Egal, ob P 44 (durch den Westen den Landkreises) oder P 44 mod. (durch den Osten und den Landkreis Lichtenfels) - sollte durch den Landkreis Coburg eine weitere Höchstspannungsleitung gebaut werden, dürfte die Erdverkabelung der Trasse vom Tisch sein. Dies berichtete der Coburger Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach (CSU) bei der traditionell am Rosenmontag stattfindenden "politischen Schlachtschüssel" des Coburger Kreisverbandes im Bayerischen Bauernverband (BBV). Diese fand erstmals im "Hofcafe Mohnbiene" statt.

Coburgs BBV-Kreisgeschäftsführer Hans Rebelein entfachte die Diskussion über die Erdverkabelung. Aus Sicht der Landwirtschaft sei die noch im vergangenen Jahr von Hans Michelbach ins Gespräch gebrachte unterirdische Leitungsführung "nach dem jetzigen technischen Stand keine Alternative", sagte Rebelein und brachte dafür jede Menge Begründungen: über 40 Meter breite Trassen durch die Landschaft, flächendeckende Rodungen und eine Erhöhung der Bodentemperatur über der Leitung um bis zu vier Grad. Südfrüchte oder Spargel könnte man da vielleicht noch mit viel Wasserbedarf anbauen, orakelte Rebelein - aber sicher keine traditionelle Landwirtschaft betreiben.

Hans Michelbach - der im Sommer noch unter Umständen mit einer Erdverkabelung durch den westlichen Landkreis hätte leben können - berichtete von einem dramatisch veränderten Meinungsbild. Inzwischen seien dem Bundestag in Berlin Gutachten vorgestellt worden, wonach eine Erdverkabelung insbesondere bei Wechselstromleitungen ( P 44/  44 mod. sind solche; die Redaktion) "nicht Stand der Technik" seien. Die Störungsanfälligkeit sei einfach zu groß. Deshalb sehe er die Erdverkabelung inzwischen nicht mehr als Thema, das bei der Diskussion über die geplanten Stromtrassen eine Rolle spiele.

Ohnehin: Für des Bundestagsabgeordneten steht an erster Stelle, dass überhaupt keine weiteren Leitungen mehr ins Coburger Land kommen. Die entscheidende Phase finde im Herbst statt, wenn beim Netzausbauplan erneut über die zwei Trassenvarianten P 44/P 44 mod. diskutiert werde. Michelbach zeigte sich optimistisch, dass beide gestrichen werden: "Ich hoffe, dass so viel Vernunft einkehrt, dass die, die bereits eine Leitung haben, nicht noch eine weitere bekommen."

Wo der Knackpunkt liegt, brachte Landrat Michael Busch (SPD) in die Diskussion: Am derzeit immer noch festgeschriebenen Übergabepunkt Schalkau. So lange es diesen "Zwangspunkt" gebe, werde es schwer bis unmöglich, den Landkreis beim Bau einer weiteren Höchstspannungsleitung zu umgehen. Vor Ort habe man sich klar positioniert, ergänzte der Landrat und sagte mit Blick zu Michelbach: "Letztendlich entscheidet der Bund." Nicht aus dem Auge verlieren sollte das Coburger Land nach Ansicht Buschs auch die Diskussion um den Bau neuer HGÜ-Gleichstromleitungen. Diese sind ungleich mächtiger als die 380-Kilovolt-Leitungen - und auch hier fühlt der Landrat die Region noch lange nicht auf der sicheren Seite.


Sauer auf die Regierung

Sauer sind die Landwirte auf die Regierung von Oberfranken und deren Planfeststellungsbeschluss zum Bau der Rödentaler Umgehung. Nicht die Straße an sich erzürnt dabei die Bauern - sondern der Umfang der ökologischen Ausgleichsmaßnahmen. Deren genaue Größe konnte am Rosenmontag zwar keiner der Beteiligten so recht eruieren, aber selbst Hans Michelbach war der Meinung, dass dieser vom Umfang her "monumental" sei und es "keinerlei rechtliche Grundlage" dafür gebe. Im März soll nun vor Ort ein Gespräch mit Bayerns Innen-Staatssekretär Gerhard Eck (CSU) stattfinden, in dem die Ausgleichsmaßnahmen das zentrale Thema sein sollen.

Noch einmal Ausgleichsmaßnahmen - BBV-Kreisobmann Gerhard Ehrlich hatte einen Wunsch an den Abgeordneten, den Landrat und die (erstmals) zahlreich anwesenden Bürgermeister: Er hätte gerne eine geschlossene Front gegen den großflächigen ökologischen Ausgleich bei Projekten aus dem Bereich der regenerativen Energien. Es könne doch nicht sein, dass man ökologische Energie produzieren wolle und dann auch noch Ausgleichsflächen dafür brauche. Verständnis signalisierte Landrat Michael Busch, der ein Beispiel brachte: So musste bei den Bau einer Fisch-Aufstiegshilfe an der Itz zusätzlich ökologischer Ausgleich betrieben werden. "Das muss gesetzlich geändert werden", stellte sich Busch hinter die Forderung des Bauernverbandes.