"Das war handballerisch mau von uns." So kommentierte der Trainer des HSC 2000 Coburg, Jan Gorr, die 22:31-Hinspielniederlage seiner Mannschaft gegen die TSG Ludwigshafen-Friesenheim. Im Rückspiel am vergangenen Samstag war die Teamleistung gegen den Tabellenvierten nur unwesentlich besser, das erkannten die Spieler selbst.
Steffen Coßbau wurde wie andere auch deutlich: "Wir spielen vorne einen echten Murks." Gerade deswegen feierten sie am Ende das 24:24-Unentschieden aber fast wie einen Sieg, auch wenn sie Platz zwei an den jetzt punktgleichen aber tordifferenzbesseren TSV GWD Minden verloren.


Ständig im Rückstand

Denn nach Zählbarem hatte es fast zu keinem Zeitpunkt, insbesondere nach der Pause, ausgesehen, als der HSC nahezu ständig einem Rückstand hinterherlief. Aber auch die Friesenheimer konnten zu keinem Zeitpunkt an das grandioses Spiel in Coburg anknüpfen.
Aktivposten bei ihnen waren dieses Mal Kai Dippe am Kreis, den die HSCler gerade in der Anfangsphase überhaupt nicht an die Leine legen konnten und der aus dem TSG-Rückraum immer wieder toll in Szene gesetzt wurde.
Dort war der Bald-Coburger Nico Büdel Dreh- und Angelpunkt.
Coburg hatte in dieser Spitzenpartie, die aber nur dem Namen nach eine war, zwei Schwachpunkte - das waren das Überzahlspiel und die Durchschlagskraft aus dem Rückraum. Das kam gegen die massive Abwehr der TSG Friesenheim selten zum Zuge. Und aus der Überzahl machte Coburg zu wenig - im Gegenteil. Oft hatte da sogar der Gastgeber den Vorteil auf seiner Seite.
Wie auch bis zur 15. Minute - Coburg hatte beim 6:5 erstmals eine Option zum Ausgleich, doch Kevin Klier im TSG-Gehäuse parierte einen Wurf von Kirveliavicius und leitete sofort einen mustergültigen Konter zum 7:5 ein. Coburg spielte oft zu kompliziert, die vorübergehende Wende leitete Dominic Kelm am eigenen Kreis ein. Mit einem Hechtsprung verhinderte er ein neuerliches Kreisanspiel auf Dippe.
Vier Minuten später hatte Coburg mit einem 4:0-Lauf selbst zwei Tore vorgelegt, hätte in Überzahl sogar noch eines mehr draufsatteln können. Doch die TSG spielte das eigene Angriffsspiel mit einem zusätzlichen Feldspieler geschickt und Coßbau und Billek brachten ihre Chancen zu diesem Zeitpunkt nicht im gegnerischen Tor unter. Daraus resultierte letztlich der Halbzeitrückstand.


Zur Pause knapp zurück

Den der HSC dann schnell egalisierte - in Unterzahl. Doch ab der 37. Minute war die Mannschaft von Jan Gorr dann in der Defensive. Erst sprang ein Aufsetzer von Kelm von der Unterkante der Latte TSG-TW Klier die Arme, im nächsten Angriff vergab Matthias Gerlich einen Strafwurf und als dann auch Billek mit einem Dreher, den Klier "gerochen" hatte, nicht erfolgreich war, hatten die Gastgeber plötzlich drei Treffer (18:15, 42.) vorgelegt.
Überhaupt agierte der HSC in dieser Phase sehr unkonzentriert, schlechte Pässe wurden gespielt, die es dem Gegner einfach machten, dazwischen zugehen. Das machte es Friesenheim nicht zu schwer, Coburg auf Distanz zu halten, allerdings konnten sich die Friesenheimer durch eigene Fehler auch nicht weiter absetzen.
Beim 20:19 (50.) hatte das Team von Jan Gorr die große Möglichkeit, endlich wieder einmal auszugleichen. Es war in Überzahl und nutzte die numerische Überlegenheit einmal mehr nicht konsequent aus, Friesenheim zog auf 22:20 davon. Doch zwei sehenswerte Spielzüge, deren man sich viel mehr gewünscht hätte, führten dann doch zum Ausgleich. Erst wurde Kelm am Kreis mit schnellen Pässen im Rückraum frei gespielt und für ihn war es ein ganz besonderer Treffer. Denn im 222. Spiel war es sein 749. Tor für den HSC. Damit zog der Kreisläufer in der ewigen Torjägerliste mit Florian Lendner auf Rang zwei gleich und hat nun nur noch, allerdings mit weitem Abstand, Ronny Göhl (1331 Tore) vor sich.
Im darauf folgenden Angriff war es Steffen Coßbau auf Linksaußen, der nach einer Ballstafette über fünf Stationen mutterseelenallein war und das 22:22 besorgte. Aber wieder legte Friesenheim noch zwei Mal vor, doch die Coburger behielten die Nerven und dadurch einen Punkt.
Der HSC überstand nicht nur die Unterzahl nach der dritten Zeitstrafe gegen Markus Hagelin drei Minuten vor dem Abpfiff ohne größeren Schaden, sondern mit ruhiger Spielweise wurde 29 Sekunden vor dem Abpfiff Girts Lilienfelds freigespielt, der den letzten Treffer der Partie markierte. Hinten machte der HSC in der verbliebenden Spielzeit "dicht".
Durch das Remis konnte weder bei der TSG Kai Dippe das gewohnte Heimsieg-"Humpa" anstimmen, noch die Coburger "Auswärtssieg" skandieren. Doch der eine Zähler hält Friesenheim, die in eigener Halle bei jetzt drei Remis nur von Erlangen bezwungen wurden, sieben Zähler auf Distanz.

TSG Friesenheim - HSC Coburg 24:24 (13:12)
TSG Friesenheim: Kevin Klier, Roko Peribonio - Philipp Grimm (3), Gunnar Dietrich, Stefan Lex, Marco Hauk, Pascal Durak (3), Nikola Sorda, Nico Büdel (6), Patrick Weber (1), Kai Dippe (7), Martin Slaninka (1), David Schmidt (2), Marius Kastening (1). - Trainer: Benjamin Matschke.
HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek, Oliver Krechel - Markus Hagelin (1), Dominic Kelm (3), Matthias Gerlich (2/2), Jiri Vitek, Tomas Riha, Steffen Coßbau (5/3), Florian Billek (6), Till Riehn (1), Adnan Harmandic (2), Girts Lilienfelds (2), Romas Kirveliavicius (2). - Trainer: Jan Gorr.
SR: Nils Blümel / Jörg Loppaschewski (Berlin).
Zuschauer: 1919 in der Friedrich-Ebert-Halle.
Strafminuten: 8 (Grimm, Schmidt 4, Büdel) - 12 (Kirveliavicius, Gerlich, Kelm, Hagelin 6).
Rote Karte (nach dritter Zeitstrafe): - / Hagelin (57:16).
Siebenmeter: 0 - 5/6 (Gerlich scheitert einmal an Klier).
Beste Spieler: Büdel, Dippe / Billek, Coßbau.