In der evangelischen Gemeinde Höchstadt gibt es einen personellen Wechsel. Allerdings nur zur Hälfte: Künftig werden sich zwei Pfarrer das Amt teilen. Hans-Friedrich Schäfer ist ab sofort nur noch in Teilzeit zuständig, da er sich um eine neue Aufgabe im bayerischen Pfarrer- und Pfarrerinnenverein der evangelischen Kirche kümmern wird.

Der 59-Jährige wurde von der Versammlung der Vertrauenspfarrer zum Zweiten Vorsitzenden gewählt. In dieser Funktion werde er viel unterwegs sein, sagt Schäfer. Nach München, zur Landessynode in Bad Wörishofen oder nach Kassel, wo die bundesweite Verbandsebene tagt. Es gehe viel um Arbeitsrecht. Man könnte sagen, die Organisation ist so etwas wie die Gewerkschaft der Pfarrer. Sie vertritt die 3.200 evangelischen Pfarrer in Bayern gegenüber der Landeskirche.

Wegen der Vereinstätigkeit wird Schäfer sein Amt als Pfarrer in Höchstadt nur noch zum Teil ausüben können. "Ich bleibe für die Gemeinde natürlich immer erreichbar", sagt Schäfer. Seine Vertretung steht schon in den Startlöchern.Vorerst bis August wird der neue Pfarrer Jürgen Harder tätig sein. Im Interview stellt sich der 54-Jährige vor.

inFranken.de: Herr Harder, Sie sagen von sich selbst, Sie seien eine Art Wanderprediger. Was meinen Sie damit?
Jürgen Harder: Ich habe keine feste Gemeinde. Ich komme immer nur so für ein halbes bis dreiviertel Jahr. Entweder, wenn es einen Krankheitsfall gibt oder eine Krise innerhalb der Gemeinde. In den USA nennt man das Prinzip interim ministry, übersetzt in etwa: Übergangsdienst.

Braucht die Gemeinde in Höchstadt etwa einen Krisenmanager?
Jürgen Harder: Nein, in keinster Weise. Hier bin ich auf einer 50-Prozent-Stelle bis August, um meinen Kollegen Hans-Friedrich Schäfer zu entlasten. Ich halte Gottesdienste und Beerdigungen oder ich mache Geburtstagsbesuche.

Hatten Sie schon Kontakt zu den Höchstadtern?
Jürgen Harder: Ich bin jetzt seit Februar hier und bisher sind mir nur freundliche, aufgeschlossene und interessierte Menschen begegnet.

Haben Sie denn schon einen Karpfen gegessen?
Jürgen Harder: Ich habe schon gehört, dass das hier quasi ein Nationalheiligtum ist. Wir hatten im Kollegenkreis Karpfenessen, da habe ich aber was anderes bestellt. Vor längerem hatte ich einen Pfefferkarpfen. Sehr gut! Ich mag Fisch sehr gerne. Ein Elternteil stammt von der Insel Rügen. Mein Urgroßvater war dort königlich-preußischer Fischmeister.

Sie sind ein Norddeutscher?
Jürgen Harder: Ich bin in München geboren, habe aber Wurzeln auf Rügen und in Polen.

Der Raum Höchstadt ist eine vergleichsweise reiche Gegend. Die Menschen haben Arbeit und leben gut. Dann braucht man doch außer zu Beerdigungen und zu Weihnachten keinen Pfarrer, oder?
Jürgen Harder: Ich habe in meiner bisherigen Arbeit die Erfahrung gemacht, dass sich im Wohlstand die Sinnfrage noch einmal ganz anders stellt. Und dazu braucht man auch die Pfarrer.

Wie sah denn Ihr bisheriger Arbeitsbereich aus?
Jürgen Harder: Ich habe alles mögliche gemacht. Mein Lebensthema ist der gerechte und ökologische Lebensstil. Ich habe mich viel mit Nachhaltigkeit befasst. 2011 war ich in Berlin und habe an einer Kampagne dazu mitgearbeitet. Davor war ich drei Jahre bei einer sozial-ökologischen Stiftung.

Also kein klassischer Pfarrer?
Jürgen Harder: Doch, doch. Ich habe evangelische Theologie studiert und einen Master in Diakoniewissenschaft an der Universität in Heidelberg gemacht. Bis 2007 war ich 14 Jahre lang Gemeindepfarrer in Velden an der Pegnitz, wo ich mit meiner Frau lebe. Und gerade bin ich in der Gemeinde Hirschaid-Buttenheim ebenfalls als Interimspfarrer in Teilzeit tätig.

Bringen Sie ein bestimmtes Konzept mit nach Höchstadt, oder machen Sie einfach den "ganz normalen" Dienst?
Jürgen Harder: Ich bin ein Typ, der nicht nur verwalten will, sondern auch gestalten. Ich werde die Ohren offen halten. Wo ich mich sinnvoll einbringen kann, werde ich das tun.

Und was ist nach dem August? Werden Sie in Höchstadt bleiben?
Jürgen Harder: Von der Personalabteilung der Landeskirche ist es vorgesehen, dass ich weiterhin Interimspfarrer bleibe. Aber ich bin auch im Gespräch mit sozialen Stiftungen. Sie wissen schon diese Weltverbesserer und E-Mail-Checker (lacht). Ausgeschlossen ist es aber auch nicht, dass ich nach August hier im Aischgrund bleibe.