"Es gibt nur zwei Arten von Musik - nämlich gute und schlechte", sagt Posaunist und Profimusiker Joe Wulf auf die Frage, wie das denn funktionieren soll mit Blasmusik auf der einen und Jazz auf der anderen Seite. Sind das nicht zwei Paar Schuhe? "Nein", fährt er fort und beobachtet die Beiersdorfer Musiker beim Stimmen ihrer Instrumente, "das ist eine hochspannende Sache." Die Sache - ein gemeinsames Konzert mit dem Musikverein Beiersdorf - soll am 11. Oktober im Coburger Kongresshaus über die Bühne gehen. "Natürlich gibt es unterschiedliche Lager", erklärt Wulf, "es gibt Jazz- und es gibt Volksmusiker."

Die wollte Wulf zusammenbringen: "Ich unterrichte viel", sagt er, "da fällt es auf, wenn Nachwuchs fehlt." Er entwickelte ein musikalisches Konzept, wie traditionelle und auch moderne Blasmusik mit seinem Faible, dem New-Orleans-Jazz, verbunden werden kann.
Deshalb startete er einen Versuchsballon mit Blaskapellen aus ganz Deutschland und fragte diese, ob sie sich vorstellen könnten, mit ihm und seiner Band "The Gentlemen of Swing" ein Konzert zu geben. Fünfzehn dieser besonderen Konzerte gingen bereits über die Bühne - jetzt ist Coburg dran: "Alle beteiligten Musiker erkennen, welches Potenzial das birgt", erläutert er. Stephanie Kramer, die Vorsitzende des Musikvereins Beiersdorf, war Feuer und Flamme für die Idee. Sie telefonierte mit Wulf und entschied: "Wir machen es."

Anfänge in der Blaskapelle

Wulf ist in der Musikszene kein Unbekannter: Mit neun Jahren beginnt er, in einer Blaskapelle Posaune zu spielen. Er knüpft Kontakte zu Jazzfreunden und probiert sich in New-Orleans-Jazz. "Anfangs wusste ich nicht viel davon", sagt er, "und konnte auch die Noten nicht." Der Autodidakt bringt sich alles selbst bei: "Die Louis Armstrong-Stücke haben mich einfach total fasziniert."

Als Mitglied der Big Band seines Gymnasiums gewinnt er zweimal bei "Jugend musiziert", spielt dann im Landesjugendjazzorchester des Landes Rheinland-Pfalz. "Da waren gute Leute dabei", erinnert er sich, "zum Beispiel der Schlagzeuger und der Gitarrist von Stefan Raab." Wulf beginnt ein Posaunenstudium an der Musikhochschule Köln und fängt als neuer Posaunist bei Rod Mason's Hot Five an. "Nach drei Wochen haben wir unsere erste CD aufgenommen", erinnert er sich.

Ab da folgt ein Auftritt dem anderen, und Wulf startet seine Karriere als Profimusiker. Er spielt 200 Konzerte pro Jahr im In- und Ausland mit Jazzgrößen wie Bill Ramsey, Paul Kuhn, Chris Barber, Mr. Acker Bilk, Bob Bernard, Tom Baker, Spiegel Wilcox, Jimmy Woode und vielen anderen. Nach acht Jahren gründet er zwei eigene Formationen: Das Septett "Joe Wulf & The Gentlemen of Swing" und die Big Band "Joe Wulf & His Orchestra". Außerdem unterrichtet er im Fachbereich Jazz an der Hochschule für Musik in Köln.

Am Mittwoch reiste er zu einer ersten Probe nach Beiersdorf und stimmte mit Stephanie Kramer die Rahmenbedingungen ab. "Jetzt kommt noch das Feintuning", sagt er schmunzelnd und berichtet: "Wir haben mittlerweile sehr viele Anfragen von Kapellen aus Deutschland vorliegen, die das auch machen wollen." Ebenso eine Band aus Amsterdam hat bereits Interesse signalisiert. "Nächstes Jahr touren wir mit genau diesem Programm durch Südkorea", sagt er, "da gibt es auch viele Blaskapellen."

Alles fließt

Und wie läuft das Coburger Konzert ab? "Zuerst präsentiert sich jede Gruppe rund 40, 45 Minuten für sich", erläutert Stephanie Kramer. Der Musikverein Beiersdorf spielt traditionelle und moderne Blasmusik, Joe Wulf und Band präsentieren ihren New-Orleans-Jazz.

"Und dann wird es so, wie man es vom Jazz kennt", sagt Wulf, "wir spielen uns gegenseitig die musikalischen Bälle zu, später fließt alles ineinander über."


Die Musiker und das Konzert