Landrat Alexander Tritthart (CSU) ist das Zünglein an der Waage. Er entscheidet, ob bald schon wieder Kraftfahrzeuge mit dem alten HÖS-Kennzeichen durch die Straßen fahren. "Zusammen mit meinen Mitarbeitern", sagte er am Mittwochabend bei der Unterschriftenübergabe. Und dann will er mit den Fraktionssprechern im Kreistag über seine Entscheidung reden. "Des guten Tons wegen", sozusagen. Das hatte sein Vorgänger Eberhard Irlinger (SPD) auch getan. Entschieden, darüber geredet und - abgelehnt.

Seit Mai dieses Jahres ist Tritthart im Amt. Anfragen für HÖS-Kennzeichen gab es bei ihm wenige. Ach ja, eine von Jochen Tohol. Aber zwei oder drei Anfragen reichen halt nicht, um das Thema aufzuwärmen. Tohol ließ sich nicht entmutigen. Der 26-Jährige fand in Johannes Denzler (22) einen Mitstreiter. "Heimatverbundenheit" nennen sie ihre Motivation. Beide sind sie aus Höchstadt, in der Jungen Liste haben sie zusammengefunden.

Unterschriften sammeln

Auf dem Höchstadter Altstadtfest im August hatten sie einen Stand. Und haben Unterschriften gesammelt. Aber auch anderswo, bei Freunden, Bekannten. Bis zum 11. September hatten sie 1250 Stück. "Aber immer noch tauchen Listen mit Unterstützern auf", sagt Tohol.

Die Summe: 1392 Unterschriften. 134, das sind fast zehn Prozent, kommen aus Herzogenaurach. "Das macht uns stolz", sagt Tohol und übergibt die Unterschriften an Landrat Tritthart, im Landratsamt in Höchstadt natürlich. Mit so viel "Bürgerwillen" wird es ein Thema, jedenfalls für Tritthart.

"Mich überrascht, dass es junge Leute sind, die sich für das HÖS-Kennzeichen einsetzen", sagt Tritthart. "Leute, die die Zeiten von HÖS gar nicht miterlebt haben." Tohol und Denzler bestätigen: "Auch wir hatten viel Zuspruch von jungen Leuten." Zuspruch auch von solchen, die selbst nicht mit HÖS-Nummernschild herumfahren möchten, aber die Wiedereinführung durchaus akzeptieren. "Nur wenige waren völlig dagegen", berichtet Johannes Denzler.

HÖS oder ERH

Bewohner des kompletten Landkreises könnten - sollte Trittharts Entscheidung zugungsten von HÖS ausfallen - wählen, ob sie mit dem alten Kennzeichen oder lieber mit dem vertrauten ERH fahren möchten. Und Tritthart selbst? "Ich will der Entscheidung jetzt nicht vorgreifen, aber nachdem ich im ganzen Landkreis unterwegs bin, würde ich wohl ERH belassen", räumt er ein. Tohol pflichtet bei: "Wir wollen den Landkreis nicht spalten."
Der Landrat erklärt: "Die Entscheidung wird in den nächsten Tagen fallen. Sollte sie zugunsten von HÖS ausfallen, muss ein Verwaltungsakt folgen." Jochen Tohol weiß: "Das dauert mindestens acht Wochen", das zeige die Erfahrung anderer Landkreise. Und fügt hinzu: "Das HÖS-Nummernschild wäre ein schönes Weihnachtsgeschenk."

Tohol und Denzler haben sich ihren Wunsch schon zum (kleinen) Teil verwirklicht. Sie haben ein Kennzeichen mit HÖS beim Pressetermin dabei. Im Internet bestellt. Warum? Weil die Höchstadter Schilder-Läden kein Ö drucken können. Noch nicht. Vielleicht bald.