Die Nachfrage nach sogenannten FFP2-Masken hat viele Apotheker im vergangenen Jahr in große Bedrängnis gebracht. Erst war der internationale Markt ausverkauft, dann stockte die von der Bundesregierung koordinierte Nachbestellung der Masken. Nun hat der Freistaat die Maskenpflicht verschärft: Wer ab kommendem Montag einkaufen oder mit dem Bus fahren möchte, braucht ein filtering face piece, eine FFP2-Maske. Und das treibt die Nachfrage in Apotheken wiederum nach oben.

Auch in der Stadtapotheke von Stephan Wirth in Herzogenaurach hat die Nachfrage nach den Masken enorm zugenommen, wie der Apotheker sagt. Allein am vergangenen Mittwochnachmittag habe Wirth im vierstelligen Bereich verkauft. Bereits kurz nach der Ankündigung der Maskenpflicht durch Ministerpräsident Söder seien die Menschen in seiner Apotheke Schlange gestanden, um eine FFP2-Maske zu kaufen. "Es ging schlagartig los. Wir haben damit nicht gerechnet", sagt Wirth.

Kein Grund zur Sorge

Grund zur Sorge sei der große Ansturm derzeit jedoch nicht. "Wir haben genug Masken eingekauft." Die Lagerbestände seien gut, und auch um Nachschub habe er sich bereits gekümmert. Einen Lieferengpass schließt Wirth trotz der vielen Anfragen bei aktuellem Stand aus. Außerdem sei es nicht das erste Mal, dass sich seine Apotheke in dieser Situation befindet. "Wir sind momentan gelassen." Die Lage sei gut zu beherrschen.

In den meisten Apotheken in Bayern scheint die Situation unter Kontrolle zu sein. Laut dem Bayerischen Apothekenverband gibt es derzeit keine Berichte über Versorgungsschwierigkeiten. Man habe aus den Erfahrungen im vergangenen Dezember gelernt, in dem die Bundesregierung kostenlose Masken für Senioren angeordnet, Apotheken mit der Beschaffung derselben aber weitgehend allein gelassen hat. Damals herrschte große Verunsicherung bei den Apothekern, sagt Pressesprecher Thomas Metz. "Diesmal hatten wir einen Tag länger Vorlaufzeit, das Prozedere war den meisten Apothekern bekannt."

Um die Versorgung individuell sicherzustellen, kaufe jede Apotheke die notwendigen Masken selbst ein, erklärt er. Bestellt werde im pharmazeutischen Großhandel im In- oder Ausland. Man habe viele Anlaufstellen, die einen auch im Notfall schnell mit der Ware versorgen können, sagt Metz. Auch über den Preis für die Masken entscheide jeder Apotheker selbst. Anders als bei verschreibungspflichtigen Medikamenten gebe es keine Preisbindung für die Masken. Das liegt hauptsächlich daran, dass es sich bei den Masken um eine "persönliche Schutzausrüstung" handle und nicht um ein vom Arzt verschriebenes Medikament. "Jeder entscheidet selbst, ob und wo er die Masken kaufen will, die Preisbildung ist daher frei", sagt Metz.

Hilfe vom Bund

Doch damit wollen sich viele nicht zufrieden geben. Der Landesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt in Bayern, Thomas Beyer, fordert die Staatsregierung auf, die FFP2-Masken kostenfrei an die gesamte Bevölkerung auszugeben. Mit dem momentanen Kurs provoziere die Regierung "Chaos und Überforderung", heißt es in einer Pressemitteilung der AWO. Prekär sei die Lage gerade für Geringverdiener und Menschen, die Grundsicherung beziehen. Sie können sich die Masken, die im Schnitt 2 Euro kosten und nur einmal verwendet werden können, dauerhaft nicht leisten.

Überhaupt ist die Maskenpflicht unter Politikern und Wissenschaftlern umstritten. Auch die Linken-Vorsitzende Katja Kipping sieht durch die Vorschrift vor allem arme Menschen belastet. "Eine FFP2-Pflicht, ohne Maske zur Verfügung zu stellen, bedeutet in der Praxis: Arme Menschen werden vollständig vom öffentlichen Leben ausgeschlossen", sagte sie der Nachrichtenagentur AFP.

Bereits im Dezember hat die Bundesregierung beschlossen, an rund 34 Millionen gefährdeten Bürgerinnen und Bürgern je sechs FFP2 Masken kostenlos auszugeben. In einer Pressemitteilung der SPD heißt es, die Krankenkassen würden nun mit der Zustellung der sogenannten Berechtigungsscheine beginnen. Mit den Gutscheinen können Empfänger kostenlos Masken in der Apotheke beziehen. Vielen aber geht das zu langsam.

Über die schleppende Zustellung der Gutscheine klagt auch Stephan Wirth. Bislang komme kaum jemand mit einem Berechtigungsschein zu ihm. Bei Wirth kostet eine FFP2-Maske 3,60 Euro einzeln. Das sei auch deshalb ein angemessener Preis, da Apotheken die hohe Qualität der Masken gewährleisten. Wirth verkauft lediglich Masken, die ein CE-Zeichen tragen sowie ein Zertifikat, anhand dessen man die Qualität einsehen könne.