Ein politisches Statement wollen sie mit ihrem Bandnamen nicht abgeben, sagen Sandro Weich und Pascal Najuch. Sie studieren beide Soziale Arbeit an der Hochschule Coburg. "In unserem Studiengang nennen wir uns alle Sozis", erzählt Sandro Weich. Im zweiten Studienjahr haben der Lichtenfelser und der Hofer sich kennengelernt und sofort verstanden. Für sie ist Musik ein Lebenselixier, und seit Jahren spielen sie schon in verschiedenen Bands. "Da musste ich mir schon überlegen, ob da noch ein Studium oben drauf passt", sagt Pascal Najuch und lacht.
Warum haben sie nicht gleich Musik studiert? "Mich hat die Theorie abgeschreckt", erläutert der 23-jährige Sandro Weich. Es falle ihm heute noch schwer, Noten zu lesen. "Ich gehe lieber emotional an die Musik ran und habe mir alles selbst beigebracht. Wenn das Musizieren zwanghaft passiert, macht es mir keinen Spaß mehr."
Pascal Weich, 25 Jahre alt, wollte erst ein bisschen Lebenserfahrung sammeln.
"Musik soll für mich eine Aussage haben und dazu muss ich mich erst einmal umschauen." Das Studium helfe ihm dabei. Im vierten Semester trafen die beiden dann die Entscheidung, eine Band zu gründen. Das notwendige Equipment - Instrumente, Verstärker, Mikrofone, also ein komplette Anlage - hatten der Hofer und der Lichtenfelser schon. Einmal in der Woche, so es sich einrichten lässt, treffen sie sich in einem früheren Probenraum einer Lichtenfelser Band, in der Sandro Weich einmal mitgespielt hat. Akustik-Pop-Rock nennen "Die Sozis" das, was sie spielen.

Bewerbung um Förderpreis
Und dann hatten sie im vergangenen Jahr diesen verrückten Einfall, den sie selbst als "Freitagabend-Suffidee" bezeichnen. Sie hatten gelesen, dass für das Nachwuchspreisträgerkonzert beim Festival "Songs an einem Sommerabend" Gruppen gesucht werden. Die Hanns-Seidel-Stiftung schreibt dafür jährlich einen Förderpreis aus. Also bewarben sie sich mit einem Video zum Titel "Pleite, aber glücklich", das mit Unterstützung ihrer Kommilitonin Julia Flachmann gedreht wurde, und zwei weiteren Songs.


Das war drei Wochen nach Gründung der Band. Ein Schnellschuss. Geklappt hat es nicht mit einem Auftritt beim Festival. "Wir wissen ja auch nicht, welche Kriterien da zählen", stellt Pascal Najuch fest. Gut sei es trotzdem gewesen, sich zu bewerben - immerhin hat die beiden daraufhin der Ehrgeiz gepackt. Zehn bis 15 Auftritte hatten sie inzwischen in Coburg, Bamberg, Schweinfurt oder auch Kulmbach. Und ihre erste EP (weniger Titel als auf einem Album, aber mehr als auf einer Maxi-Single) mit dem Titel "Ins kalte Wasser" ist erschienen.

Am morgigen Freitag wollen die "Sozis" die EP bei einer Release-Party im Musikkeller "Zum Brünnle" vorstellen. Mittlerweile gehört zur Band auch ein Schlagzeuger: Lukas Stumpf. Er hat gerade ein Studium der Sozialen Arbeit in Würzburg begonnen und passt damit gut zu den beiden anderen. "Lukas hat viel Erfahrung und entwickelt sofort Ideen, wenn wir mit anfangen, eine Melodie zu spielen. Er ist unser Herzschlag", sagt Sandro Weich.

Alle Songs entstehen in der Zusammenarbeit der Musiker, wobei der Bassist Pascal in der Regel die Texte schreibt. Sandro macht die Musikvorschläge und ergänzt unter Umständen die Texte. "Er hat ein ungewöhnliches Gespür", lobt ihn Pascal dafür. Als Interaktion bezeichnen die beiden den Entstehungsprozess ihrer Titel.


Und weil das Studium die Sicht aufs Leben prägt, werden "Die Sozis" in ihren Texten dann doch auch politisch. "Was andere als Glück empfinden, ist mir eigentlich ganz gleich", heißt es zum Beispiel bei "Pleite, aber glücklich". Spaß, Lust am Leben, anderen Freude und Mut geben - das ist für sie das eigentliche Glück. Im Song "Lachnummer" gestehen die jungen Musiker ein: "Ich möchte endlich zu mir stehen, endlich eigene Wege gehen". Zu diesen eigenen Wegen gehört für "Die Sozis" unter anderem auch, dass sie sich gegen Rechtsradikale und gegen Homophobie engagieren.


Weitere Informationen zur Band gibt es auf ihrer Facebookseite. Videos zu einigen Titeln finden sich bei Youtube.