Besucher, die mit ihrem Wohnmobil zum Samba-Festival anreisen, das kommenden Freitag beginnt, müssen schnell sein. Dann haben sie die Chance, statt am kahlen Ketschenanger idyllisch im Grünen zu residieren - "Vesteblick" inklusive. So heißt auch der neue Wohnmobil-Stellplatz am Rande des Aquaria-Geländes, der am Freitag offiziell eröffnet wurde. Acht Reservierungen gibt es übrigens schon, drei davon fürs Samba-Wochenende, wie Aquaria-Betriebsleiter Jörn Pakoßnick-Kirchner bei der Einweihungsfeier berichtete.
Als sie 2014 ihr Amt als Bau-Bürgermeisterin antrat, sei die Diskussion um das Thema Wohnmobilstellplatz schon einige Jahre alt gewesen, erzählte Birgit Weber. Spätestens als die Landesausstellung 2017 immer näher rückte und damit die Frage, wohin mit den Wohnmobilen, wenn der Ketschenanger als Busparkplatz gebraucht wird, sei eine Entscheidung unausweichlich geworden. Dass der Stellplatz mit seinen 21 Parzellen, "nach 15 Jahren wünschen" (Weber), tatsächlich verwirklicht werden konnte, sei die beste Entscheidung im Hinblick auf Coburgs touristische Entwicklung gewesen, so Weber.
SÜC-Geschäftsführer Wilhelm Austen wies auf den wirtschaftlichen Wert für die Kommune hin: Wohnmobilisten geben pro Tag gut 40 Euro für Gastronomie, Sehenswürdigkeiten und ähnliches aus.
An einigen Ideen und Wünschen musste auf dem Weg bis zum endgültigen Plan noch gefeilt und manches auch gestrichen werden. So wurde zum Beispiel auf eine Schranke an der Einfahrt verzichtet, weil Anwohner befürchtet hatten, dass Wohnmobile davor mit laufendem Motor warten würden.
Das Procedere funktioniere nun so, dass Wohnmobilisten einfach auf das Areal fahren, sich einen Platz aussuchen und dann an der Kasse des Aquaria die Gebühren für ihren Aufenthalt entrichten, erklärte Jörn Pakoßnick-Kirchner. Schummeln sei auch ohne Schranke nicht möglich, denn eine Videokamera zeichne bei der Einfahrt das Kennzeichen auf.
In den zwölf Euro Standgebühr pro Tag sind die Kosten für die Entsorgung enthalten, nicht aber Wasser und Strom. Die können Gäste an Münzautomaten zapfen. Auch Bratwürste und Getränke, die bei der Einweihungsfeier serviert wurden, gebe es sonst leider nicht, scherzte Birgit Weber. An den Wochenenden soll allerdings für Wohnmobilisten ein Brötchenservice angeboten werden.

Der Wohnmobilstellplatz und seine Vorgeschichte

Frühjahr 2016 SPD und Wählergemeinschaft Pro Coburg (WPC) stellen Anträge. WPC will prüfen lassen, ob auf dem Parkplatz Rosenauer Straße oder dem Aquaria-Freigelände ein Wohnmobilstellplatz errichtet werden kann. Die Stellfläche am Anger sei wenig attraktiv und häufig durch Veranstaltungen blockiert, argumentieren die drei WPC-Stadtratsmitglieder.

Oktober 2016 Bau- und Finanzsenat stimmen für einen Stellplatz mit 24 Parzellen auf dem Aquaria-Gelände. Die Kosten werden auf rund 320 000 Euro geschätzt. Die SÜC soll den Platz bewirtschaften, die Stadt beteiligt sich an den Kosten. Der Badparkplatz schied als Standort aus, denn dort hätten 80 Pkw-Parkplätze geopfert werden müssen.

Februar 2017 Weil die Anwohner des künftigen Wohnmobilstellplatzes Bedenken wegen Lärm und Schmutz, aber auch wegen der Fläche haben, die den Badegästen dann nicht mehr zur Verfügung steht, laden Stadt und SÜC zu einer Bürgerinformation ein und leisten Aufklärungsarbeit.

Mai 2017 Der Bausenat würdigt die Einwände und Bedenken der Anwohner. So wird beispielsweise beschlossen, auf eine Schranke zu verzichten, hohe Hecken sollen für Sicht- und Lärmschutz sorgen.

Herbst 2017 Baubeginn auf dem Aquaria-Gelände. Im Winter ruhen die Arbeiten witterungsbedingt für eine ganze Weile. Pünktlich zum Sambafest 2018 ist der Platz fertig.