Die Dreifachturnhalle am Anger für teures Geld als Theater-Spielstätte herrichten, um sie nach wenigen Jahren abzureißen? Der Gedanke geht dem Oberbürgermeister sichtlich gegen den Strich. Aber für die Dauer der Sanierung des historischen Theatergebäudes am Schlossplatz wird eine Interimsspielstätte gebraucht, "und leerstehende Hallen oder Industriebrachen haben wir gottseidank nicht", wie Tessmer am Freitagabend bei der Versammlung des SPD-Stadtverbands sagte.

Als Alternativen sind bisher Zeltbauten am Anger im Gespräch, die aber ebenfalls auf wenig Gegenliebe stoßen, obwohl oder weil Stadtratsmitglieder schon einige dieser Übergangsbauten besichtigten. Die Hochschule hat angeboten, ihre Studierenden Lösungen entwickeln zu lassen.
Doch vor Sommer wird da nichts präsentiert werden, und die Zeit drängt auch ein wenig: Das alte Theatergebäude darf nur noch bis Ende 2018 genutzt werden, da es wegen der veralteten Technik zahlreiche Sicherheitsmängel aufweist.

"Mir wäre eine temporäre Lösung in Modulbauweise am liebsten, die man nach Fertigstellung des Theaters weiterreichen könnte, weil auch andere Städte vor dieser Problematik stehen", sagte Tessmer. Ein Vorbild dafür gibt es, das steht zurzeit in Genf. Das soll Tessmer zufolge "demnächst" in Augenschein genommen werden. Das "Theater der Nationen", ein Holzbau, dient dem "Grand Theatre" in Genf seit Februar als Interimsspielstätte, weil das Stammhaus saniert wird. Zuvor stand der Behelfsbau im Innenhof des Palais Royal in Paris. Dort war es als Ausweichspielstätte für die Comedie Francaise errichtet worden. Für den Einsatz in Genf wurde das Gebäude vergrößert und die Sitzplatzkapazität erhöht und ein Orchestergraben hinzugefügt.

Rund zehn Millionen Schweizer Franken kostete es, das Behelfsgebäude in Genf zu errichten. Das Geld wurde von Mäzenen aufgebracht. Bis zu fünf Millionen Euro sind der Betrag, den der Freistaat für eine Interimsspielstätte in Coburg zugesagt hat.

Was den zukünftigen Betrieb des Landestheaters angeht, mehren sich in der SPD die Stimmen, die fordern, der Landkreis solle sich an der Finanzierung beteiligen. 6,7 Millionen Euro muss die Stadt in diesem Jahr für den Betrieb aufbringen. Carsten Höllein, Vorsitzender der Landkreis-SPD, zeigte Verständnis für solche Forderungen. Der Landkreis sei derzeit aber finanziell nicht in der Lage, auf solche Wünsche einzugehen.