Mit ungläubiger Miene blickt Kevin Franceschi nach einem Alley-Oop-Versuch hinauf zum Korb. Anstatt den Ball nach einem Anspiel seines Teamkollegen Yasin Turan direkt aus der Luft in den Korb zu stopfen, klemmte der athletische Franzose das Spielgerät zwischen Ring und Brett ein. Eine Aktion mit Seltenheitswert im Basketball, die sechs Minuten vor Spielende sinnbildhaft für den Auftritt des BBC Coburg am Samstagabend im letzten Viertel gegen die Bayer Giants Leverkusen steht.

Denn während sich die Vestestädter ein Viertel sehr gut und zwei Viertel zumindest ordentlich gegen den spielstarken Tabellenführer aus der Affäre gezogen hatten, brachen im letzten Abschnitt die Dämme. Die Coburger mussten nach 40 Minuten vor knapp 1000 Zuschauern in der HUK-Arena beim 67:95 ihre höchste Saisonniederlage einstecken.

"Es ist schade, dass das Spiel im letzten Viertel mit vielen einfachen Korblegern von Leverkusen beendet wird, aber ich kann der Mannschaft keinen großen Vorwurf machen. Den Vorwurf muss man dem Team eher in den letzten drei Spielen gegen Erfurt, Bayern und Gießen machen, da hätten wir eher die Chance auf Punkte gehabt", sagte BBC-Trainer Ulf Schabacker. "Wir haben es heute mit allen möglichen Mitteln versucht, aber letztlich liegt es einfach an der Qualität. Leverkusen hat die beste Mannschaft in der ProB, ist einfach auf allen Positionen sehr gut bestückt."

Die zwölfte Coburger Saisonniederlage machte die Minimalchance auf die Play-offs zunichte. Der BBC muss somit auch in seinem zweiten ProB-Jahr in die ungeliebte Abstiegsrunde "Play-downs" - diesmal allerdings mit deutlich besserer Ausgangsposition. BBC Coburg - Bayer Leverkusen 67:95 (33:45)

Beide Mannschaften zeigten sich experimentierfreudig. Bei den Leverkusenern, die bereits seit einigen Wochen als Hauptrundenerster feststehen, übernahm diesmal Assistenztrainer Jacques Schneider das Coaching, Cheftrainer und Europameister von 1993, Hansi Gnad, hielt sich im Hintergrund. Coburgs Trainer Ulf Schabacker überraschte indes ausgerechnet gegen die Riesen vom Rhein mit dem 2,16-Meter-Mann Dennis Heinzmann als Anker mit einer kleinen Startaufstellung ohne Center Max von der Wippel. Der Plan, den Giants mit einer aggressiven und flexiblen Verteidigung zu Beginn den Schneid abzukaufen, ging auf.

Die Rheinländer zeigten sich ungewohnt anfällig für Ballverluste und trafen zunächst ihre Würfe nicht. Anders die Coburger, die selbstbewusst ihre offenen Dreier nahmen und nach sieben Minuten (21:13) bereits vier verwandelten (zweimal Wolf, Fichtner, Adams). Die Gäste ließen den Ball offensiv mit zunehmender Spieldauer immer besser laufen und gingen kurz vor Ende des ersten Viertels zum ersten Mal in Führung (23:24), die sie im Laufe der Partie nie mehr abgeben sollten.

Leverkusen holt 50 Rebounds

Beim BBC hakte das Offensivspiel ab dem zweiten Viertel merklich. Aufbauspieler Chase Adams versuchte zwar den Korb zu attackieren, hatte aber gegen die lange Garde der Gäste kaum eine Möglichkeit, selbst abzuschließen. Stattdessen versuchten die Coburger ihr Heil weiter vornehmlich aus der Distanz - mit schwindendem Erfolg.

In der Defensive erlaubten die Gastgeber den körperlich deutlich überlegenen Leverkusener über die komplette Spieldauer zu viele zweite Wurfchancen (18 Offensiv-Rebounds für Leverkusen) und packten auch bei "offenen Bällen" in 50:50-Situationen nicht entschlossen genug zu. "Ich hatte das Gefühl, dass 95 Prozent der ,Loose Balls' bei Leverkusen waren. Das war heute gravierend. Das ist eine Willenssache, da muss man ein bisschen mehr mit Härte und Körper an die Sache rangehen", analysierte Schabacker. Da die Gäste aber auch nicht alle Einladungen der Coburger annahmen, war der mögliche Heimsieg zur Halbzeit (33:45) noch nicht außer Reichweite.

