Steckt der Einzelhandel in Höchstadt in einer Krise? Würgen die großen Einkaufszentren am Rande der Stadt den kleinen Geschäften die Luft ab? Diese Frage stellt sich vielen Bürgern, wenn sie durch die Straßen laufen. Aktueller Fall: Heute hat die Parfümerie Höfer am Vogelseck den letzten Tag geöffnet. Seit Wochen lief dort der Ausverkauf.

Die Geschäftsführerin Iris Achatz-Höfer über die Gründe, die zur Schließung führten: "Der Internethandel macht uns schon zu schaffen. Die Lage hier in Höchstadt ist zwar interessant für uns, aber leider ist die Frequenz von Kunden dort zu gering, die wir für unser anspruchsvolles Konzept benötigen." Künftig will die Geschäftsfrau nur ihre Filialen in Erlangen, Herzogenaurach und Neumarkt weiter betreiben.

"Leider mussten wir die Erfahrung machen, dass viele Menschen aus der Region größere Einkäufe von
Bekleidung oder teureren Kosmetik-Produkten mit Fahrten in Zentren wie Erlangen oder Nürnberg verbinden", beklagt Achatz-Höfer. Die Folge: diese Kaufkraft fehlt, und der traditionelle Einzelhandel, der vor allem auf personalintensive Beratung setzt, lohnt sich immer weniger.

Chance oder Konkurrenz?

Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm (JL) hat da eine andere Meinung, er sieht im Standort Innenstadt weiter große Chancen: "Natürlich gibt es hier und da auch Probleme. Doch gerade bei den Leerständen von Läden hat sich in den vergangenen Jahren viel zum Positiven verändert. Ich denke da an den früheren Schlecker-Markt, in dem sich heute ein attraktiver Bio-Regional-Versorger befindet."

Brehm sieht die großen Einkaufszentren am Rande der Stadt nicht als Konkurrenz zum Innenstadt-Handel, sondern vielmehr als Chance: "Viele Menschen nutzen die kostenfreien Parkplätze draußen und besuchen dann zu Fuß unser Zentrum, um dort zu shoppen." Für den Bürgermeister ist es daher enorm wichtig, die Attraktivität des Marktplatzes zu erhöhen. "Was wir durch Steuern und Abgaben durch die Einkaufszentren am Stadtrand verdienen, müssen wir in die Innenstadt investieren", bringt es Brehm auf den Punkt.

Zu Beginn seiner Amtszeit vor 18 Jahren habe Höchstadt einen Einzugsbereich von 18 000 Menschen aus dem Umland gehabt - heute seien es dagegen bis zu 60 000. "Das zeigt, wie attraktiv und wichtig Höchstadt für die Region ist. Wir ziehen mehr Menschen an als etwa Neustadt/Aisch", sagt Brehm.

Kritik des Gewerbevereins

Die Geschäftsleute in Höchstadt haben da eine andere Meinung. Margit Kratz, zweite Vorsitzende des Gewerbevereins, kritisiert: "Wir haben gewachsene Probleme. Ich denke hier an die mangelhafte Parkplatzsituation vor Ort." Zudem habe sie keineswegs das Gefühl, dass die Großmärkte am Stadtrand mehr Kunden ins Zentrum ziehen. "Das hat mir auch bislang kein Geschäftsmann so bestätigt", meint Kratz.

Und wie geht es mit der Parfümerie Höfer nun weiter? Chefin Iris Achatz-Höfer setzt nach der Schließung ihrer traditionellen Parfümerie in den kommenden Monaten bis Jahresende auf ein neues Konzept: "Wir möchten das junge, preisbewusste Publikum ansprechen." Sie setzt auf Rabattaktionen und auf den sogenannten Outlet-Verkauf, bei dem Überbestände von anderen Anbietern oder Herstellern mit Nachlass angeboten werden. "In jeder Krise liegt eine Chance", hofft Achatz-Höfer. "Vielleicht ziehen wir mit einem günstigeren Angebot mehr Kunden an." Hat ihre Idee Erfolg, dann kann sie sich auch vorstellen, dauerhaft mit einer Outlet-Parfümerie am Vogelseck zu bleiben.