Diese Welt ist ungerecht. Wer daran noch gezweifelt hatte, konnte diesen Schluss beim Konzert des Ed Kröger ziehen: Wenn eine törichte Frau halbnackt in Berlin herumzappelt, überschlagen sich die Medien. Könner, virtuose Musiker mit jahrzehntelanger Erfahrung und ambitionierten Kompositionen müssen in der Provinz vor weniger als 100 Zuhörern spielen - gut, dass sie sich davon nicht entmutigen lassen.

Gut auch, dass das Ed Kröger Quintett am Freitag im Schlossgewölbe das Publikum eventuell vorhandenen Frust nicht spüren ließ und spielfreudig brillanten Jazz interpretierte - zweifellos motiviert jedoch auch durch die Freundschaft zur Veranstalterin Ariane Ranger, die in ihrer jazz!3-Reihe bundesweit renommierte Musiker an die Aisch holt. Und um solche handelt es sich bei Ed Kröger und seiner Gruppe zweifellos.
Der Posaunist und Bandleader, dem man seine knapp 70 Jahre nicht ansieht, kann in einem Atemzug mit Größen wie Albert Mangels-dorff und Wolfgang Dauner genannt werden, sein Sohn Ignatz Denné studierte Jazz in den USA, Pianist Vincent Bourgeyx - durch einen Glücksfall kann die Jazzreihe einen Flügel als Leihgabe nutzen - und die Rhythmusgruppe mit Phil Donkin am Bass und Rick Hollander am Schlagzeug zählen zur Creme des europäischen Jazz.

Neoklassischer Jazz

Und so erhielten die Zuhörer im dicht besetzten Gewölbe eine Lektion in Sachen hervorragender Musik. Radikale Experimente sind die Sache des Quintetts nicht, obwohl Ed Kröger in wilderen Jugendjahren durchaus einmal freiere Gefilde betreten hatte. Doch stilistisch ist er heute neoklassisch, dem Hardbop verpflichtet, jener Richtung, die in den 50er Jahren blühte. Doch hieße es die Musik des Quintetts unziemlich reduzieren, wenn man sie nur so charakterisierte. "When Sunny Gets Blue" ist ein Barjazz-Titel mit einem wunderbar schwelgenden behauchten Tenorsax von Denné und ebenso gekonnten Einsprengseln des französischen Pianisten, dessen perlende Töne auch bei "You Are Too Beautiful" das Posaunensolo des Bandleaders umspielten. Der kehrte nie den Chef heraus, ließ auch Drummer und Bassist extensiven Raum zum Brillieren. Und wie sie das taten! Hollander sorgte für den Swing von der ersten Sekunde an, und was der junge Donkin auch in hohen Lagen mit seinem Kontrabass anstellte, ließ einen nur bewundernd den Kopf schütteln.

Höhepunkt war dann doch eine Thelonious-Monk-Komposition; die Musiker hatten sich da so richtig warmgespielt und zauderten auch nicht für eine stürmisch verlangte Zugabe. Sympathische Könner, aber die Welt ist eben ungerecht.