und Christian PackImmer weniger Fahrschulen, ein überalterter und männerdominierter Berufsstand: Die Fahrschul-Branche in Deutschland befindet sich auf rasanter Talfahrt. 1999 gab es laut Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF) noch knapp 14 000 Unternehmen in Deutschland - 2014 waren es nur noch 11 900. "Ich nenne diese Entwicklung natürliche Marktbereinigung", sagt Rainer Zeltwanger, Vorsitzender Berufsverbands Deutscher Fahrschulunternehmen (BDFU).
Dass die Fahrschulen Nachwuchssorgen plagen, können auch die Höchstadter Fahrschulen bestätigen. Die Fahrlehrer werden immer älter, kaum jemand möchte den Beruf ergreifen, weiß Klaus Banzer. Ein Grund dafür sei sicher die anspruchsvolle Ausbildung, die ein Fahrlehrer aus privater Tasche zahlen muss. Schnell kommen da zwischen 8000 und 10 000 Euro zusammen.
Dann gelte es noch, die fünf Staatsprüfungen zu bestehen, wobei viele schon in der Theorie baden gehen. Der Fahrlehrer müsse ein bisschen mehr Wissen aufweisen als die üblichen Verkehrsschilder benennen zu können. Ein halber Rechtsanwalt sei der Fahrlehrer, da er so viele Gesetze kennen müsse, findet Banzer. Außerdem sei das Wissen, auch das technische, rund ums Auto nicht zu unterschätzen. Ein Automechatroniker habe dreieinhalb Jahre Zeit, das zu lernen, worüber der Fahrlehrer nach einem Dreivierteljahr Auskunft geben können soll, sagt Banzer.
In Sachen Fahrschullehrermangel erhält er Rückendeckung von der Fahrschule Striegel. "Ich habe genügend Fahrschüler, musste aber ein Jahr nach einem Fahrschullehrer suchen", sagt Heike Striegel. Arbeiten, wenn andere Freizeit haben, ist für sie ein zusätzlicher Grund, warum der Fahrschullehrer als unattraktiver Beruf gilt. Die meisten Fahrschüler könnten eben erst abends nach der Arbeitszeit ihre Fahrstunden nehmen. "Im Sommer muss der Fahrlehrer nach 21 Uhr nochmals weg, um die drei Nachtfahrten zu fahren, wenn andere schon im Garten sitzen", beschreibt Klaus Banzer diesen Zwei-Schicht-Beruf.


Arbeit spät am Abend

Die Theoriestunden sind auch abends, meist ab 19 Uhr, und wenn tagsüber gefahren wird, gebe es nicht selten zwei Leerstunden, bis die nächsten Schüler zur Fahrstunde einsteigen. Hinzu komme, dass meist jede Woche eine Prüfung ansteht, und dementsprechend hoch sei der Erfolgsdruck.
Der Fahrlehrer müsse inzwischen nicht nur die Theorie und die Praxis vermitteln, sondern Psychologe und Pädagoge sein, um mit den jungen Leuten in ihren schwierigeren Lebensphasen arbeiten zu können. Trotzdem sind Banzers Fahrlehrer fest angestellt und voll ausgelastet. Es seien seiner Meinung nach eher die Ein-Mann-Betriebe, die sich schwer halten können.
Andererseits sind es diese Ein-Mann-Betriebe, die andere größere Fahrschulen dazu gebracht haben, ihre Filialen teils zu schließen, findet Erich Scharlott. Jeder Fahrlehrer möchte sich selbstständig machen, viele unterschätzen aber dann die Investitionen und gehen irgendwann doch pleite. Andererseits muss jeder, der die Ausbildung zum Fahrlehrer macht, viereinhalb Monate Praktikum bei einem Ausbildungsfahrlehrer machen und dann zwei Jahre als Angestellter arbeiten. Das bietet Scharlott nicht an, denn dieser Fahrlehrer würde ein Konkurrent werden.
Dass die Branche auf Talfahrt ist, hat also mehrere Gründe, und die Situation muss zusätzlich zwischen Stadt und Land unterschieden werden. In der Stadt mag es nicht notwendig sein, gleich den Führerschein in der Tasche zu haben, weil an jeder zweiten Kreuzung eine Bushaltestelle ist, während ein Führerschein im ländlichen Bereich schon berufsbedingt eher notwendig ist.
Aber Stadt und Land hin oder her, wenn die Fahrschulbranche Probleme habe, müssten sich manche Schulen an der eigenen Nase packen, meint Banzer. Auch Heike Striegel ist überzeugt, dass man einen guten Job machen muss, um ausgelastet zu sein. Scharlott sieht das ähnlich und nennt falsche Lockangebote bei den Führerscheinkosten oder der Ausbildungsdauer als Ursache für den schlechten Ruf mancher Fahrschulen, die sich dann nicht lange halten können. Zu einem guten Angebot gehören für ihn auch die Fahrsimulatoren, mit dem nur wenige Fahrlehrer arbeiten. Um die Kosten der Simulatoren von rund 20 000 Euro einzuarbeiten, müsse man viel lehren.
Wohin das alles führt? Langfristig, so Zeltwanger, müssten sich einige Regionen darauf einstellen, dass im größeren Umkreis überhaupt keine Fahrschule mehr existiert. Ein selbstständiger Fahrlehrer müsse schon heute nach Alternativen Ausschau halten, um über die Runden zu kommen. "Beispielsweise kann ich mir vorstellen, dass Fahrlehrer irgendwann Gemeindezentren für den Unterricht anmieten." Einige Fahrlehrer würden schon jetzt einen weitaus radikaleren Weg wählen. "Den eigenen Laden zuschließen und sich irgendwo anstellen lassen. Dann ist man einigermaßen abgesichert."