Menschen, die unter freiem Himmel auf Baustellen arbeiten, haben heuer schon wochenlang unter extremer Hitze gelitten und werden in den nächsten Tagen noch mehr schwitzen. Aber auch wer morgens in sein Büro kommt und dort auf stehende, 30 Grad warme Luft trifft, leidet nicht minder, wenn er seine Hirnströme in Gang setzen soll.

Solch sauna-artige Arbeitsbedingungen finden sich jede Menge in modernen Gebäuden, von Architekten meist in Glas und Beton optisch ansprechend gestaltet. Das Wohn- und Arbeitsklima hinter diesen Fassaden scheint Planer - und oft auch Kommunalpolitiker - aber weniger zu interessieren.

Ein Beispiel ist das Wohn- und Geschäftshaus Am Vogelseck in Höchstadt. Der von außen markante Baukörper heizte sich in den vergangenen Wochen zu einem Brutkasten auf. Ob Spielzeugladen, Bücherstube, Gaststätte, Physiotherapie, Lebenshilfe, Steuerberater oder Fränkischer Tag - überall stöhnen die Mitarbeiter unter unerträglicher Hitze.

Von Stadtratsmehrheit abgelehnt

In diesem Fall hätte das nicht sein müssen. Als vor Jahren die Pläne für das städtische Vogelseck-Projekt im Stadtrat behandelt wurden, hatten die Ingenieure ein Heizsystem vorgeschlagen, mit dem man im Sommer auch kühlen kann. Eine Mehrheit der Stadträte war allerdings der Meinung, in unseren Breiten sei die Klimatisierung eines solchen Bauwerks nicht notwendig. Die Folgen müssen nun diejenigen ausbaden, die jetzt in dem von der Stadt errichteten Gebäude arbeiten.

Häufig Opfer solch moderner Architektur sind auch Schüler und Lehrer. Egal ob Grund-, Mittel-, Realschule oder Gymnasium, in Höchstadt finden sich einige Schulbauwerke, in denen im Sommer immer öfter Temperaturen von 30 Grad an der Tagesordnung sind.

Ein Beispiel dafür, dass es auch anders geht, ist die Firma Medwork im Gewerbegebiet Aischpark. "Wir wollen unseren Mitarbeitern ein entsprechendes Umfeld schaffen", sagt der geschäftsführende Gesellschafter Gerald Fischer. Bei dem Hersteller von endoskopischem Instrumentarium wird der gesamte Gebäudekomplex gekühlt. In der Fertigung ist es eine Vorgabe, in der Verwaltung Luxus. Den gönne man sich aber, "um das Arbeitsumfeld angenehm zu machen".

Kein Zuschuss für Klimaanlagen

Medwork hat bei seinen Gebäuden auch auf die Optik gesetzt. "Die kann man aber mit Technik verbinden", sagt Fischer. Boden-Konvektoren werden mit Kaltwasser gespeist, dazu kommt ein effektiver Sonnenschutz. Mit einem effizienten Energieeinsatz reduziere Medwork sogar seinen Verbrauch, stellt Fischer fest, räumt aber auch ein, dass dafür die Anschaffungskosten höher waren.

"Die heutigen Glaspaläste sind nur über eine Klimatisierung in den Griff zu bekommen", sagt der Höchstadter Architekt Fritz Wiesneth, der in Fürth ein größeres Büro betreibt. Während Firmen und Privatleute ihre Neubauten immer häufiger klimatisieren, ist das bei Objekten der öffentlichen Hand weniger der Fall. Wiesneth nennt auch einen Grund: "Weil bei öffentlichen Bauten Klimaanlagen nicht gefördert werden."

Viele Fehler

Beim Sonnenschutz werde von den Planern viel falsch gemacht, erlebt Wiesneth immer wieder. Sonnenschutz sollte grundsätzlich außen angebracht werden. Gut wäre baulicher Sonnenschutz mit Überhängen. Die Sonne sollte erst gar nicht auf die Scheiben scheinen, rät Fritz Wiesneth.

Von "völlig verkehrten Planungen" spricht auch der Heizungs- und Klimatechniker Karl Pröls, der zusammen mit seinem Bruder einen Haustechnik-Betrieb in Schlüsselfeld leitet. Je größer die Fenster an Gebäuden sind, desto mehr müsse gekühlt werden. Die Technik sei da, man könne das Problem lösen. Pröls empfiehlt, den Dämmaufwand an den Häusern zu reduzieren und dafür mehr in die Technik zu investieren.

"Bei uns hat in den heißen Wochen keiner geschwitzt", sagt der Klimatechniker. Während das Außenthermometer Temperaturen von deutlich über 30 Grad zeigte, herrschten im Inneren des neuen Firmenkomplexes unweit des ADAC-Fahrsicherheitszentrums gerade mal 24 Grad. "Es war total angenehm", sagt Annette Lips und wird von ihren Kolleginnen im Büro bestätigt.

Moderne Klimadecken sorgen bei der Firma Pröls für Wohlfühl-Temperaturen. Dabei handelt es sich um eine Art Heizkörper, die unter den Decken angebracht sind. Im Winter fließt für die Heizung warmes Wasser durch, im Sommer kaltes. Im Gegensatz zu konventionellen Klimaanlagen machen Klimadecken keinen Lärm und verursachen auch keine Zugluft, erklärt Klimatechniker Pröls. Gerade auch für Schulen wären solche Deckenheizungen, die im Sommer kühlen, ideal.