"Die Menschen müssen sich hier wohl fühlen", fordert Landrat Alexander Tritthart (CSU), wenn er vom Balkon der zweiten Etage des praktisch bezugsfertigen Muster-Reihenhauses im Adelsdorfer Neubaugebiet Reuthsee in die Landschaft blickt, in der ein Reihenhaus-Riegel nach dem anderen hochgezogen wird.

Dass sich die künftigen Bewohner hier wohl fühlen, davon sind Adelsdorfs Bürgermeister Karsten Fischkal (FW), seine Stellvertreterin Jutta Köhler (Pro Adelsdorf), einige Gemeinderäte und natürlich Ralph Munck überzeugt. Der Nürnberger Geschäftsmann Munck ist Sprecher und Koordinator der Firma "Seeside". Unter diesem Kunstnamen arbeiten mehrere Unternehmen zusammen und investieren in Adelsdorf über 150 Millionen Euro.

Der Gemeinderat hatte sich von dem Konzept der Investoren überzeugen lassen, auf dem Areal um das ehemalige Aldi-Zentrallager kostengünstiges Wohneigentum zu schaffen und zu vermarkten. So entstehen jetzt jede Menge Reihenhäusern. Insgesamt sollen es 500 Einheiten werden.

102 hat Munck nach eigenen Worten schon verkauft, für 28 weitere liegen die Unterlagen bereits beim Notar. Über die Nachfrage nach diesen Reihenhäusern kann sich der Geschäftsmann nicht beklagen. "Es kommt jetzt die erste Generation, der es wieder schlechter geht", stellt Munck fest.

Viele junge Familien seien seine Kunden. Die bekommen beispielsweise ein bezugsfertiges Reihenhaus mit 160 Quadratmetern auf drei Etagen in Adelsdorf für rund 260 000 Euro. In Erlangen, Nürnberg oder Herzogenaurach würden die Preise für solche Immobilien deutlich höher liegen.

Als Munck und Fischkal dieser Tage den Landrat, Bürgermeister aus Nachbargemeinden und Gemeinderäte durch das entstehende Baugebiet führten, meinte Tritthart, dass es wichtig wäre, hier einen gesunden Mix aus Neubürgern und Adelsdorfern hinzubekommen. Das werde wohl nicht gelingen, antwortete der Geschäftsmann, "denn aus Adelsdorf haben wir kaum Nachfrage". Munck hält es eher für möglich, dass das Gebiet Reuthsee "ein bisschen Siemens-Getto" werden könnte.

In Vestenbergsgreuth wäre ein solches Baugebiet undenkbar, sagte der Landrat. In Adelsdorf habe das Landratsamt die Pläne genehmigt. Für die Gemeinde gelte es jetzt, die 2000 erwarteten Neubürger unterzubringen. Die Gesellschaft ändere sich, Grundstücke würden überall kleiner, stellte Tritthart fest. Im Kreis Erlangen-Höchstadt brauche man Wohnraum. Man könne froh sein, hier einen solchen Zuzug zu haben.

Eine leise Kritik hatte der Landrat doch noch zu diesem neuen Ortsteil. Er hätte das Projekt in mehrere Bauabschnitte aufgeteilt und nach und nach besiedelt. Ralph Munck rechnet aber ohnehin noch mit vier Jahren Bauzeit.

Bürgermeister Fischkal sieht seine Gemeinde für den Bevölkerungszuwachs gerüstet. Kläranlage, Wasserwerk und Schule seien groß genug. Die Kinderbetreuung werde derzeit ausgebaut.

Eine klare Haltung hat Röttenbachs Bürgermeister Ludwig Wahl (FW) zu dieser Art von Baugebiet: "Bei uns wird Einzelhausbebauung gewünscht."