"Zehn Jahre Fakultät Design haben viel mit Emotionen zu tun", sagt der Präsident der Hochschule Coburg, Michael Pötzl, und erinnert daran, dass die Entscheidung für dieses heute so erfolgreiche Konstrukt einst aus einer Notsituation heraus getroffen wurde. Als Experten im Jahr 2004 die Wissenschaftslandschaft unter die Lupe nahmen, kamen sie zu dem Schluss, dass in Coburg die Zahl der Studierenden in den Fachbereichen Bauingenieurwesen und Architektur drastisch, teilweise um die Hälfte, zurückgegangen war. Der Grund dafür lag in der schwierigen Situation des Baugewerbes insgesamt. Die Konsequenz: Es wurde vorgeschlagen, beide Studiengänge in Coburg auslaufen zu lassen. Damit wollten sich der damalige Hochschulpräsident, Heinrich Schafmeister, und sein Stellvertreter, Michael Pötzl, aber nicht abfinden. "Die Hochschule wäre ihrer Grundlage beraubt worden", stellt Michael Pötzl fest.

Also wurde die Fakultät Design auf den Weg gebracht. Sie vereinigte die Studiengänge Architektur, Innenarchitektur, integriertes Produktdesign und Bauingenieurwesen mit heute 900 Studierenden. Geburtshelfer seien damals unter anderem Dieter Sitzmann, Professor im Fachbereich Bauingenieurwesen und Werner Kintzinger, langjähriger Dekan der Fakultät Design, gewesen, erläutert Michael Pötzl. Nach anfänglichen Raumproblemen gelang schließlich auch der Neubau auf dem Campus am Hofbrauhaus. "Wer hätte gedacht, dass aus alten Gebäuden und Gewölben ein moderner Campus wird?"

Die Einführung der interdisziplinären und praxisorientierten Ausbildung und die Begleitung der Studierenden von Anfang an bis zum Einstieg ins Berufsleben wurden zu den tragenden Säulen des "Coburger Weges", mit dem sich die Hochschule Coburg 2011 an einem Wettbewerb um Bundesmittel beteiligte und den Zuschlag für 7,5 Millionen Euro bekam.

Mit der Gründung des Wissenschafts- und Kulturzentrums an der Hochschule hätten zudem die Fachdisziplinen eine "Klammer" bekommen. Auch das sei Neuland gewesen. "Nichts ist unmöglich, wenn die Konzepte passen und man die richtigen Partner hat", sagt Michael Pötzl dazu. Für die ehrgeizigen Pläne habe es auch immer wieder Fördermittel gegeben.

Mit Zukunftsdesign durchstarten

Und dass die Hochschule Coburg eine wichtige Rolle in der Region spielt, beweist nach den Worten des Hochschulpräsidenten auch das Erfolgsmodell Designtage. "Stellen Sie sich mal Coburg ohne die Designtage vor."
Die Veranstaltung splittet sich inzwischen in die Designtage des Coburger Designforums Oberfranken auf dem Gelände des früheren Güterbahnhofs und den "Designcampus open" auf. Das sei für ihn kein Problem, betont der Hochschulpräsident. "Was hier auf dem Campus passiert, ist die Grundlage für die Anwendung. Die Designtage sind die Bundesliga und der ,Designcampus open‘ die Champions League." Das solle keine Wertung sein, räumt Michael Pötzl sofort ein; er wolle damit nur deutlich machen, was worauf folgt. "Der Designcampus ist quasi die Herzkammer, die die Organe versorgt." Beide Veranstaltungen ergänzten sich optimal.

Und weil in den Augen des Präsidenten Stillstand mit Rückstand einhergeht, gibt er auch noch einen Ausblick. Zukunftsdesign heißt ein neuer Masterstudiengang, der im Wintersemester in Kronach starten soll. Dabei gehe es um eine andere Form der Zusammenarbeit von Menschen unterschiedlicher Bereiche. Lösungsmöglichkeiten und Ideen sollen branchen- und disziplinübergreifend entwickelt und erarbeitet werden.

Dass Coburg inzwischen ein Zentrum der Kreativwirtschaft sei, habe auch mit dem Designcampus zu tun, stellt Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) fest. Er erinnert an die Geschichte des Hofbrauhauses, in dem bis 1982 100 000 Hektoliter Bier gebraut wurden, das 1999 innen fast völlig ausbrannte und danach eine neue Zukunft bekam.

Eine Umfrage unter Studierenden zum "Designcampus open" legt Eric Heimann seiner kleinen Rede zugrunde: "Von Stress war kaum die Rede. Einer hat mir gesagt, er würde sogar gern noch mehr auf die Beine stellen."