Wie im Flug sind die Wochen vergangen, die 20 Kinder aus der Katastrophenregion von Tschernobyl im Coburger Land verbringen durften. Heute heißt es Abschied nehmen. "Es ist immer ein Moment, wo viele Tränen fließen", sagt Dieter Wolf, der Vorsitzende des Vereins Tschernobyl Kinderhilfe aus Neustadt. Daran gewöhnen wird er sich nie. Es ist der 18. Besuch einer Kindergruppe zur Erholung, und Wolf ist so gerührt wie beim ersten.
Mit den Jahren ist die Verbindung in die Region, die nach dem Reaktorunglück im April 1986 besonders unter den Folgen zu leiden hat, immer enger geworden. Wolf und die Helfer seines Vereins haben Mitstreiter gewonnen, die ihnen vor Ort helfen. Unzählige Hilfstransporte, Besuche und Unterstützung bei vielen kleinen und größeren Projekten vor Ort haben auch Vertrauen wachsen lassen.


Bewegendes Wiedersehen

Wenn Wolf und eine kleine Gruppe von Vereinsmitgliedern im August wieder in die Ukraine reisen, dann werden sie daher nicht nur die Kinder dieses Aufenthalts wiedersehen. Immer wieder treffen sie Kinder aus vergangenen Jahren - manche sind heute schon erwachsen und haben selbst Kinder. Allen bleiben die vier Wochen in Deutschland in tiefer Erinnerung. Immer wieder hören die Deutschen, wie diese Reise kleine Persönlichkeiten verändert, gestärkt und angespornt hat, etwas aus ihrem Leben zu machen - trotz aller Hindernisse und Nachteile für Menschen aus der Katastrophenregion.

Dafür, dass die Kinder reichlich Erinnerungen mit nach Hause nehmen, spricht das Programm, das der Verein auf die Beine stellt. Dabei kommen immer wieder neue Angebote. Andere Unterstützer haben schon seit Jahren einen festen Platz im Terminkalender von Dieter Wolf.

Kaum angekommen, werden die Kinder eingekleidet, gegebenenfalls medizinisch untersucht und versorgt. Dann jagt ein Erlebnis das nächste. Vereine wie der Countryclub Mountainlions, die Privilegierten Schützen in Neustadt oder der Truckerclub Frankenstrolche nehmen sich der Kinder oft einen ganzen Tag lang an. Es werden Feste und Theateraufführungen in der Region besucht und die Firma Thoenissen fährt die Kinder kostenlos in den Freizeitpark nach Geiselweind, wo ihnen der Betreiber den Eintritt spendiert. Rolly-Toys in Neustadt stellt Trettraktoren für die Kinder zur Verfügung und viele Helfer kommen zum Pfadfinderhaus in Fornbach, wo die Gruppe untergebracht wird, um den Kindern einfach etwas Gutes zu tun.


Nach der Fahrt ist vor der Fahrt

Kaum sind die Kinder weg, geht es für den Verein schon wieder an die Arbeit. Es gibt viel zu tun, ehe die nächsten 20 Kinder kommen können. Vor allem müssen Spenden gesammelt werden. Jeder Aufenthalt kostet viele Tausend Euro. Dieses Geld immer wieder zusammenzubringen, ist wohl eine schwere Aufgabe für Dieter Wolf und sein Team.


Schwere Auswahl

Doch noch schwerer ist es, unter unzähligen Kindern, die sich danach sehnen, auch einmal mit nach Deutschland genommen zu werden, die auszuwählen, die es am nötigsten brauchen. "Am liebsten würde ich alle mitnehmen, oder wenigstens immer noch ein paar mehr", sagt Wolf. Doch er weiß, dass der Verein nicht mehr stemmen kann. Daher werden schon bei der nächsten Reise wieder die ersten Vorentscheidungen getroffen - denn es dauert lange, bis aller Papierkram bewältigt ist, alle Versicherungen abgeschlossen sind, die für jedes Kind vorliegen müssen, ehe es ausreisen kann. Mag es manchmal so aussehen, als ob es nicht mehr geht - schaffen es die Neustadter doch immer wieder, eine Gruppe nach Franken zu holen. Und das ermutigt sie, immer weiter zu machen - das, und die strahlenden Kinderaugen, die sie jedes Jahr sehen dürfen.

Spendenkonto:
Bankverbindung Wer den Verein Tschernobyl-Kinderhilfe Neustadt finanziell unterstützen möchte, kann das mit einer Spende über folgende Bankverbindung tun:
Sparkasse Coburg - Lichtenfels
IBAN: DE68 7835 0000 0000 3735 55
BIC: BYLADEM1COB.