"Jeden Cent, den wir hier hineinstecken würden, wäre umsonst", sagt Kirchenpfleger Helmut Kollo und zeigt auf den abbröckelnden, gelben Putz der Sakristei von St. Augustin. "Wir haben hier alle möglichen Schäden vereint, eine Sanierung ist nicht mehr möglich." Das Flachdach der Sakristei sei nicht wasserdicht und innen würde es schon ganz modrig stinken. Die Sakristei wurde bei der letzten großen Sanierung und liturgischen Neugestaltung der Pfarrkirche in den Jahren 1960 bis 1965 angebaut.
Doch es gibt noch mehr Handlungsbedarf. Deshalb wird die Kirche im kommenden Jahr erneut saniert. "Unser Wunsch ist es, dass wir im Mai 2014 mit der Sanierung beginnen können", sagt Kollo. Er hat das Projekt bereits von Beginn an begleitet, noch unter der Leitung von Pfarrer Reinwald, als die ersten Beratungen und Überlegungen im Jahre 2010 in den Gremien der Pfarrgemeinde angestellt wurden.
Es sei ein langer Planungsprozess gewesen, sagt Dekan Roland Huth. Dabei wurden Anregungen bei bereits sanierten Kirchen in Ober- und Mittelfranken eingeholt.
Die Planung übernahm das Architekturbüro Brückner & Brückner, das bereits für die Sanierung und Neugestaltung der Klara-Kirche und Kapelle des Caritas-Pirckheimer-Hauses in Nürnberg zuständig war. Die Firma Brückner & Brückner setze gerne Alt und Neu in einem gelungenen Zusammenspiel gegenüber, erläutert Huth.
Die Sakristei werde abgerissen, um der Apsis ihre ursprüngliche äußere Gestalt zurückzugeben. Die Garagen auf dem Kirchenvorplatz müssen ebenfalls weichen. Auf dem dadurch gewonnenen Platz werde an die Pfarrkirche ein würfelförmiger Anbau angehängt. In den Neubau werden die Ministrantensakristei, die Lourdes-Grotte, die sich zur Zeit im Eingangsbereich der Pfarrkirche befindet, eine Toilettenanlage sowie ein Technikraum integriert.

Open-Air-Gottesdienst möglich

Das besondere Highlight des Anbaus soll eine Werktagskapelle darstellen, die für etwa 30 Personen Platz bieten wird. Wobei der Name dem vielseitig nutzbaren Raum nicht wirklich gerecht wird, findet Kollo. Sie ist gedacht für die Feier von Gottesdiensten unter der Woche, für Kinder-Kirchen, Gruppengottesdienste und verschiedene Andachten. Das i-Tüpfelchen ist ein Flügeltor, das es ermöglicht den Gottesdienst nach außen zu tragen. Somit wird es auch Sitzgelegenheiten im Freien geben, von denen aus der Gottesdienst auch draußen mitgefeiert kann. "Es wird ein offener, liturgischer Raum sein, den man nach außen hin aufbrechen kann", sagt Pfarrer Huth vorfreudig. Kollo spricht von einem multifunktionellen Raum, der auch für Kunst und Kultur offen sein wird."Wir wollen einen wertigen, spirituellen Raum für den Gottesdienst mit kleinen Gruppen schaffen.

Parkplätze werden fehlen

Im großen Kirchenraum verteilen sich die Leute in alle Richtungen über die Bänke und vorne steht dann der Pfarrer. So kann gar kein Gruppengefühl aufkommen. Im der neuen Kapelle sollen sich wenig Leute als Gemeinschaft fühlen können."
Dazu soll alles behindertengerechter werden. Der Kirchenvorplatz soll so angeglichen werden, dass die Besucher fast ebenerdig in das Gotteshaus gelangen können.
Aber wenn auf dem Kirchenvorplatz so viel angebaut wird, wo sollen die Kirchenbesucher denn dann parken? "Das Parkplatzproblem wird sich verschärfen", räumt Huth ein. Allerdings habe es aufgrund des Platzmangels keine andere Möglichkeit für einen Anbau gegeben. "Die Gemeinde wurde sehr in die Planung mit einbezogen. Wir haben zu gemeinsamen Treffen eingeladen, so dass zusammen mit den Architekten Entscheidungen getroffen werden konnten und die Möglichkeit bestand, zu dem Projekt Stellung zu nehmen."
Natürlich gebe es Mitglieder, die mit dem Vorhaben nicht vollends zufrieden seien und wahrscheinlich dem jetzigen Aussehen der Kirche nachtrauern werden. Auch innen soll eine große Neugestaltung vollzogen werden.
"So, jetzt kommt der große Stilbruch", sagt Kollo mehr oder weniger scherzhaft beim Betreten der Kirche. Der dunkle Chorraum wirke unruhig und drückend, das Dekor sei unstimmig. Auch hier sind grundlegende Veränderungen vorgesehen: Der fleischfarbene Marmoraltar soll weg, der gesamte Altarraum soll in enger Absprache mit dem Ordinariat Bamberg neu konzipiert werden. Insgesamt solle mehr Einheit im Altarraum geschaffen werden, erläutert Huth.
Die Seitenaltäre werden ebenfalls entfernt. Sie seien überflüssig, da sie keine liturgische Bedeutung mehr haben. Außerdem sollen die in den 60er Jahren entstandenen grell-bunten Fenster durch Bespannungen etwas gemildert werden. Die Platzierung der Kreuz- und Assistenzfiguren sei noch offen, sagt Huth. "Wir wollen einen Raum mit Würde, Klarheit und Ruhe schaffen." Für die Innengestaltung wird voraussichtlich ein Künstlerwettbewerb ausgeschrieben.
Die große Treppenanlage vor der Kirche soll weitgehend erhalten bleiben. Da jedoch auch hier sichtlich der Zahn der Zeit stark genagt hat, muss sie umfassend saniert werden. Es wurden im Laufe der Zeit schon einige Ausbesserungsarbeiten vorgenommen, um sie verkehrstüchtig zu halten, denn die historische Sandsteintreppe ist nicht witterungsfest. Genauso wie die Kohary-Gruft ist sie ein denkmalpflegerisch heikler Punkt, so dass die Arbeiten hieran nach intensiven Besprechungen mit dem Landesamt für Denkmalpflege erfolgen werden .

Fünf Millionen Euro Kosten

Wenn die Kirche im kommenden Jahr eine Großbaustelle darstellt, wird der Gottesdienst im nebenan gelegenen Pfarr- und Dekanatszentrum stattfinden.
Nach ersten Berechnungen belaufen sich die Gesamtkosten auf rund fünf Millionen Euro. Von Seiten des Ordinariat wurde für die Baumaßnahme ein Zuschuss von 65 Prozent in Aussicht gestellt. Eineinhalb bis zwei Jahren soll die Sanierung und Neugestaltung der St.-Augustin-Kirche dauern.