"Bier? Bier gibt es nicht - vielleicht mal ein Radler zum Anstoßen, aber Bier wäre tödlich für die Stimme!" Jan Schobert und Bernd Meier sind sich einig. "Das hältst Du keine sechs Tage aus!" Fast ein wenig überraschend, dass ausgerechnet bei einem der größten und sicher dem schönsten Bierfest Bayerns, wenn nicht sogar Deutschlands, ausgerechnet die Musiker einer Stimmungsband bei Tee und Wasser bleiben.

Seit 15 Jahren im Einsatz

Percussionist Jan sowie Bassgitarrist und Posaunist Bernd sind Mitglieder der Erlanger Band Appendix. Die beiden wissen um ihre Stimme, denn der Gesang steht auch bei ihnen auf dem Programm, wie auch die weiteren Mitglieder Jürgen, Thomas, Jackson, Siggi und Christian sowie Frontfrau Jenny multifunktional in der Band eingesetzt werden.

Appendix ist eine der wenigen Bands, die noch als "Erlanger" auf dem Berg sind. Die Jungs und die Sängerin kommen aus der Stadt und dem näheren Umland. Und irgendwie sind sie vom Berg gar nicht mehr wegzudenken. Seit 15 Jahren sind sie zu Pfingsten im Einsatz. Nicht immer sechs Auftritte - "Das hat sich über die Jahre entwickelt", sagt Jan.

"Angefangen haben wir im Altstädter Schießhaus, dann entdeckte uns der Wirt vom Henninger Keller und dann waren wir auf einem der größten Keller, dem Erich-Keller gebucht", fügt Bernd hinzu. Ununterbrochen und den Berg genau beobachtend. Immer mittendrin und die Veränderungen ebenso sehend, wie die Dinge, die offensichtlich immer gleich bleiben.

Kontakt zum Publikum wird schwieriger

Der Bandname "Appendix" ist lateinisch und heißt "Anhang, Anhängsel". Auf dem Berg haben die sieben Mann und die eine Frau sich aber nie so gefühlt. "Wir haben Fans, die kommen am Berg extra wegen uns, das ist schon ein tolles Lob", erzählen die beiden. Doch heuer wird es mit dem Kontakt zu den Fans, zum ganzen Publikum schwieriger werden. Der Name "Appendix" könnte ungewollt zum Programm werden.

Denn im Rahmen neuer Sicherheitsbestimmungen, die die Stadt vorgegeben hat, muss die Band umziehen. "Wir haben immer von der Bühne am Erich gespielt, direkt an dem Weg, der die hinteren Keller mit dem Rest der Kerwa verbindet", erklärt Bernd. Dabei kam es immer zu massiven Stauungen, die vor allem am Wochenende dazu führten, dass es weder vor noch zurück ging.

Um dieses Problem zu lösen, hat die Stadt in diesem Bereich zwei massive Veränderungen vorgenommen. Zum einen wurde eine neue Fluchttreppe geschaffen, die im Falle eines Unglückes am Berg die Massen in Richtung Stadt abfließen lassen soll. Zum anderen wurde die "alte Steinbühne" direkt neben dem Keller "dicht" gemacht. Eine eigene Bühne wurde vis-à-vis, am Abhang neben der Treppe, errichtet, um dort die Musik spielen zu lassen.
Die Mitglieder der Band Appendix bedauern das. Jan stellt aber eines klar: "Die Sicherheit hier oben ist wichtig. Wir beobachten ja auch, dass es immer voller wird, aber ob diese Lösung wirklich optimal ist?" Denn nun droht neben der Bühne eine recht steile Treppe. Wenn dann die tanzenden Massen in Bewegung kommen, werde es sicher nicht einfach, dort den Halt zu behalten.

Hilfe von oben

Es gebe aber auch noch eine weitere Erfahrung, die die Band über die Jahre gemacht hat. "Wenn ein Rettungstrupp wegen eines Einsatzes durch die verstopften Straßen musste, haben wir von der Bühne mithelfen können." Da wurde die Musik gestoppt und per Lautsprecherdurchsage auf die Situation aufmerksam gemacht - "und die Leute haben Platz gemacht", sagt Bernd. Die Möglichkeit wird es nicht mehr geben.

Allerdings sei die Band auch über die zu erwartenden musikalischen Auswirkungen nicht wirklich glücklich. "Auf der alten Bühne hatten wir das Hinterhaus - also alle, die in unserem Rücken gesessen haben. Die Straße und dann das weitere Publikum an den Bänken vor uns." Fast 5000 Menschen wurden so fast optimal beschallt. Nun wird die Straße eine musikalische Zäsur darstellen. Denn wenn die Fans vor der Bühne auf den Tischen stehen und tanzen, "wird es nach hinten eng werden", erklären die beiden Musiker.

Geplant sei es in den hinteren Bereichen Lautsprecher anzubringen, aber"das hat ja mit Liveband nichts mehr zu tun - da kann man dann gleich Musik aus der Konserve abspielen", monieren die Zwei.

Interessant werde es auch, wie sich die Schallkegel mit den benachbarten Bands überlagern werden. "Bis jetzt spielten wir in eine Richtung - bergab - nun spielen wir gegen eine Band rechts und eine Band links!" Eine unglückliche Entwicklung finden die beiden, weil die musikalische Qualität darunter leide. Die ist aber am Berg wichtiger, als so mancher Laie denkt, betont Jan. Denn der Berg sei im Grunde eine Art "Markt für Musiker". Hier entscheidet es sich mit, ob es zu weiteren Auftritten kommt. "Hier sind andere Veranstalter unterwegs, die dann weitere Buchungen vornehmen. Aber da kommt es eben auch auf Qualität an."

Blasmusik gewünscht

Die Bandmitglieder sind gespannt, wie sich die Veränderung auswirken wird. Optimistisch sind sie dennoch, wissen sie ja um die eigenen Qualitäten. "Wir spielen eben sehr gemischt", sagen Jan und Bernd. Und verbinden einen der wenigen Wünsche, die sie zur Zukunft der Bergkirchweih haben. "Spielt halt mehr Volksmusik und traditionelle Lieder am Berg." Von Morgens bis Abends "Ballermann-Feeling" passe nicht auf den Berg. "Klar, abends geht es schon rund. Aber es ist Schade, dass wir Bands haben, die schon mittags so auf die Tube drücken, dass ein Teil der Bergatmosphäre verloren geht", sagt Jan.

Appendix gehört zu den Bands, die genau das genießen. "Wir haben alles im Repertoire, von Blasmusik bis Rock'n'Roll." Das heißt aber auch, dass sich auf den Berg nochmals gesondert vorbereitet wird. "Bevor es hier oben los geht, treffen wir uns die Wochen zuvor bis zu dreimal im Übungsraum, um so drei Stunden neue Stücke einzustudieren und die alten Lieder aufzufrischen." Jan ergänzt: "Wir spielen unsere Stücke weitgehend aus dem Kopf!" Was wieder zu der Frage des Bierkonsums auf der Bühne führt: "Das würde ein gescheites Chaos geben, wenn wir uns nicht an Tee und Wasser halten würden - und da hat das Publikum dann garantiert keinen Spaß."