"Ich sehe viel Verbindung zwischen Jagd und Landwirtschaft, das ergänzt sich gut", sagt Greta Albrecht. Sie muss es wissen, denn sie hat Landwirtschaft studiert und steht gerade mitten in der Prüfung für den Jagdschein. Wenn der Bayerische Bauernverband in Coburg jetzt einen Vorbereitungskurs für die Jägerprüfung anbieten will, der speziell auf Landwirte zugeschnitten ist, kann Greta Albrecht es allen Berufskollegen nur empfehlen, das Angebot anzunehmen.

Sie hätte diese Gelegenheit gern genutzt. Schon im vergangenen Jahr versuchten der BBV, Landwirte für die Jagd zu gewinnen. Greta Albrecht war eine Interessentin. Als der Kurs nicht zustande kam, weil die Mindestzahl von zwölf Teilnehmern nicht erreichte wurde, entschied sie sich, den normalen Kurs an der Jagdschule der Kreisgruppe Coburg im Landesjagdverband zu besuchen.

Komprimierter Kurs

In diesem Kurs wird einiges
unterrichtet, was Landwirte aus der eigenen Berufsausbildung schon wissen. "Das könnte dann aus dem Kursprogramm herausfallen und die Kursdauer so verkürzt werden", erklärt Hans Rebelein, Geschäftsführer des BBV in Coburg und selbst Jäger. Von Oktober bis März würde der spezielle Kurs laufen - in der Zeit, in der Landwirte am ehesten Zeit aufbringen können.

Leichter wird die Prüfung damit nicht. "Die Prüflinge aus diesem Kurs müssen die gleiche Prüfung ablegen wie alle anderen auch", stellt Paul Schefczik klar. Er ist Vorsitzender der BJV-Kreisgruppe und würde es begrüßen, wenn mehr Landwirte auch Jäger wären.

"Das gegenseitige Verständnis wird dadurch besser", sagt Hans Rebelein. Als Landwirt kennt er den Ärger etwa bei Schäden, die Wildschweine an landwirtschaftlichen Kulturen anrichten. Wenn Landwirte Jagdpächter auffordern, doch endlich die Schwarzkittel abzuschießen, kann er nur lächeln. Er weiß, wie Recht Paul Schefczik hat, wenn er sagt: "Schwarzwild ist sehr schwierig zu bejagen. Die Tiere sind intelligent und sie lernen sehr schnell dazu."

"Es hat ein anderes Gewicht unter Landwirten, wenn ein Landwirt etwas sagt, der selbst Jäger ist", ist BBV-Kreisobmann Gerhard Ehrlich überzeugt. Und es ist wichtig, dass es Vertrauen und ein gutes Miteinander unter Jägern und Bauern gibt, findet der BBV-Vertreter.

Für Greta Albrecht hat sich der Schritt zur Jägerprüfung gelohnt: "Ich gehe mit einem anderen Blick durch die Natur als früher", sagt sie. Für sie lag es auf der Hand, die Prüfung abzulegen. Die Familie bewirtschaftet einen Gutshof bei Birkenmoor, der eine Eigenjagd bildet. "Ab einer arrondierten Fläche von 81,755 Hektar ist Grundbesitz in Bayern eine Eigenjagd", stellt sie gleich das in der Jagdschule erworbene Wissen unter Beweis. Die theoretische Prüfung hat sie schon bestanden.

Der Termin für die mündliche Prüfung wird zwischen dem 19. und dem 21. Mai liegen. Dieser Teil ist für viele Prüflinge der, vor dem sie am meisten Respekt haben. In sechs Fachgebieten werden sie einen Tag lang geprüft. Anfang Juni ist dann noch eine Prüfung zur Waffenhandhabung, bei der auch die Schießergebnisse passen müssen. Dann halten die erfolgreichen Teilnehmer endlich ihr Prüfungszeugnis in der Hand.

Nicht geschenkt

Jäger sprechen gern vom "Grünen Abitur", wenn es um den Jagdschein geht. Greta Albrecht räumt auch als studierte Agrarwissenschaftlerin ein: "Es ist nicht geschenkt, aber wenn es einen interessiert, ist es ein schönes Lernen". Und Paul Schefczik beschwichtigt: "Unter den Jägern gibt es alle beruflichen und gesellschaftlichen Gruppen, und die haben es alle geschafft." Außerdem verweist er wie Greta Albrecht auf den Ausbildungserfolg der Coburger Jagdschule. Zumindest den Theorie-Teil haben diesmal alle 25 Prüflinge bestanden. Seit Jahren haben die Coburger Ausbilder sehr gute Erfolgsquoten. Den Jagdschein über einen Crashkurs in zwei Wochen an speziellen Schulen und mit Prüfung in anderen Bundesländern abzulegen, war für Greta Albrecht übrigens keine Option: "Mein Vater war der Meinung, ich sollte lieber eine ordentliche Ausbildung hier bei uns machen." Sie hat es nicht bereut, ist sie doch überzeugt, dass sie viel gelernt hat und bestens auf die Prüfung vorbereitet wurde. "Man hat gemerkt, dass uns die Ausbilder wirklich etwas beibringen wollen", sagt sie.

Ihren Berufskollegen kann sie den Schritt nur ans Herz legen - zumal, wenn ihnen ein spezieller Kurs angeboten wird.