In der Gemeinderatssitzung am Donnerstag gab es einen Eklat. Martin Flohrschütz (CSU) verließ die Sitzung. Es ging um die Errichtung einer Photovoltaik-Freiflächenanlage entlang der A73 in der Gemarkung Unterlauter. Flohrschütz hätte die Sonnenenergiekollektoren gerne woanders gesehen, nämlich bei den oberen Ortsteilen.

Zunächst stellte Bürgermeister Karl Kolb (ÜPW) den Bereich der Gemarkung Unterlauter vor, wo eine solche Anlage realisiert werden könnte. Er folgte damit einem am 5. Dezember 2019 vom Gremium gefällten Grundsatzbeschluss. In der Zwischenzeit hatte die Verwaltung Rückmeldungen der Grundstückseigentümer bekommen, bereit zu sein, die betreffenden Areale zu verpachten. Ein Lageplan wurde erstellt, der entlang der A73 zwei größere zusammenhängende Teilbereiche für eine Photovoltaikanlage ausweist. Mit der Änderung des Flächennutzungsplans und der Aufstellung eines Bebauungsplanes könnte Lautertal hier die rechtliche Grundlage für das Projekt schaffen. Zudem sollte Lautertaler Bürgern die Möglichkeit gegeben werden, sich finanziell an der Anlage zu beteiligen. Interesse an dem Projekt habe bereits die Bürgerenergiegenossenschaft Coburger Land eG signalisiert, sagte Kolb.

"Grundsätzlich noch einmal infrage stellen"

So weit - so gut. Dann trug Norbert Seitz einen Antrag der CSU-Fraktion vor, den damaligen Beschluss des Gemeinderates grundsätzlich noch einmal infrage zu stellen und weitere Areale im Gemeindegebiet nicht auszuschließen. Er meinte damit auch das Hochplateau.

Bürgermeister Kolb erinnerte daraufhin daran, dass das Plateau für den Wintersport und für Wanderungen in der jetzigen Form erhalten werden solle. Zweiter Bürgermeister Martin Rebhan (SPD) bemerkte, dass der Antrag der CSU nicht der Gemeindegeschäftsordnung entspreche. Deshalb sei die Behandlung im Rahmen der Tagesordnung nicht zulässig. Auch Bernd Wicklein (ÜPW) betonte, dass jeder Antrag 14 Tage vor der Sitzung einzugehen habe. Mit 10:7 Stimmen lehnten es die Gemeinderatsmitglieder ab, den Antrag zu behandeln.

Seitz wollte sich damit nicht zufrieden geben und sagte: "Ich verstehe nicht, dass wir ein solches Millionenprojekt nur einem Anbieter zuschanzen und keiner anderen Firma die Möglichkeit bieten, sich zu bewerben." Dazu meinte Rebhan: "Wir zeigen hier unseren Bürgerinnen und Bürgern nur den Weg auf, wie sie gemeinsam vorgehen können." Wicklein entgegnete Seitz: "Mit unserem Konzept ist doch nicht die wirtschaftliche Ausarbeitung verbunden. Wir wollen lediglich erreichen, dass sich Bürger an der Anlage beteiligen und sich damit identifizieren. Es sollen durch uns lediglich die Rahmenbedingungen geschaffen werden."

"Den Standort zerredet"

Martin Flohrschütz fragte, warum der Standort Rottenbach/Tremersdorf damals abgelehnt worden sei. Statt mit den Bürgern vernünftig zu sprechen, habe man den Standort dort in Bürgerversammlungen zerredet und sich danach mit den Vorbereitungen für Unterlauter viel Arbeit gemacht. Flohrschütz sprach von "niederen Beweggründen", die zur Ablehnung der oberen Ortsteile geführt hätten. Das wollte der Bürgermeister so nicht stehen lassen: "Man kann nun wirklich nicht von niederen Beweggründen sprechen, wenn das Hochplateau für den Wintersport und die Natur erhalten werden soll", entgegnete er. Martin Flohrschütz sagte noch einen Satz an seine Kollegen im Gemeinderat: "Überlegt mal, welche Wertschöpfung wir in den oberen Ortsteilen durch eine solche Anlage im Vergleich zum Wintersport hätten." Dann verließ er die Sitzung. Mit 10:7 Stimmen wurde der Beschluss festgemacht. Das heißt, die ausgewählten, zusammenhängenden Flächen (circa 18 Hektar) an der Autobahn bei Unterlauter kommen grundsätzlich als Standort für eine Freiflächen-Photovoltaikanlage infrage. Die entsprechenden Pläne sollen folgen. Und die Verwaltung wurde beauftragt, in Zusammenarbeit mir der Energiegenossenschaft Coburger Land eG ein Konzept zu entwickeln, das eine Bürgerbeteiligung an der Anlage ermöglicht.