Im dritten Viertel zog Adams das Spiel an sich und verkürzte den Rückstand nach zwei erfolgreichen Dreiern innerhalb kurzer Zeit wieder auf unter zehn Punkte (43:52, 24.). Zwei Minuten später war die Freude darüber aber bereits verflogen, denn der 1,76 Meter große Aufbauspieler musste das Parkett mit fünf Fouls verlassen. Zunächst sprang Yasin Turan als emotionaler Leader, Organisator Dreierschütze in die Bresche. Der Kapitän netzte ebenfalls zweimal von der 6,75-Meter-Linie ein und hielt sein Team (51:61) auf Schlagdistanz.

Kronacher erzielt erste Punkte

Doch spätestens im letzten Viertel war dem Coburger Spiel das Fehlen ihrer ordnenden Hand anzusehen. Die Hausherren erarbeiteten sich nur noch wenige hochprozentige Würfe und ermöglichten nun dem Tabellenführer, bei dem alle zwölf Akteure mindestens neun Minuten zum Einsatz kamen, nach Fehlwürfen und Ballverlusten reihenweise einfache Fastbreak-Punkte.

Die mannschaftlich geschlossenen Rheinländer dachten nicht daran, die Partie austrotten zu lassen und schraubten den Vorsprung gegen die müden Coburger sogar zwischenzeitlich auf 35 Zähler (58:93, 38.) hoch. Eine positive Randnotiz gab es dann doch noch: Der gebürtige Kronacher Christoph Bauer erzielte mit einem erfolgreichen Dreier seine ersten Punkte in dieser Spielzeit.

Stimmen zum Spiel

Dino Dizdarevic (BBC-Guard, drei Punkte): "Die Enttäuschung ist megagroß. Dass wir jetzt in den Play-downs spielen, haben wir uns selbst zuzuschreiben. Wir waren uns sicher, dass wir das Zeug haben, in die Play-offs zu rutschen. Aber wir stehen nicht wegen der Niederlage heute da unten drin, sondern wegen den Spielen gegen Bayern, Erfurt und Ulm. Da müssen wir uns einfach an die eigene Nase fassen, da hätten wir mindestens ein, zwei Siege holen müssen. Wir haben heute nicht unser bestes Spiel gezeigt, und das hätten wir abrufen müssen, um gegen Leverkusen zu gewinnen. Wir sind super gestartet, sind dann in der zweiten Halbzeit noch mal rangekommen. Dann hat uns natürlich gekillt, dass sich Chase Adams mit seinem fünften Foul verabschieden musste. Dann hatten wir im Spielaufbau schon ziemliche Probleme. Wenn mann dann die Leverkusener Mannschaft ins Rollen kommen lässt, wird's schwer."

Steffen Walde (BBC-Forward, sechs Punkte): "Wir wussten, dass wir dieses Spiel nur als Team gewinnen können und nur eine Chance haben, wenn wir 110 Prozent Gas geben. Wir hatten einen guten Start, hatten dann aber ein paar Aussetzer in der Verteidigung und haben zu viele offene Würfe zugelassen. In der zweiten Halbzeit hatten wir nichts mehr zu verlieren und noch mal alles probiert. Aber man muss einfach offen zugestehen, dass Leverkusen die beste Mannschaft der Liga ist und erst ein Spiel verloren hat, daran konnten auch wir heute nichts ändern."

Die Statistik

BBC Coburg: Adams (15 Punkte, 3 Dreier), Franceschi (11), Wolf (10, 2), Turan (8, 2), Fichtner (7, 1), Walde (6), Bauer (3, 1), Dizdarevic (3), Von der Wippel (2), Rico (2).

Bayer Leverkusen: Mvouika (19, 3 Dreier), Hornsby (11, 13 Rebounds), Kuczmann (11, 3), Nick (11), Blessig (10, 2), Schönborn (9, 1), Thiemann (6), Heinzmann (6, 9 Rebounds), Schick (5, 1), Winter (4, 1), Celebic (3, 7 Assists), Blass (0)