150 Postkarten mit illustren Darstellungen aus dem 1. Weltkrieg umfasst die Sammlung des Herzogenauracher Urgewächs Christoph Daßler.

Der "historische Christoph", gelernter Tuchmacher und späterer Schuhfacharbeiter
hatte seinen Söhnen Fritz (Lederhosenfabrikant), Rudolf und Adolf (Gründer der Firma GEDA=Gebrüder Daßler Schuhfabrik, aus der später Adidas und Puma hervorgingen) Heimatliebe und historisches Verständnis mit in die Wiege gelegt.

Seine Postkarten spiegeln die deutsche Geschichte der Jahre 1914 bis 1919 wider, zeigen die euphorische Begeisterung bei Kriegsausbruch, aber auch die Hungerjahre und den Zusammenbruch ab 1918.
Die Ereignisse im Zeitraffer: Seit Oktober 1918 überschlugen sich die Ereignisse. Am 3./4. Oktober erfolgte ein Waffenstillstandsangebot Deutschlands an die Alliierten. Am 4. November verweigern Matrosen den Gehorsam, bilden in Kiel einen Soldatenrat; am 7.
November, nach der Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten im Norden Deutschlands, ruft Kurt Eisner (USPD) in München die "bayerische Republik" aus; am 9. November dankt Kaiser Wilhelm II. ab und geht nach Holland ins Exil.

Sozialistische Republik

Philipp Scheidemann und Karl Liebknecht rufen (um 14 Uhr bzw. um 16 Uhr) die Republik bzw. die sozialistische Republik aus. Und Christoph Daßler, alles andere als ein Revolutionär, hat der Nachwelt Karten aus diesen unruhigen Tagen nach dem Ende der Monarchie erhalten. Sein Sohn, Unteroffizier Fritz Daßler (Adresse "zur Zeit beurlaubt" 1918) hat Ende November 1918 eine Karte erhalten mit dem Titel "Todes+Anzeige" des "innigstgeliebten" Militarismus: Und das Ganze ist unterzeichnet von "Familie Sozi" "Neu-Deutschland" vom 8. November 1918.

Auf einer anderen Karte schüttelt ein deutscher Soldat einen Baum, von dem Herrscher-Kronen fallen. Und die Karte ist betitelt: "Es wird Frieden, wenn im Herbst die Kronen fallen". Und unter einem idyllischen Regenbogen sind im Hintergrund vor der heilen Welt einer Dorfkirche ein säender Bauer und ein friedlicher Arbeiter zu sehen.
Und dann gibt es da noch zwei Karten, die auf den Abschied Kaiser Wilhelms anspielen, der am 9. November 1918 ins Exil nach Holland gegangen ist. Auf der einen Karte heißt es: "Ziemlich gut erhaltener Thron, nur an Selbstverbraucher billig abzugeben". Statt einer Krone hängt ein bürgerlicher Zylinderhut über dem wackligen Stuhl, der den einstigen Thronsessel symbolisiert.

Willem statt Wilhelm

Die Abbildung mit dem Titel "Willem" (das holländische Wort für Wilhelm) zeigt Kaiser Wilhelm als armseliges Männlein in bürgerlicher Kleidung mit Zylinder und dem Regentenstab unter dem Arm und mit holländischen Holzschuhen (Klonten = Clogs) an den Füßen, der nachdenklich hinaus aufs weite Meer schaut und dort vor der untergehenden Sonne (deutsches Reich) nur gesunkene Schiffe sieht. Schließlich sieht man den Kaiser, bürgerlich gekleidet, mit einer Reisetasche und der Aufschrift "Express nach Holland".

Drohend hinter ihm und der Aufschrift "Es lebe die Republik" steht ein rotes Monster in der typischen Arbeiterkluft jener Jahre.
Auf die Ermordung des bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner, USPD (21.02.1919), der einen humanistischen Sozialismus begründen wollte, kommt es zu Schießereien im bayerischen Landtag. Die Postkarte mit Eisners Bild trägt von Hand ergänzt das Wort "Jud".

Eine Bild-Postkarte an Adolf Daßler (ADI Dassler) "Infantrist Feldrekrutendepot, 3. Kompagnie" vom Oktober 1918 zeigt einen deutschen Soldaten, natürlich mit dem EK behängt, der aus einem Fenster grüßt. Zwischen den schwarz-weiß-roten Nationalfarben stehen die Worte "Parole Frieden" und darunter lesen wir: Der Friede ist da, wir kehren zurück - bald lacht uns wieder der Heimat Glück".
Und was passierte am Kriegsende in Herzogenaurach? Am 11. November 1918 wurde auch hier die republikanische Verfassung ausgerufen.
Es gründeten sich Arbeiter- und Soldatenräte, deren Einfluss sich jedoch weitgehend auf Petitionen an die größte Schuhfabrik am Ort richtete, die "Vereinigten Fränkischen Schuhfabriken".
Bei den Kommunalwahlen am 15. Juni 1919, bei der erstmals auch Frauen zur Wahlurne zugelassen waren, setzte sich knapp der 61-jährige Gerichtsassistent Wilhelm Bausch als Bürgermeister durch, der gemeinsam von der gemäßigten
Konservativen Bayerischen Volkspartei (BVP) und der ebenfalls konservativen Deutschen Volkspartei (DVP) aufgestellt worden war.