Es ist noch vor 9 Uhr in der Früh. Statiker Andreas Göbel vom planenden Architekturbüro Liebberger & Schwarz prüft die Statik am Haus, das bereits ein Gerüst aus dicken Balken und Hubzylindern hat. Tagelang war das Projekt "Torhaushebung" vorbereitet worden. Jetzt fehlen noch ein paar Feinheiten, damit es losgehen kann.
Immer wieder sei das Gebäude in der Vergangenheit beschädigt worden, berichtet Bürgermeister Werner Stöcker (CSU). Zwei- bis dreimal pro Jahr. Obwohl ein Schild auf die maximale Höhe hingewiesen hat. Lkws oder Bagger, die auf Anhängern transportiert wurden, sind an der unteren Kante hängen geblieben. Jetzt stand die Generalsanierung an. Das Torhaus wurde innen völlig entkernt. Leben wird wieder einziehen.

Langsam geht's nach oben


Franz Ullmann von der Augsburger Firmengruppe Klaus steht am Hydraulikaggregat. Ein technischer Defekt hatte zu Verzögerungen geführt. Obwohl das Aggregat am Vortag noch funktionierte - auch noch am Mittwochmorgen. Der Fehler ist jetzt behoben. Es ist 12.15 Uhr. Stahlträger stützen den Fachwerkaufbau. 30 Hubzylinder stehen in Position. "Achtung!" Ullmann schaltet das Aggregat ein. Ein ungewöhnliches Summen zeigt an: Das Bauwerk hebt sich. Sekunden später ist es wieder still. Zwei, vielleicht drei Zentimeter hat sich der obere Teil des Torhauses nach oben bewegt. Jetzt messen Zimmerer der Firma Vogelhuber und Mitarbeiter des Augsburger Unternehmens an allen Ecken nach, ob der Hub gleichmäßig war.

Planer Walter Schwarz erklärt, warum. "Wenn die Anhebung nicht völlig gleichmäßig erfolgt, kann es sein, dass wir das Gebäude zerstören." Deshalb können die Hubzylinder einzeln angesteuert werden. Beim nächsten Hub ist es also möglich, Unterschiede auszugleichen. Nach den ersten 15 Zentimetern geht es schneller. Eineinhalb Stunden später steht das Obergeschoss 40 Zentimeter höher.

Das "Untere Torhaus" in Uehlfeld wurde 1787 erbaut. Bis 1971 war es bewohnt, danach stand es leer. 1973/74 fand die letzte Außenrenovierung statt. Das war die Zeit, als die Straße durch den Ort zur Bundesstraße erklärt wurde. Der schmale Weg neben dem Torhaus wurde zur Fahrspur für den Gegenverkehr. Und damals schon war das Torhaus zu niedrig. Deshalb hatte man die Straße gesenkt. Ein Vorhaben, das auch 2012 wieder in der Diskussion stand. Auch über eine Warneinrichtung mit Ampel war diskutiert worden.

Größte Wirkung, billigste Lösung


Nach kritischer Prüfung durch alle Beteiligten, Städteplaner, Amt für Denkmalpflege, Planungsbüro sowie die Gemeinde selbst, stand die Entscheidung fest. "Die Anhebung des Obergeschosses ist nicht nur die Lösung mit dem höchsten Wirkungsgrad, sondern auch die günstigste aller Alternativen", fasst Bürgermeister Stöcker zusammen. Rund 60.000 Euro wird die Hebung alleine kosten, die Gesamtsanierung ist mit 500.000 Euro veranschlagt. Fördermittel fließen durch das Landesamt für Denkmalpflege, die Landesstiftung, den Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, die LAG Aischgrund und durch die Städtebauförderung.

Dietmar Bradenstein ist nicht der einzige Uehlfelder, der sich das Spektakel ansehen will. Er hat Urlaub, ist extra um 6 Uhr aufgestanden. Vor seinem Wohnhaus, das schräg zum Torhaus steht, hat er einen Stuhl aufgestellt und harrt geduldig der Dinge. "So was sieht man nur einmal im Leben", ist er sicher.

Bänkla zieht ein


Dabei hat es schon einmal eine Anhebung in Uehlfeld gegeben. Das war 1745 der Turm der Jakobuskirche - so hat es der früherer Bürgermeister Helmut Praus im Internet recherchiert. Konrad Knöchlein, Vorsitzender des Heimatvereins Uehlfeld, bestätigt: "Wenn man im Turm steht, sieht man, dass unterschiedliche Steine verbaut sind." In alten Heimatbüchern konnte er dazu allerdings keine Einträge finden. Am Donnerstag, wird der "hohle" Raum im Torhaus ausgemauert.

Nach ein paar Tagen - wenn die Bausubstanz getrocknet ist - wird das Obergeschoss wieder um fünf Zentimeter gesenkt. Die Durchfahrtshöhe beträgt dann 4,50 Meter. Ab Montag soll die Bundesstraße 470 wieder halbseitig befahrbar sein. Und zum Jahresende, wenn die Sanierung abgeschlossen ist, kann der Kulturverein Bänkla ins Obergeschoss einziehen. Dort ist Platz für 40 Personen, für Kleinkunst und - so schwebt es Vorsitzendem Walter Kirsch vor - für Nachwuchskünstler.