Sichtlich gefordert von den letzten Ausläufern des windigen "Xaver" stand Landrat Michael Busch (SPD) am Gleußener Ortsausgang und wunderte sich: "Dass so viele Menschen zur Einweihung einer Brücke kommen, hätte ich wirklich nicht gedacht." Aber das große Interesse an der offiziellen Freigabe zeigte Busch auch: Hier handelte es sich um keine "08/15-Einweihung" von ein paar kleinen Dorfbach-Brücken, sondern um eine für die Bürger im Itzgrund offensichtlich wichtige Maßnahme.

Warum dies so ist - das berichtete der stellvertretende Bürgermeister Günther Rose (CSU) in seiner Begrüßung bei Wind und Schnee. Dabei musste Rose ein bisschen ausholen, denn eigentlich fing die Sache schon 2005 an. Da beschloss der Gemeinderat, die Brücken im Gemeindegebiet einmal "konsequent" auf ihren Zustand hin zu untersuchen.
In Gleußen gab es dann vor zwei Jahren bei einer eher turnusmäßigen Überprüfung die böse Überraschung: Sowohl die Brücke über den Herrether Bach innerorts als auch die Brücke über die Itz auf der anderen Seite der Bundesstraße waren in einem derart schlechten Zustand, dass die Gemeinde schnell aktiv werden musste.

Schnell - das heißt aber bei all den Verfahren und Abstimmungen, unter anderem mit dem Landratsamt, dem Wasserwirtschaftsamt und dem staatlichen Bauamt Bamberg, "nicht von heute auf morgen", wie Rose erläuterte. Es dauerte vom Beschluss zum Neubau der Brücken im Juni 2011 fast noch einmal zwei Jahre, ehe die Baustellen in Angriff genommen werden konnten. Nichtsdestotrotz durfte Michael Busch den ausdrücklichen Dank Roses an die Mitarbeiter der Abteilung Wasserwirtschaft mit ins Landratsamt nehmen: "Der Ablauf war ein Musterbeispiel für effektives Verwaltungshandeln." Der Bau der Brücken ging dann letztlich sogar ruck, zuck von Mai bis Dezember über die Bühne. Auch das Tempo freute Rose, denn der Abriss der alten Brücken habe für die Gleußener "erhebliche Einschränkungen" mit sich gebracht.

Hoher Zuschuss

Udo Weber von Ingenieurbüro "Kittner und Weber" erinnerte vor dem offiziellen Akt der Straßenfreigabe an einen weiteren Punkt, der die Verwirklichung der beiden neuen Brücken erst möglich machte: den hohen Zuschuss durch die Regierung von Oberfranken. "63 Prozent Förderung", hatte Günther Rose für die zuschussfähigen Kosten ausgerechnet, seien keine schlechte Hilfe. Weber konnte sich angesichts der schwierigen finanziellen Situation beim Bund und dem Freistaat Bayern gut vorstellen, dass die derzeit hohen Zuschuss-Quoten vielleicht schon bald Geschichte sind. "Dann werden wir uns mit Wehmut an solche Projekte wie dieses hier erinnern", sagte er.

Die Gemeinde Itzgrund musste aber auch so tief in die Tasche greifen: Weil bei solchen Projekten die Gesamtkosten (rund 850 000 Euro) nicht deckungsgleich mit den förderfähigen Kosten (710 000 Euro) sind, bleibt ein Eigenanteil von etwa 400 000 Euro, den die Gemeinde selbst zu tragen hat. Erfreulich dabei, was heutzutage ja nicht immer der Fall ist: "Die reinen Baukosten werden im Rahmen der Erwartungen bleiben", sagte Gemeinde-Geschäftsführer Dieter Scherbel. Der hatte zur Feier des Tages sogar extra einen Brückeneinweihungsschnaps für alle Gäste mitgebracht.

Kein Problem für Landwirte

Auf Interesse, gerade bei den Landwirten aus Gleußen und Umgebung, stießen die technischen Daten, die Udo Weber für die beiden Brücken parat hatte. Die wichtigste Information des Ingenieurs dabei: "Beide Brücken sind für einen Verkehr von bis zu 40 Tonnen ausgelegt." Das heißt: Für den landwirtschaftlichen Verkehr gibt es keinerlei Einschränkungen.