An seiner grünen Hauswand rasen täglich zig Lastwagen und Autos vorbei. Markus Frankes Haus steht direkt an der Hauptstraße in Gremsdorf. Dem ständigen Verkehrslärm sind er und seine Familie Tag und Nacht ausgesetzt.

Die Nachricht, dass die langersehnte Ortsumgehung vorerst nur ein Traum bleibt, traf Franke völlig unerwartet. Von der Einstufung in den vordringlichen Bedarf gingen er und seine Nachbarn fest aus. Wegen schwerwiegenden ökologischen Bedenken bekam die Umgehung jetzt jedoch kein grünes Licht und wird im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans vorerst nicht berücksichtigt. Das gab vor zwei Wochen Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bekannt.

Markus Franke ist Initiator der 2002 ins Leben gerufenen Bürgerinitiative "Gemeinsam für eine beruhigte Hauptstraße". Jahrelang kämpften Anwohner um die Umgehung. Und geben auch jetzt nicht auf.
Gemeinsam erheben sie nun Einspruch zum Entwurf des Bundesverkehrswegeplans. "Wir haben uns zusammen beratschlagt und eklatante Fehler entdeckt", erklärt Franke.


13 250 Fahrzeuge täglich

Los ginge es schon damit, dass bei der Einstufung der Dringlichkeit ein Gesamtprojekt zugrunde gelegt wird, bei dem Gremsdorf nur eins von sieben Teilprojekten darstellt. Die Verkehrszahlen für dieses Gesamtprojekt, das die B470 von Rothenburg bis Höchstadt sowie die B505 nach Bamberg beinhaltet, wurden im Bundesverkehrswegeplan mit täglich 9000 Kraftfahrzeugen beziffert. "Die aktuellen Zahlen für Gremsdorf liegen offiziell aber bei mehr als 13 250 Fahrzeugen pro Tag", kritisiert Franke.

Eigene Zählungen hätten sogar mehr als 17 000 Fahrzeuge täglich ergeben. Der Lkw-Verkehr schlage dabei mit zehn Prozent zu Buche. Im Entwurf des Bundesverkehrsplans wird davon ausgegangen, dass der Verkehr in Gremsdorf bis 2030 um über 30 Prozent abnimmt. Aufgrund der zunehmenden Ansiedlung von Gewerbe werde allerdings mit einem weitaus höheren Anstieg des Verkehrsaufkommens gerechnet. "Statistiken haben bereits nachgewiesen, dass der motorisierte Verkehr bis 2030 um 13 Prozent zunimmt. Gremsdorf wäre dann bei circa 15 000 und nicht bei 9000 Fahrzeugen", ärgert sich Franke.

Die Vermischung von Gremsdorf mit sechs weiteren Teilprojekten führe schließlich dazu, dass die Sondersituation der Gemeinde keine eigene Betrachtung erhält. Für den stellvertretenden Bürgermeister Franke eine klare Benachteiligung. "Wir in Gremsdorf leiden bei der Einstufung unter der weit geringeren Verkehrsbelastung der anderen Gemeinden", heißt es in der eingereichten zweiseitigen Stellungnahme.

Zumal habe Innenminister Joachim Hermann (CSU) bereits 2010 ein Verkehrskonzept für den Großraum Höchstadt in Auftrag gegeben, das laut Franke bereits als Vorleistung für eine Umgehungsstraße in Gremsdorf geplant war. "Die Tatsache, dass dieses Konzept in Auftrag gegeben wurde, zeigt eindeutig, dass es sich hier um ein Einzelprojekt mit eigenständiger verkehrlicher Wirkung handelt", heißt es in dem Schreiben weiter.


Lkw weichen auf Gehsteig aus

Nicht nachvollziehen kann Franke zudem die Einstufung der Gemeinde Wimmelbachs in den vordringlichen Bedarf, wo es im Vergleich zu Gremsdorf weniger Verkehr gebe. Zudem wurden im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans die gleichen Umweltbedenken angegeben. "Die Verkehrszahlen in Wimmelbach liegen mit 12 000 Fahrzeugen pro Tag deutlich unter den Zahlen von Gremsdorf."

Auch Bürgermeister Norbert Walter (CSU/BB) will sich weiterhin für den Bau der Umgehungsstraße einsetzen. "Wir werden politisch alles versuchen, dass es vorangeht", sagte er auf Nachfrage. Auch bei der Gemeinderatssitzung am kommenden Freitag wird die gewünschte Ortsumgehung Thema sein.

Erwähnt ist in dem von der Bürgerinitiative eingereichten Einspruch außerdem die enge Kurve am Rathaus. "Zwei Lkw, die sich dort begegnen, kommen nicht gefahrlos aneinander vorbei", erzählt Franke. Häufig müsse ein Lkw vor der Kurve halten und warten. Immer wieder müsse einer der beiden Lkw außerdem mit einem Reifen auf den Gehsteig ausweichen. "Da der Gehsteig nur 50 Zentimeter breit ist, ist es ein Wunder, dass hier noch nichts Ernsthaftes passiert ist", finden die Mitglieder der Bürgerinitiative.

Auch die Fußgängerampel werde bei Rot überfahren. Franke führt das auf das hohe Verkehrsaufkommen, aber auch auf die tief stehende Sonne am Abend zurück. "Diese Situation stellt eine große Gefahr für jeden dar, da man sich normalerweise auf die Ampel verlassen kann, leider nicht in Gremsdorf."