Viele Optimisten sehen den HSC 2000 Coburg bereits in der 1. Bundesliga, nicht zuletzt aufgrund des gewonnenen Derbys gegen den HC Erlangen und auch aufgrund der Patzer der Aufstiegskonkurrenz. Vielerorts wird darüber diskutiert, ob die Mannschaft von Jan Gorr den Aufstieg sogar schon in diesem Monat schafft oder "erst" mit einem weiteren Derbysieg Anfang Mai bei der DJK Rimpar Wölfe.
Aber es warten noch zehn mehr oder minder schwere "Aufstiegsspiele" auf Coburg. Der vermeintlich schwerste Gang steht am morgigen Samstag (Anwurf um 19 Uhr) zur TSG Ludwigshafen-Friesenheim bevor.
"Die TSG ist als Vierter ein direkter Konkurrent um einen Aufstiegsplatz. Wenn wir den distanzieren können, haben wir eine herausragende Position, um in die erste Liga aufzusteigen", zeigt Coburg's Trainer Jan Gorr die Wichtigkeit der Partie auf, "aber wir wissen, was uns dort erwartet."
Zum einen ist Friesenheim ein Gegner, der den HSC im Hinspiel nicht nur klar dominiert
hatte, sondern sich in eigener Halle in dieser Saison nur dem Spitzenreiter aus Erlangen beugen musste. Zudem ist Friesenheim ein Team, das den Coburgern ihre beiden höchsten Zweitliga-Heimniederlagen beigebracht hat. "Wir müssen besser verteidigen als im Hinspiel. Dietrich, Büdel, Lex haben uns da ganz schön zugesetzt, die müssen wir besser kontrollieren", hat Gorr ein Erfolgsrezept ausgemacht.
Denn gerade Büdel und Lex, ab Juli in Coburger Diensten, werden noch einmal alles für ihr "altes" Team in die Waagschale werfen. Und TSG-Trainer Benjamin Matschke wird auch mit seiner "Spezialität" aufwarten, dem siebten Feldspieler. "Das dürfte für Coburg nicht überraschend kommen, dass mache ich ja öfters."
Insgesamt wird von den Coburgern gegen die robuste und massive 6:0-Deckung viel mehr Spielwitz gefordert sein, als im Hinspiel. Doch da hatte man auf der rechten Angriffsseite mit einem angeschlagenen Jiri Vitek und einem verletzten Girts Lilienfelds wichtige Ausfälle zu beklagen. Dennoch dürften die HSCler die damaligen "Aufhören"-Rufe noch in schlechter Erinnerung haben.
Doch es gibt auch gute - im ersten Zweitligaspiel der Vereinsgeschichte gewannen die Coburger 2007 am ersten Spieltag überraschend in der Friedrich-Ebert-Halle. Daran sollte man anknüpfen, damit Kreisläufer Kai Dippe von der TSG nicht das fast gewohnte "Humba" vor den eigenen Fans anstimmen kann, sondern der HSC, stärkstes Auswärtsteam der zweiten Liga, zum zwölften Mal "Auswärtssieg" skandieren wird.
Diesmal hat Gorr alle Spieler an Bord, auch wenn hinter dem Einsatz des grippekranken Oliver Krechel noch ein Fragezeichen steht.
Im Falle eines Erfolges ist der HSC 2000 Coburg dann zwar wirklich in einer komfortablen Situation. Doch gerade einmal 30 der 40 Spiele hat der HSC im Augenblick absolviert, ein Viertel der Saison steht noch aus.
Und so einige möglichen Stolperfallen sind danach noch zu umgehen. Wie schnell drei, vier Spiele auch mal verloren gehen können, hat Minden im März zu spüren bekommen. "Uns jetzt zurückzulehnen, das wäre ein ganz schlechter Ratgeber für uns. Da gibt es noch zu viele Unbekannte. Wir müssen weiter nahe am Top-Level arbeiten". Jan Gorr sieht sich noch lange nicht mit einem Bein in der ersten Liga.

Die Favoritenrolle haben die Coburger in diesem Spiel

Friesenheims Trainer Benjamin Matschke, selbst lange bei der TSG auf dem Feld aktiv, rechnet mit einem anderen Spiel als in der Hinrunde: "Der Ausblick für den HSC Coburg ist sehr gut. Wenn die Gorr-Truppe die Partie gewinnt, ist das das für sie ein Riesenschritt in Richtung Aufstieg. Außerdem wird es für uns garantiert nicht so einfach, wie in Coburg." Matschke begründet auch gleich warum: "Natürlich wollen wir alles so wie im Hinspiel umsetzen, aber die Coburger spielen inzwischen einen ganz anderen Ball. Damals haben einige Spieler gefehlt, gerade auf der rechten Seite. Da sind sie jetzt viel variabler alleine wenn ich mir Girts Lilienfelds anschaue. Im Augenblick schätze ich sie sogar stärker als Minden und Erlangen ein." Geschickt spielt der Friesenheimer Trainer demnach der Mannschaft von Jan Gorr die Favoritenrolle zu, ist mit dem Erreichten seines Teams zudem zufrieden:


Es ist ein Geschenk für uns

"Das ist schon ein Geschenk, dass wir mit unserer jungen Mannschaft immer noch vorne mitmischen. Da sind wir auch stolz darauf. Jetzt diese Partie vor einer für uns möglichen Rekordkulisse spielen zu können, ist noch einmal ein Höhepunkt. Auch Nico Büdel und Stefan Lex finden diese Konstellation eine geile Geschichte."
Die zukünftigen HSC-Spieler werden sich für die "Eulen" aus Friesenheim aber natürlich noch einmal voll ins Zeug legen. Verlieren wollen sie nicht. "Aber selbst eine Coburger Niederlage bei uns wird den Aufstieg in die 1. Liga nicht verhindern." rbi

TSG Friesenheim - HSC Coburg - Samstag 19 Uhr
TSG Friesenheim: Kevin Klier, Roko Peribonio - Philipp Grimm, Dominik Claus, Gunnar Dietrich, Stefan Lex, Marco Hauk, Pascal Durak, Nico Büdel, Patrick Weber, Kai Dippe, Martin Slaninka, David Schmidt, Marius Kastening.
Trainer: Benjamin Matschke.

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek, Oliver Krechel (?); Markus Hagelin, Lukas Wucherpfennig, Dominic Kelm, Matthias Gerlich, Sebastian Kirchner, Jiri Vitek, Tomas Riha, Steffen Coßbau, Florian Billek, Till Riehn, Adnan Harmandic, Girts Lilienfelds, Romas Kirveliavicius.
Trainer: Jan Gorr.

SR: Nils Blümel / Jörg Loppaschewski (Berlin).