Der Lockdown bringt auch in Coburg viele Einschränkungen mit sich. Anders allerdings als beim ersten Lockdown im Frühjahr darf die Stadtbücherei ebenso geöffnet bleiben wie die Landesbibliothek (siehe Text unten). Im Interview beschreibt Brigitte Maisch als Leiterin der Stadtbücherei die gegenwärtige Situation.

Wie erleben Sie in der Stadtbücherei den Lockdown?

Die Stadtbücherei ist zwar geöffnet, aber hauptsächlich auf Ausleihen und Rückgaben beschränkt. Ein wichtiger Teil unseres Angebotes fehlt schmerzlich. So können sich Kinder nicht mehr bei uns aufhalten, um selbst zu lesen oder von Eltern oder Großeltern vorgelesen zu bekommen. Unser Lesesaal ist gesperrt und man kann nicht in die neuesten Zeitschriftenhefte hineinlesen. Der Aufenthalt in der Bücherei sollte möglichst kurz sein, so ist es zur Zeit nicht möglich, die Bücherei als Lern- und Arbeitsplatz zu nutzen. Das fehlt unseren Kundinnen und Kunden schon sehr.

Wie hat sich das Ausleihverhalten in Corona-Zeiten verändert?

Es gibt eine Steigerung bei der Onleihe (E-Books, E-Zeitschriften, E-Papers, E-Hörbücher) um 20 Prozent. Die Kinderbücher boomen schon seit längerer Zeit. Bei den Romanen gibt es einen Aufwärtstrend und wir haben den Eindruck, dass wieder verstärkt Werke der Weltliteratur gelesen werden.

Wie viele Medien wurden vor Corona ausgeliehen?

Im Schnitt 376 pro Tag.

Wie viele seitdem?

Seit Wiedereröffnung über 500 pro Tag.

Wie viele Medien wurden 2019 ausgeliehen?

120000

Wie viele eingetragene Benutzer?

Diese Zahl benutzen wir nicht. Für uns sind nur die Nutzer relevant, die tatsächlich auch ausleihen.

Wie viele regelmäßige Nutzer gibt derzeit?

2019 waren es fast 4000, darunter über 1000 Kinder bis 12 Jahre. 750 Kundinnen und Kunden hatten sich neu angemeldet. Für 2020 haben wir bisher: 3000 aktive Kunden, 820 Kinder und 380 Neuanmeldungen. Ich vermute, dass wir die Vorjahreszahlen nicht erreichen werden. Es fällt aber auf, dass diejenigen, die zur Zeit bei uns ausleihen, Kunden sind, die größere Mengen ausleihen. Wir haben bei den Ausleihen im Moment nur einen Rückgang um 5,7 Prozent, das heißt, die Stammkunden kommen weiterhin, während Nutzer, die seltener in die Bücherei kommen, sich jetzt auch stärker zurückhalten.

Was bedeutet "Buchquarantäne"?

Die zurückgegebenen Medien werden erst nach drei Tagen wieder in die Regale geräumt, um eine eventuell bestehende Virengefahr zu vermeiden.

Die Rückgabebox bleibt 24 Stunden geöffnet: Wie wird dieses Angebot angenommen?

Die Rückgabebox wird sehr gerne angenommen und hilft zu vermeiden, dass unser Foyer zu voll wird.

Was passiert mit Medien, die in die Rückgabebox gelegt werden?

Die Box wird morgens und im Laufe des Tages immer wieder geleert und die Medien zurückgebucht. Leider fehlen manchmal Beilagen aus Büchern oder in Hörbüchern eine CD. Dann müssen wir unseren Kunden hinterhertelefonieren.

Wie sieht das Hygienekonzept für die Mitarbeiterinnen aus?

Wir tragen den ganzen Tag Mund-Nasen-Bedeckungen - außer wir arbeiten an unseren Schreibtischen. Da wir öfters im Haus unterwegs sind, müssen wir die Masken viele Stunden tragen. Dienstbesprechungen wurden auf das Nötigste reduziert und viele Informationen müssen jetzt über E-Mail verschickt werden. Das ist für unser kleines Team ungewohnt. Wir sind neun Mitarbeiterinnen (zwei davon in Teilzeit) und eine Auszubildende. In normalen Zeiten genügt für den Informationsfluss ein kurzes Gespräch.