Die Situation rund um die Asylbewerber im Landkreis spitzt sich weiter zu. Vor allem Unterkunftsmöglichkeiten würden fehlen, beklagt jetzt Landrat Alexander Tritthart (CSU) in der Sitzung des Sozialhilfeausschusses. Derzeit seien im Kreis Erlangen-Höchstadt 302 Flüchtlinge untergebracht, 79 davon etwa in einer Gemeinschaftsunterkunft in Höchstadt. Doch immer mehr Menschen aus Kriegsgebieten in aller Welt strömen nach Deutschland.

150 weitere Asylbewerber im November

"Am 4. November werden wir in der neu geschaffenen Erstaufnahmestelle 150 weitere Asylbewerber aufnehmen müssen", kündigt Tritthart an. Derzeit werden deshalb die Turn- sowie die Bauhalle der Berufsschule in Herzogenaurach umgebaut. "Hier laufen gerade die Arbeiten auf Hochtouren.
Neue Böden werden verlegt, Dusch- sowie WC-Container kommen dorthin, damit die Menschen sanitäre Einrichtungen haben", erklärt der Landrat.

Angehörige des Arbeiter-Samariter-Bundes kümmern sich um die tägliche Versorgung der Menschen. Nachdenklich fügt er an: "Mit Blick auf die derzeitige Lage denke ich, dass wir weitere Unterbringungsmöglichkeiten schaffen müssen. Wir sind daher auf weiteren Wohnraum für Gruppen von 40 bis 50 Personen angewiesen." Grund: Bei der Aufnahme von Asylbewerbern liegt der Landkreis noch unter dem bayerischen Durchschnitt. Außerdem würden die 150 Bewohner der Erstaufnahmestelle nur 14 Tage dort bleiben, bis sie in normale Wohnungen eingewiesen werden. Danach müsse das Lager neue Asylbewerber aufnehmen.

Der Landrat kann sich vorstellen, dass möglicherweise bald schon ein zweites Erstaufnahme-Lager im Kreis geschaffen werden muss. "Mitte Oktober erhielt ich im Büro völlig überraschend einen Anruf des Vize-Regierungspräsidenten, der mir kurz mitteilte, dass der Landkreis solch eine Aufnahmestelle binnen weniger Wochen bereitstellen muss."

Tritthart fordert schnellere Verfahren

Tritthart und seine Landratskollegen in ganz Bayern fühlen sich gegenwärtig von der Politik in München und Berlin im Stich gelassen. "Wir brauchen dringend schnellere Verfahren zur Anerkennung der Flüchtlinge als Asylbewerber, damit sich die Lage in den völlig überfüllten Erstaufnahme-Lagern entspannen kann. Es ärgert mich, dass staatliche Einrichtungen wie beispielsweise Kasernen nicht zur Verfügung stehen", kritisiert Tritthart.
Mit großer Sorge beobachtet er, dass es in einzelnen Gemeinden im Kreis schon Unterschriftenaktionen gegen die Aufnahme von Asylbewerbern gebe. Kein Verständnis habe er darüber hinaus dafür, dass potenzielle Vermieter von Wohnungen für Flüchtlinge eingeschüchtert würden, um dann ihre Angebote zurück zu ziehen. "Hier kommen keine schlimmen Menschen. Es gibt bei uns ja auch positive Beispiele wie etwa die Gemeinde Heßdorf, in der fast 70 Flüchtlinge leben und wo alles wirklich gut läuft", sagt der CSU-Politiker.

Große Hoffnungen setzt die Landkreisverwaltung nun auf die dezentrale Beratung der Asylbewerber durch Mitarbeiter der freien Wohlfahrtsverbände. Einstimmig beschloss der Sozialhilfeausschuss diese Praxis. Um damit den verängstigten Menschen nach ihrer Flucht vor Krieg und Elend stets beste Hilfe bieten zu können.