Einkaufen im Supermarkt wird immer digitaler, und zwar mithilfe von Apps. Über das Nutzungsverhalten der Käufer geben zwei neue Studien Auskunft.
- Daten gegen Rabatte: Wie funktioniert das?
- Verändert sich das Kaufverhalten?
- Hilft ein Verbot wirklich weiter?
- Klage gegen die Lidl-App bislang ohne Erfolg
Sie heißen Lidl Plus, Netto Plus oder Rewe Bonus. Von Rabatten durch Lidl Plus über Guthaben aus Rewe Bonus bis hin zu Treuepunkten in der Edeka-App – viele Supermärkte, Discounter und Drogeriemärkte bieten bereits eigene Apps für den Lebensmitteleinkauf an. Und sie werden immer beliebter. Verbraucherschützer bleiben allerdings skeptisch.
Daten gegen Rabatte: Wie funktioniert das?
Das Geschäftsmodell ist einfach: Daten gegen Rabatte. Konkret geht es um Informationen wie Name, Geburtsdatum, E-Mail-Adresse, Mobilfunknummer, Anzahl der Erwachsenen im Haushalt, Kinder, Einkaufsort, gekaufte Produkte, ob du eine Katze oder einen Hund hast, oder es geht um Ernährungsgewohnheiten. Daraus lassen sich digitale Kundenprofile erstellen, die der gezielten Werbung dienen.
Die Datenpreisgabe lässt viele Verbraucher nicht zurückschrecken. Repräsentative Befragungen zeigen: Die große Mehrheit der Befragten (78 Prozent) nutzt Supermarkt-Apps. Laut der Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom ist der Nutzungsgrad der Apps der Lebensmittelhändler allerdings etwas geringer: Hier liegt er bei 67 Prozent. Laut Bitkom haben die Befragten im Durchschnitt vier entsprechende Apps auf ihrem Smartphone installiert.
"Beim Lebensmitteleinkauf wollen Verbraucherinnen und Verbraucher Vorteile ohne Umwege", sagt Bitkom-Retail-Expertin Nastassja Hofmann. "Apps bündeln Rabatte und Coupons, speichern Belege, stellen Produktinformationen dar oder ermöglichen die Bezahlung direkt per App." Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass es 77 Prozent der Kunden um Preisvorteile, Angebote und Rabatte geht. Weitere 73 Prozent nutzen über die App digitale Kundenkarten für Treueprogramme oder Gewinnspiele. Weniger beliebt sind Servicefunktionen wie der digitale Kassenbon, Einkaufslisten oder Kochrezepte.
Verändert sich das Kaufverhalten?
61 Prozent der Nutzer sagen den Verbraucherschützern in ihrer Befragung, dass sich ihr Einkaufsverhalten durch die Nutzung der Apps verändert hat. Zwei Drittel der App-Nutzerinnen und -Nutzer haben in den vergangenen zwei Jahren schon einmal gezielt zusätzliche Einkäufe gemacht, um Angebote oder Vergünstigungen zu erhalten. Aufmerksam wurden sie auf die Waren durch ihre Apps.
Gleichzeitig haben App-Nutzer das Gefühl, dass sie durch Coupons und Rabattmöglichkeiten in der App bei ihrem Einkauf manchmal (69 Prozent) oder sogar bei jedem Einkauf (24 Prozent) Geld sparen. Wie es um die tatsächliche Ersparnis bestellt ist, haben das Preisvergleichsportal Smhaggle und die Stiftung Warentest ermittelt.
Folgt man der Analyse von Smhaggle, drückte die Lidl-Plus-App die Ausgaben 2023 für Lebensmittel nur minimal, und zwar im Schnitt um 0,99 Prozent. Beim Einsatz der Netto-App war es noch weniger, nämlich 0,19 Prozent. Zwei Jahre später sind die Einsparungen bei allen Apps auf durchschnittlich 2 Prozent angestiegen, wie das Nachrichtenmagazin heute des ZDF unter Berufung auf Smhaggle für das Jahr 2025 berichtet.