Ein weißer Kleinwagen. Unscheinbar. Und doch besonders: ein Elektroauto. Es steht bei Thomas und Margit Gutmair in Mühlhausen. Mitten auf dem Land. Ein Renault Zoe.

Margit Gutmair hat ihr Kärtchen - ähnlich einer EC-Karte - im Schlüsselmäppchen. Einen Schlüssel braucht sie nicht. Setzt sich rein. Drückt auf den Startknopf. Der Wagen läuft. Und los geht die Fahrt.

"Die erste Frage ist immer: Wie weit kommst du denn damit?", weiß Margit Gutmair. Für 100 bis 150 Kilometer reicht eine komplette Ladung - je nach Fahrweise. Und kostet gut fünf Euro an der Steckdose oder besser Ladestation. "Rund um Mühlhausen ist ein schwarzes Loch, was Ladestationen angeht", sagt die 53-Jährige. Im Garten ihres Hauses hat sie sich eine installieren lassen. "Starkstrom ist nötig", sagt sie. Und die Vorrichtung zum Einstecken. Die hat sie vom Renault-Händler bekommen.

Entspannt legt Margit den Rückwärtsgang ein. Eine Kupplung gibt es nicht. Dann geht's durch Mühlhausen. Am Ortsende drückt sie aufs Gaspedal. Der Wagen geht richtig ab mit seinen 88 PS. Muss sich vorm Benziner nicht verstecken.

"Zwischen null und 50 km/h ist das Auto so schnell, dass man jeden Porsche an der Ampel stehen lassen kann", sagt Margit Gutmair. "Dann wird der Zoe aber ein bisschen langsamer."

Ein Freund hatte den Gutmairs berichtet, wie gut sein Elektroauto funktioniert. Und sie angesteckt von der Idee. Doch einfach haben sich die Mühlhausener die Entscheidung nicht gemacht. "Ein Jahr lang habe ich aufgeschrieben, wie viele Kilometer wir pro Tag fahre", blickt sie zurück. Damals noch mit dem VW Caddy. Zum Einkaufen, zum Pferd. Das Paar ist selbstständig, betreibt eine kleine Motorradwerkstatt. Täglich zur Arbeit pendeln fällt also weg. Die Kilometerzahl war überschaubar, 30 bis 50 maximal am Tag. Das Experiment wagen?

Vor dem Kauf haben die Gutmairs eine Rechnung aufgestellt. Versicherung, Steuer, Wartung (das Elektroauto ist steuerfrei und wartungsarm), TÜV, ASU (fällt weg), Verbrauch und Anschaffung verglichen mit ihrem bisherigen Auto.

Beim Zoe kommen pro Monat 79 Euro Mietkosten für den Akku hinzu. Und dann fiel die Entscheidung - für den Zoe. "Man muss auch ein bisschen überzeugt sein."

Margit Gutmair hat den Fuß vom Gas genommen. Die Energieanzeige deutet an, dass jetzt der Akku keine Energie zieht, sondern sich wieder auflädt. So kommt es, dass nach der Fahrt zwölf Kilometer zurückgelegt waren, die Reichweite aber nur um neun Kilometer abgenommen hat.

Rund 20.000 Euro kostet der Kleinwagen in der Grundausstattung. Schafft bis 140 km/h. "Aber dann braucht er schon ordentlich Strom." Und das Laden? "Kein Problem", sagt Margit. "Wenn wir weite Strecken fahren wollen - wie kürzlich nach Schweinfurt -, dann lassen wir uns unterwww.goingelectric.dedie Route anzeigen. Und da sind dann auch die Stromtankstellen eingezeichnet.". Mit dem Typ-2-Stecker braucht das Auto gut drei Stunden. "Ganz leer ist es ja nie." Das Ladekabel ist immer im Kofferraum dabei.

Ladestationen gibt es in den Städten der Umgebung. "Und das werden ständig mehr", ist Margit Gutmair froh. In Schweinfurt zum Beispiel konnte das Auto parken und gleichzeitig aufgeladen werden: für zusammen einen Euro. 1,50 Euro zahlt man in Erlangen am Rathaus für Parken und Laden. Und dann ist ja daheim die Station. Über Nacht wird der Zoe angeschlossen - an Naturstrom, wie Gutmair betont. Wenn schon umweltfreundlich, dann richtig.

Seit zwei Wochen steht der kleine Weiße in Mühlhausen. 1000 Kilometer ist er seitdem gefahren. "Auch unsere beiden Söhne fahren gern elektrisch." Angenehm ist es, ein ruhiges, entspanntes Fahren. Dafür nehmen die Gutmairs in Kauf, dass sie längere Strecken schon gut durchplanen müssen - wegen der Ladestationen. Den Caddy haben sie verkauft.