Die Säuleneichen im Weisendorfer Ortsteil Oberlindach sind zwar nun schon seit gut zwei Monaten gefällt, aber ein Thema sind sie immer noch - und werden es wohl auch bleiben. Denn nun liegt das Gutachten des Landratsamtes zur "Baumfällung Kriegerdenkmal Oberlindach" vor.

In diesem erklärt der zuständige Abteilungsleiter Wolfgang Fischer: "Die Gemeinde hätte die Fällung der Säuleneichen ohne eine vorherige Beschlussfassung im Gemeinderat nicht verfügen und durchführen dürfen." Er bestätigt damit die Auffassung unter anderem der Gemeinderätin Christiane Kolbet (Die Grünen). Diese hatte das Vorgehen angeprangert.

Ein Teil der Verantwortlichen der Fällaktion hatten danach erklärt, dass das "Thema hochgekocht" werde. In der vorletzten Gemeinderatssitzung hatten Mitglieder des Gemeinderates pauschal die Pressevertreter dafür verantwortlich gemacht, dass die Eichen überhaupt eine solche Rolle in der Gemeinde gespielt hätten.

Fischer allerdings führt weiter aus, dass für die Fällung laut der Gemeindeordnung der Gemeinderat zuständig gewesen sei. Es sei richtig, dass die Fällung von Bäumen im Gemeindegebiet grundsätzlich eine Angelegenheit der laufenden Verwaltung und damit auch des 1. Bürgermeisters seien. Es sei ebenfalls richtig, dass dieser nicht verpflichtet ist, vor jeder Fällaktion ein Wertgutachten für die betroffene Pflanze einzuholen.

Allerdings stand in diesem Fall die Fällung im unmittelbaren Zusammenhang mit der Renovierung des Kriegerdenkmals. Fischer erklärt: "Insbesondere aus diesem Grund handelte es sich hier nicht um eine Angelegenheit, die ein regelmäßiger Wiederkehr anfällt und zur ungestörten und ununterbrochenen Verwaltung notwendig ist, sondern um eine singuläre, außergewöhnliche gemeindepolitische Angelegenheit."

Die Säuleneichen genossen aufgrund ihres markanten Wuchses und ihrer optischen Einheit mit dem Kriegerdenkmal besondere Bedeutung -das wurde auch vom Fachberater des Landratsamtes, Paul Rothmund, bestätigt.

Kritik äußert der Landratsamtsmitarbeiter an der Praxis, dass die Zustimmung des Gemeinderates zum Haushaltsplan 2012 den notwendigen "Fällbeschluss" ersetzt haben soll. "Bei der entsprechenden Haushaltsposition war nicht klar ersichtlich, dass eine Fällung der Bäume vorgenommen werden musste", sagt Fischer.

Vor allem könne eine notwendiger Gemeinderatsbeschluss nicht durch den Beschluss einer Bürgerversammlung, diese fand am 6. Mai statt, ersetzt werden. Diese Versammlung sei lediglich in der Lage Beratungs- und Empfehlungsfunktionen zu vollziehen, die Zuständigkeiten durch den 1. Bürgermeister und das Organ Gemeinderat werden nicht verändert. Diese Zuständigkeit wäre wiederum spätestens drei Monate nach der Bürgerversammlung gefordert gewesen. Fischer führt aus: "Den Teilnehmern der Bürgerversammlung mag zwar nicht ausreichend bewusst gewesen sein, dass ihre mehrheitliche Abstimmung noch keine kommunalrechtliche ausreichende Grundlage für die Fällung darstellt. (...) Den Teilnehmern ging es mehrheitlich klar darum, dass die Beseitigung der Bäume in rechtlich einwandfreier Weise verfügt und dann auch vollzogen wird."

Aber auch zum Thema Feuerwehr äußert sich Fischer. "Hinsichtlich der Beauftragung der Feuerwehr (zur Fällung der Eichen) hat sich ergeben, dass Bürgermeister Tritthart nicht die Feuerwehr als gemeindliche Institution beauftragt hat, sondern Gemeindebürger, die der Feuerwehr angehören." Da habe die Rechtsaufsicht des Landratsamtes auch keinerlei Bedenken. Selbst die Beauftragung der Ortsfeuerwehr als solche wäre im Ergebnis nicht zu beanstanden gewesen.

Im Fazit erklärt Fischer: "In Anbetracht der Tatsache, dass die Bäume bereits gefällt sind, erscheint eine nachträgliche Beschlussfassung nicht sinnvoll." Eine weitere rechtsaufsichtliche Behandlung der Angelegenheit wird durch das Landratsamt erlangen-Höchstadt nicht veranlasst.