Gerade einmal drei Jahre lang konnten Schüler in Höchstadt das Fachabitur machen. Nach diesem Schuljahr ist Schluss mit der privaten Fachoberschule (FOS) im Aischgrund. Der schlichte Grund: Der Schule fehlt es an Schülern.

Im September 2012 eröffnete das Bayreuther Unternehmen Senivita, das neben Privatschulen vor allem Seniorenheime betreibt, eine FOS mit vier Klassenzimmern im Haus der Vereine in Höchstadt. In zwei Jahren kann man an der FOS nach der Mittleren Reife in den Klassen elf und zwölf das Fachabitur machen und damit Zugang zur Fachhochschule erlangen.

Zwar war man an der Höchstadter FOS mit rund 50 Schülern gestartet. Vor zwei Jahren hätten aber nur noch 24 Schüler angefangen. Bei der letzten Anmeldung habe es dann endgültig zu wenig Interessenten gegeben, sagt Schulleiter Bernhard Haberl. Für das laufende Schuljahr habe es nur 16 Anmeldungen gegeben. Das Unternehmen habe daraufhin die Notbremse gezogen und beschlossen, dass es keine neue elfte Klasse geben wird.

Zu klein für Fördergeld vom Staat

Für gewöhnlich würden von den Angemeldeten etwa zwei Drittel tatsächlich anfangen. "Manche haben parallel noch eine Bewerbung laufen, andere schaffen den Schnitt an der Realschule nicht", sagt Haberl. Und mit etwa zehn Schülern sei ein Schulbetrieb nicht sinnvoll. Dazu komme, dass staatliches Fördergeld erst ab einer Größe von mindestens zwölf Schülern fließt, sagt der Schulleiter. Momentan gibt es keine elfte Klasse mehr, nur noch die zwölfte Jahrgangsstufe, die im Mai ihr Abitur machen wird.

Als Geschäftsmodell scheint eine private FOS in Höchstadt also nicht rentabel zu sein. Doch hat sich der Betreiber Senivita tatsächlich so verkalkuliert? "Ohne Schüler können wir keine Schule betreiben", sagt Horst Wiesent, geschäftsführender Gesellschafter von Senivita. Aber grundsätzlich sei das Potenzial gegeben. "Wir haben im Raum Höchstadt und Herzogenaurach mit etwa doppelt so vielen Schülern wie an unserem anderen Standort gerechnet", sagt Wiesent.

Das Unternehmen betreibt in Ebermannstadt die Fachoberschule Fränkische Schweiz. Durchschnittlich 48 Schüler besuchen dort einen Jahrgang. Schulleiterin Alice Raffel rechnet auch fürs nächste Schuljahr wieder mit so vielen Anmeldungen. "Das Interesse für uns als kleine Schule ist gut."

Bei Senivita rätselt man über den deutlichen Rückgang des Interesses an der Aisch. Zwischen 54 und 145 Euro im Monat kostet die private FOS, je nach Einkommen der Eltern. Bei 22 Monaten bis zum Fachabi kommen also mindestens 1188 Euro zusammen. Dass der Schülerrückgang am Schulgeld gelegen hat, denkt Haberl nicht.

Schlechter Ruf seit Schweinfurt

Der Andrang bei den Infoabenden sei groß gewesen. Doch nach einem bestimmten Thema sei von Eltern und Schülern immer wieder gefragt worden: "Das Problem Schweinfurt scheint uns sehr beschädigt zu haben", sagt Wiesent. Mit dem "Problem Schweinfurt" meint der Geschäftsführer den Fall einer FOS eines anderen Betreibers, an der vor zwei Jahren nahezu alle Schüler eines Jahrgangs durch das Abi gefallen waren. Nach dieser Nachricht wurde in den Medien viel über die Qualität von Privatschulen diskutiert.

In Höchstadt habe es eine "hervorragende Ausbildung" gegeben, sagt Haberl. Zwar gehe auch er davon aus, dass der Ruf von privaten Fachoberschulen durch die Nachricht aus Schweinfurt gelitten hat. Komplett auf diesen Grund möchte er den Schülerrückgang in Höchstadt aber nicht reduzieren.

Eine große Konkurrenz zur FOS seien auch die sogenannten Einführungsklassen, die es seit einiger Zeit an Gymnasien gibt. Nach erfolgreichem Besuch einer solchen Klasse können Schüler mit Mittlerer Reife in die elfte Klasse Gymnasium kommen und so das Abitur machen. Einführungsklassen gibt es etwa in Herzogenaurach oder in Neustadt an der Aisch.


Staatliche Anerkennung fehlte

Ein weiteres Problem der Privatschulen sei, dass man erst nach vier bis fünf Jahren als staatlich anerkannt gilt, sagt Haberl. Solange hat die Schule nur den Status als "staatlich genehmigt", so etwa in Höchstadt. Um die Zeit bis zur vollen Anerkennung zu überbrücken, hätte Senivita viel Geld investieren müssen. Rund eine Million Euro, schätzt Wiesent. Solange die Schule noch nicht anerkannt ist, müssen die Schüler beim Abi zudem mehr Prüfungen ablegen als an einer staatlichen Schule. Möglicherweise ein Grund für die geringe Nachfrage in Höchstadt, sagt Haberl. In Ebermannstadt handelt es sich um eine bereits anerkannte Schule.

Die Räume im Haus der Vereine werden nicht lange leer stehen. Die benachbarte Ritter-von-Spix-Mittelschule hat bereits Interesse angemeldet. "Wir werden die vier Räume der FOS als Klassenzimmer und als besprechungsraum nutzen", sagt Rektor Michael Ulbrich. Mit der Stadt sei die Nutzung nach diesem Schuljahr schon vorbesprochen. Die Mittelschule könne den Platz gut gebrauchen, so Ulbrich. "Der Bedarf ist da." Wer aus Höchstadt kommt und ein Fachabi haben will, muss in Zukunft wieder mit dem Bus nach Erlangen oder Bamberg.