der Prozession wurden an den Altären die Anfänge der vier Evangelien verlesen, Lieder gesungen, der Kirchenchor stimmte das "Tantum Ergo" an, und der Segen wurde erteilt.

Es fand also keine Eucharistiefeier mit Wandlung statt, die Gläubigen besuchten entweder die 7-Uhr-Messe davor oder einen an die Prozession anschließenden Gottesdienst.

Würdiger Rahmen

Die Prozession erhielt durch die festlich geschmückten Häuser einen angemessenen Rahmen. Oftmals wurden schon ab 4 Uhr die Altäre aufgebaut, der Fahnen- und Blumenschmuck angebracht, Kränze aufgehängt und Figuren aufgestellt.

Jedes Haus war darauf bedacht, sich besonders schön geschmückt zu präsentieren. Dazu gehörte auch, dass die gesamte Wegstrecke der Prozession mit Gras gestreut wurde.

Bemerkenswert ist auch, dass trotz großer Schwierigkeiten im Dritten Reich in Herzogenaurach stets die Fronleichnamsprozession stattfinden konnte. Obwohl die NS-Machthaber 1939 vehement gegen das Fronleichnamsfest agitierten, konnte Pfarrer Rathgeber aber feststellen, dass diese Propaganda nicht den gewünschten Erfolg hatte: Die Fronleichnamsprozession war besser denn je besucht. In den Regierungspräsidentenberichten wurde die starke Teilnahme der früheren Anhänger der SPD und der KPD an der Fronleichnamsprozession des Jahres 1939 als besonders auffallend gewertet.

Eucharistiefeiern Zeiten Im katholischen Seelsorgebereich Aurach-Seebachgrund finden zum Hochfest des Leibes und Blutes Christi - Fronleichnam - Eucharistiefeiern in der Herzogenauracher Stadtpfarrkirche, in St. Marien Hannberg und in St. Josef Niederndorf um 9 Uhr statt.

In Weisendorf beginnt die Eucharistiefeier zu Fronleichnam um 10.30 Uhr.