Durch der Sperrung der Aischbrücke in Höchstadt dürften es inzwischen bald 20 000 Fahrzeuge sein, die täglich über die B 470 durch Gremsdorf rollen. Viel zu viel für die Anwohner der Hauptstraße. Verständlich, dass ihre Forderung nach einer Umgehungsstraße immer lauter wird.

Bis vor wenigen Tagen standen die Chancen dafür denkbar schlecht. Doch wie berichtet ist es CSU-Bundestagsabgeordnetem Stefan Müller gelungen, das Projekt Umgehung Gremsdorf vom "weiteren" in den "vordringlichen" Bedarf im Bundesverkehrswegeplan zu bringen. Das für die Bundesstraße zuständige Staatliche Bauamt bekommt damit jetzt offiziell Planungsrecht.
Somit könnte theoretisch in den nächsten 10 bis 15 Jahren eine Umgehungsstraße um Gremsdorf gebaut werden.


Befürchtungen werden lauter

Diese auf den ersten Blick erfreuliche Nachricht dürfte aber nicht überall im Ort Jubelstürme auslösen - vor allem nicht in den Gebieten, die dann von einer Umgehungstrasse tangiert werden. "Es wird immer Befürworter und Gegner geben", sagt Gremsdorfs Bürgermeister Norbert Walter (CSU).

Eine Umgehung könnte im Norden oder im Süden um den Ort herum gebaut werden. Die Nachricht von der Aufstufung in den vordringlichen Bedarf schreckt vor allem Bewohner des Neubaugebiets Am Mauerwald auf. Viele junge Familien haben sich dort ruhige Grundstücke in der Natur gekauft. Würde eine Südumgehung realisiert, müssten sie mit einer Bundesstraße in etwa 40 Metern Entfernung vom Baugebiet rechnen. Solche Überlegungen schüren Ängste - auch vor einem Wertverfall der Grundstücke.

Mit öffentlichem Protest halten sich die meist Neubürger aber noch zurück. Wie hinter vorgehaltener Hand zu erfahren ist, möchte man innerhalb der Dorfgemeinschaft keinen offenen Streit vom Zaun brechen. Die Bewohner vom Mauerwald würden natürlich die Nord-Variante durchs Aischtal bevorzugen. Das wäre auch der Favorit von Bürgermeister Walter.

"Noch kennt niemand eine Trassenführung", sagt Walter und möchte Spekulationen vorab den Wind aus den Segeln nehmen. Es müssen alle denkbaren Varianten geprüft und diskutiert werden. Und man müsse sich mit der Stadt Höchstadt abstimmen, da die von jeder Form der Umleitung nicht unwesentlich betroffen wäre.

"Man muss alles abwägen", sagt Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm (JL). Er wirft neben einer Nord- oder Süd-Variante eine dritte in die Diskussion: die Untertunnelung von Gremsdorf. Sie wäre für ihn der Favorit, wenn die Kosten im Rahmen blieben.

Bei einer Südumgehung sähe Brehm eine mögliche Wohngebietserweiterung im Höchstadter Bereich Galgenberg blockiert. Die Nordumgehung wäre ein enormer Eingriff in den Aischgrund. "Es muss was passieren", sagt Brehm mit Verständnis für die Anwohner in Gremsdorf. Höchstadt brauche aber ab dem Stadtrand die B 470 wieder auf ihrer alten Trasse - als Lebensader, um die dort inzwischen angesiedelten Einkaufsmärkte und Unternehmen zu erhalten. Bei der künftigen Abwägung sollte für Brehm der Mensch den höchsten Schutz genießen.


Fachliche Zweifel

Wie Bayerns Innenministerium auf eine schriftliche Grünen-Anfrage im Landtag im Januar 2015 bekannt gab, wurden für Gremsdorf eine Süd- und eine Nordumgehung (siehe Grafik oben) zur Bewertung für den Bundesverkehrswegeplan angemeldet. Zu der von der Gemeinde favorisierten Nordumgehung hat das Ministerium aber "erhebliche fachliche Zweifel", weil sie zu größeren Eingriffen in ein Vogelschutz- und Überschwemmungsgebiet im Aischtal führen würde. In der Südumfahrung sähe das Ministerium "eine zumutbare Trasse".

Im Bewertungsverfahren soll nun geprüft werden, "welche Variante in der gesamtwirtschaftlichen Betrachtung unter der Berücksichtigung der naturschutzrechtlichen Belange vorzugswürdig ist".

Die Südumgehung wird übrigens auf 11,2 Millionen, die Nord-Variante auf 20,4 Millionen Euro veranschlagt. Für die Untertunnelung gibt es noch keine Kostenschätzung.