Während der Rettungsarbeiten nach dem schweren Unfall am Montagabend in der Neustadter Straße in Coburg, bei dem ein 20 Jahre alter Feuerwehrmann ums Leben kam, ist es zu einem Zwischenfall mit zwei Schaulustigen gekommen.

Ein 43-Jähriger, der gemeinsam mit seinem 15-jährigen Sohn an der Unfallstelle war, zückte sein Smartphone und wollte Videoaufnahmen machen. Außerdem drohte er einem Feuerwehrmann Schläge an. Wörtlich soll er, wie die Polizei mitteilt, gesagt haben: "Was willst du denn von mir? Ich hau dir eine auf's Maul!"

Anstatt den Unfallort zu verlassen suchten sich die beiden Gaffer daraufhin lediglich einen anderen Standort auf der anderen Straßenseite, um dort erneut Foto- und Videoaufnahmen zu machen. Gegen den Vater ermittelt nun die Polizei wegen Nötigung, Beleidigung, möglicher unterlassener Hilfeleistung und wegen einer Ordnungswidrigkeit wegen Nichtangabe der Personalien. Ob dem Sohn ein Fehlverhalten vorgeworfen werden kann, wird noch geprüft.


"Hier ist eine Grenze überschritten worden"

Stefan Probst, Pressesprecher der Polizei, bezeichnet die Ermittlungen als "eindeutiges Zeichen", das an dieser Stelle gesetzt werden müsse. Denn: "Hier ist eine Grenze überschritten worden." Polizeibeamte, so Probst, hätten sich ja fast schon daran gewöhnt, an Unfallstellen heutzutage leider oft mit Gaffern konfrontiert zu werden.


Doch im vorliegenden Fall kämen zwei Komponenten erschwerend hinzu. Erstens hätten die Gaffer Foto- und Videoaufnahmen angefertigt, was eine "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches" darstelle. Dies könne mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren geahndet werden. Zweitens, und das macht Probst besonders wütend, sei hier ein ehrenamtlich tätiger Feuerwehrmann bedroht und beleidigt worden.


Wenn "Gaffer" zu Fotografen werden - so ist die Rechtslage

§ 201a StGB Im Strafgesetzbuch ist unmissverständlich geregelt, was passiert , wenn Bildaufnahmen den "höchstpersönlichen Lebensbereich" verletzen. "Mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer ...eine Bildaufnahme, die die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt, unbefugt herstellt oder überträgt und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt." Dabei ist es unerheblich, ob Fotos oder Videoaufnahmen veröffentlicht oder weitergeben werden. Allein das Anfertigen der Bildaufnahmen ist strafbar und die dazu verwendeten technischen Geräte samt Bildträger können eingezogen werden.

2015 verschärft Dieser Paragraf wurde im Jahr 2015 letztmalig ergänzt und dabei noch verschärft. Christian Pfab von der Staatsanwaltschaft Coburg ist allerdings noch kein Fall bekannt, in dem dieser Paragraf in einem Gerichtsverfahren in Coburg im Zusammenhang mit einem Unfall in Anwendung gekommen ist.


Ausgenommen vom Verbot der Bildaufnahmen sind "Handlungen, die in Wahrnehmung überwiegender berechtigter Interessen erfolgen, namentlich der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens."

Gaffen gilt als Ordnungswidrigkeit und kann aus diesem Grund mit Bußgeldern von 20 bis zu 1000 Euro belegt werden. Als Ordnungswidrigkeit gilt beispielsweise die Behinderung der Rettungskräfte durch Befahren des Seitenstreifens auf der Autobahn ebenso wie das Behindern der Rettungskräfte durch Parken auf den Seitenstreifen. Wichtig im Zusammenhang mit dem Thema Gaffen ist auch der Tatbestand der unterlassenen Hilfeleistung. Das gilt als Straftat und kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr geahndet werden.


Hier geht es zum Video "Coburg: Feuerwehrauto prallt gegen Mauer - 20-jähriger Feuerwehrmann stirbt"