"Schmerzhafte Einschnitte": Erlanger Unternehmen entlässt fast halbe Belegschaft

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Die wirtschaftliche Lage zwingt ein Erlanger Unternehmen zu "schmerzhaften Einschnitten". Demnach soll fast die Hälfte aller Stellen gestrichen werden.

Das Wasserstoff-Unternehmen Hydrogenious LOHC Technologies mit Sitz in Erlangen hat angekündigt, fast die Hälfte seiner Belegschaft zu entlassen. Wie das Unternehmen auf Nachfrage von inFranken.de mitteilt, werden in diesem Zuge 50 der insgesamt 110 Beschäftigten an den beiden Standorten Erlangen und Neuss (Nordrhein-Westfalen) ihren Job verlieren. Die überwiegende Mehrheit der Kündigungen erfolgt demnach jedoch in Erlangen.

Erst Ende 2024 hatte sich Hydrogenious zu einer drastischen Personalmaßnahme gezwungen gesehen. Trotz eines Förderbescheids in Höhe von 72,5 Millionen Euro , der damals von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) überreicht worden war, musste das Unternehmen etwa 50 Stellen streichen. Für das IPCEI Green Hydrogen @ Blue Danube habe Hydrogenious im Juli 2024 einen Förderbescheid durch den Bund und den Freistaat Bayern erhalten, der jedoch an strenge Auflagen geknüpft sei, erklärt das Unternehmen. Eine Auszahlung der Förderung habe noch nicht begonnen, alle Leistungen seien bisher von Hydrogenious in Vorleistung erbracht worden.

Erlanger Unternehmen Hydrogenious baut fast Hälfte der Stellen ab - "nach wie vor zu kämpfen"

Die Fördergelder seien zudem ausschließlich für projektbezogene Ausgaben einsetzbar. Das Geld könne also nicht für allgemeine Unternehmenskosten, wie z.B. Gehälter, eingesetzt werden, wenn sie nicht direkt der Entwicklung und dem Bau des Förderprojektes zugeordnet werden könnten. Die Förderung werde rein anlass- und projektbezogen ausgezahlt, sobald Aufwendungen konkret entstehen (z.B. Bestellung von Material). Grund für den Stellenabbau seien vor allem geopolitische Krisen, höhere Preise für erneuerbaren Strom und fehlende regulatorische Rahmenbedingungen gewesen, die den Markthochlauf der Wasserstoffwirtschaft verzögert hatten. Viel geändert habe sich seither nicht. Deshalb müsse das Unternehmen nun erneut handeln. 

"Der Wasserstoffmarkt hat nach wie vor mit massiven Verzögerungen bei der Umsetzung von notwendigen regulatorischen Rahmenbedingungen wie beispielsweise der Umsetzung der RED III in nationales Recht, einem schleppenden Aufbau des Marktes und einer symptomatischen Absage, beziehungsweise Verschiebung von Schlüsselprojekten zu kämpfen", erklärt ein Unternehmenssprecher am Freitag (6. Februar 2026) gegenüber inFranken.de. "All diese Faktoren hemmen die benötigten Investitionen aus der Privatwirtschaft, gerade auch im Bereich der erneuerbaren Energien", so der Sprecher. 

Die zuletzt erfolgte Investitionsrunde Ende 2024 habe die Arbeiten an industriellen LOHC-Anlagen zwar "entscheidend vorangebracht", es zeichne sich jedoch ab, dass sich der Wasserstoffmarkt auch im Jahr 2026 nicht spürbar positiv entwickeln werde. Sowohl privatwirtschaftliche als auch staatliche Investitionen verschieben sich demnach aktuell in Richtung anderer wichtiger Märkte, wie künstlicher Intelligenz oder Sicherheit und Resilienz. Der Markt für Wasserstoffimporte und eine zuverlässige regulatorische Grundlage habe sich in 2025 deshalb "nicht im notwendigen Maße entwickelt". Vor diesem Hintergrund habe Hydrogenious die strategische Entscheidung getroffen, sich bis auf weiteres auf das Geschäftsfeld der Kleinanlagen zu konzentrieren.

"Entscheidender Baustein":  Erlanger Wasserstoff-Unternehmen hält an LOHC-Technologie fest

Wie der Unternehmenssprecher mitteilt, gehe mit dem veränderten Geschäftsfokus auch ein Umbau der Unternehmensorganisation einher, in dessen Zuge nun etwa 50 Stellen an den Standorten Erlangen und Neuss (Nordrhein-Westfallen) abgebaut werden müssen. Die betroffenen Mitarbeiter seien bereits informiert worden. Weitere Personalmaßnahmen seien aktuell nicht geplant. Trotz der nach wie vor schwierigen wirtschaftlichen Gesamtsituation blickt Hydrogenious-CEO Andreas Lehmann vorsichtig optimistisch in die Zukunft.  

"Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass die LOHC-Technologie ein ganz entscheidender Baustein für die Dekarbonisierung der Industrie ist", erklärt Lehmann gegenüber inFranken.de. "Die LOHC-Technologie bietet in Ergänzung zur Eigenproduktion von Wasserstoff und dessen Inland-Transport via Pipeline eine verlässliche Option, um die großen Wasserstoffmengen, die in den kommenden Jahren dringend benötigt werden, sicher zu importieren und bis zum Abnehmer zu transportieren, zu wettbewerbsfähigen Preisen", so der CEO. Trotzdem sei "der Knoten für den weltweiten Markthochlauf noch nicht geplatzt".

"Wir warten immer noch auf die Umsetzung der RED III in Deutschland und in vielen anderen europäischen Ländern, die einen wichtigen Impuls für die Wasserstoffwirtschaft bringen würde", erklärt Lehmann. Zudem sorge auch die Verzögerung zahlreicher "Leuchtturmprojekte im Bereich Wasserstoff" aktuell für Zurückhaltung in der Privatwirtschaft. "Wir stellen für Hydrogenious darum die Weichen, um die LOHC-Technologie langfristig in Deutschland zu halten, auch wenn das schmerzhafte Einschnitte bedeutet", so der CEO. Die "langfristige Ausrichtung auf die Entwicklung und Umsetzung von industriellen Anlagen" bleibe dabei jedoch "ungebrochen".

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Vorschaubild: © Daniel Vogl (dpa)