Rödental
Natur

Unter der Itztalbrücke in Rödental ist Platz für Falken

Schüler aus Mönchröden waren an einem Projekt beteiligt, das dem Wanderfalken helfen soll, heimisch zu werden.
Die drei Zentner schwere Nisthilfe wird für den Aufstieg auf 30 Meter Höhe vorbereitet. Fotos: Rainer Lutz
Die drei Zentner schwere Nisthilfe wird für den Aufstieg auf 30 Meter Höhe vorbereitet. Fotos: Rainer Lutz
+10 Bilder
} } } } } } } } } }
Die wenigsten Menschen wünschen sich, unter einer Brücke zu wohnen. Falken gefällt es dort aber schon. Deswegen hoffen die Schüler der Klasse 4b der Grundschule Mönchröden, dass ihr Projekt bald ein Erfolg wird. Gemeinsam mit der Initiative Artenschutz in Franken haben die Schüler eine Nisthilfe für den Wanderfalken unter der Autobahnbrücke über das Itztal installiert.

Artenschützer und Schüler hatten die Stadt Rödental und die Autobahndirektion Nordbayern als weitere Partner an ihrer Seite. Finanziell wurde die Aktion durch die Umweltstiftung Greenpeace getragen. Doch bevor es zur Brücke und zur Tat gehen konnte, wollten die Schüler einiges wissen. "Wir waren eineinhalb Stunden in der Klasse, und haben erst einmal über den Falken theoretisch informiert", sagt Thomas Köhler, der Vorsitzende der Initiative Artenschutz in Franken.

"Das Projekt lief fächerübergreifend", erklärt Lehrerin Elke Bürger. Die interessante Tierart Wanderfalke wurde also nicht nur im Heimat- und Sachkunde Unterricht behandelt. Die Kinder wurden dabei keine Ornithologen. Doch so einiges Interessantes werden sie bestimmt nicht so schnell vergessen. Dass der Wanderfalke der schnellste Vogel der Welt ist beispielsweise, und dass er bis zu 300 "Sachen" erreicht. Ein Klassenfoto findet sich mit auf der Infotafel, die an einem der Brückenpfeiler angebracht wurde. Anlass für die Schüler, immer wieder, vielleicht auch mit der ganzen Familie dort vorbei zu kommen.

"Die Nisthilfe kann etwa 60 Jahre halten", sagt Thomas Köhler. Und da Volker Lauterbach von der Autobahndirektion Nordbayern versichert, die Brücke werde etwa 90 Jahre stehen bleiben, können die Schüler von heute auch noch ihren Enkeln zeigen, was sie "damals 2015" für die Artenvielfalt in ihrer Heimat getan haben.

Das damit Interesse und Bewusstsein für die Belange der Natur immer weitergegeben wird, ist eine Hoffnung, die die Initiative hegt, wenn sie mit solchen Projekten an die Schulen geht. "Die Kinder berichten ja zu Hause davon. Vielleicht sind es dann die Großeltern, die noch etwas über die Natur erzählen können", hofft Köhler. So wird Natur in den Familien Thema und es wächst Verständnis für das Mühen um die Artenvielfalt.

Wie wichtig solches Verständnis ist, zeigt auch die Entwicklung der Bestände beim Wanderfalken. In den 80er Jahren war er eine stark bedrohte Art. Als Grund machen die Biologen den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft aus, der Mitte des 20. Jahrhunderts rasch zunahm. Vögel nahmen belastete Körner oder Insekten auf. Die Vögel wurden dann wieder vom Falken erbeutet. Das Gift machte die Tiere unfruchtbar. Wo Nachwuchs schlüpfte, starb er oft bald. Die Schale der Eier wurde oft zu dünn und brach.

Vor allem in Bayern und Baden Württemberg steuerten Naturschützer Ende der 60er Jahre gegen diesen Trend und riefen ein Artenhilfsprogramm ins Leben. Heute ist der Wanderfalke wieder häufiger als pfeilschneller Jäger am Himmel zu beobachten.

Es kann ein paar Jahre dauern, bis ein Wanderfalken-Männchen ein Weibchen einlädt, mit ihm in die Luxuswohnung zu ziehen, die jetzt unter der Brücke bezugsfertig bereit steht. Die Brückenbauer freuen sich auf ihn, denn er hält die Tauben vom Bauwerk fern, deren Kot bei den Überprüfungen lästig ist. Thomas Köhler ist zuversichtlich. An "zig" anderen Stellen hat es bereits geklappt.